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„... nicht unmittelbar für die Bekehrung der Juden im missionarischen Sinne gebetet“ – Auszug aus: Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald

Benedikt XVI. am 24. November 2010

 

Am 24. November 2010 erschien der Gesprächsband „Benedikt XVI., Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald“ in acht Sprachen gleichzeitig. Die internationale Aufmerksamkeit war erheblich. Denn noch nie hatte sich ein Papst bisher in einem so freien und spontanen Interviewaustausch, so ausführlich und zu so unterschiedlichen Themen geäußert wie in diesem Buch. In der internationalen Kritik haben die Sätze zum Kondomgebrauch besonders zu Schlagzeilen geführt. Weniger beachtet wurden die Anmerkungen zu jener Irritation des katholisch- jüdischen Verhältnisses, welche im Frühjahr 2008 durch die Karfreitagsfürbitte für die Juden ausgelöst wurde. Zum ersten Mal erfährt mit diesem Gesprächsband die Öffentlichkeit etwas von den Motiven, welche zur päpstlichen Formulierung und Verabschiedung der Karfreitagsfürbitte für die Juden 2008 bewegt haben. Die entsprechende Passage hat folgenden Wortlaut:

 

Die Bitte betrifft nicht die allgemeine Liturgie, sondern nur den kleinen Kreis derer, die das alte Messbuch benutzen. Sie hat also nichts an der Großliturgie geändert. Aber dort, in der alten Liturgie, schien mir an diesem Punkt eine Änderung nötig. Die Formulierung war dort so, dass sie für die Juden wirklich verletzend war und zudem die große innere Einheit zwischen Altem und Neuem Testament nicht positiv ausgedrückt hat.
Deswegen glaubte ich, dass bei der alten Liturgie an dieser Stelle eine Änderung nötig war, insbesondere, wie gesagt, mit Rücksicht auf unserer Beziehung zu den jüdischen Freunden. Ich habe sie so abgeändert, dass darin unser Glaube enthalten ist, dass Christus der Heiland für alle ist. Dass es nicht zwei Heilswege gibt, dass also Christus auch der Retter der Juden, nicht bloß der Heiden ist. Aber auch dahingehend, dass nun nicht unmittelbar für die Bekehrung der Juden im missionarischen Sinne gebetet wird, sondern dass der Herr die geschichtliche Stunde herbeiführen möge, in der wir alle miteinander vereint sein werden.

 

Quelle: Benedikt XVI., Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald, Freiburg 2010, 133.

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