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Ansprache an den Oberrabbiner von Rom

Johannes Paul II. am 13. Februar 2003

 

Es war ein Zeichen der Kontinuität und Bekräftigung der katholisch-jüdischen Beziehung, dass Papst Johannes Paul II. Oberrabbiner Dr. Riccardo Di Segni am 13. Februar 2003 im Vatikan empfing. Mit dessen langjährigem Vorgänger, Oberrabbiner Elio Toaff – von 1951 bis 2001 römischer Oberrabbiner – war Johannes Paul II. seit seinem historischen Besuch der römischen Synagoge am 13. April 1986 freundschaftlich verbunden. Oberrabbiner Di Segni hatte im November 2001 die Nachfolge seines Vorgängers angetreten. In seiner Ansprache an den Oberrabbiner und die ihn begleitenden Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaft Italiens erinnerte der Papst an seinen historischen Besuch der römischen Synagoge vom 13. April 1986 und bekräftigte seinen Wunsch, den Prozess der gegenseitigen Vertrauensbildung zu festigen.

 

Verehrter Herr Oberrabbiner von Rom,
liebe Brüder im Glauben Abrahams!
1. Mit Freude empfange ich Sie, verehrter Herr Dr. Di Segni, nach Ihrer Wahl zum Oberrabbiner von Rom, und ich begrüße Sie herzlich zusammen mit den Vertretern, die Sie begleiten. Ich erneuere meine Glück- und Segenswünsche für die wichtige Aufgabe, mit der Sie betraut worden sind; zu diesem bedeutenden Anlass ist es mir auch ein Anliegen, mit tiefer Hochachtung an Ihren hochgeschätzten Vorgänger Prof. Elio Toaff zu denken.
Der heutige Besuch ermöglicht es mir, den aufrichtigen Wunsch der katholischen Kirche nach einer Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen und der gegenseitigen Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinschaft hervorzuheben. Hier in Rom stehen die Synagoge, das Symbol des Glaubens der Kinder Abrahams, und der Petersdom, das Zentrum der Kirche, recht nahe beieinander, und ich bin Gott dankbar, dass er es mir am 13. April 1986 gewährte, die kurze Strecke zwischen diesen beiden Gotteshäusern zurücklegen zu können. Jener historische, unvergessliche Besuch war ein Geschenk des Allmächtigen und stellt eine wichtige Etappe auf dem Weg der Verständigung zwischen Juden und Katholiken dar. Mein Wunsch ist, dass die Erinnerung an dieses Ereignis auch in Zukunft einen positiven Einfluss ausübt und dass der bisher erfolgte Prozess der gegenseitigen Vertrauensbildung das Verhältnis zwischen der katholischen Gemeinschaft und der jüdischen Gemeinde von Rom, die die älteste ganz Westeuropas ist, festigt.
2. Man muss jedoch zugeben, dass in der Vergangenheit unsere beiden Gemeinschaften Seite an Seite gelebt und dabei zuweilen eine leidvolle Geschichte geschrieben haben, in der es in manchen Fällen nicht an Feindseligkeiten und Misstrauen gefehlt hat. Das Dokument Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils, die schrittweise Anwendung der Richtlinien des Konzils und die Gesten der Freundschaft auf beiden Seiten haben jedoch in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, unsere Beziehungen dahingehend auszurichten, dass sich unser gegenseitiges Verständnis immer mehr vertiefte. Ich hoffe sehr, dass diese Bemühungen, gekennzeichnet von Initiativen fruchtbringender Zusammenarbeit im sozialen, kulturellen und theologischen Bereich, fortgesetzt werden, und dass sich das Bewusstsein der geistigen Bande, die uns einen, verstärke.
3. In diesen Tagen ertönen in der Welt gefährliche Kriegsrufe. Wir Juden und Katholiken verspüren die dringliche Verpflichtung, vom ewigen Schöpfergott den Frieden zu erflehen und selbst Frieden zu stiften.
„Shalom!“ Dieser schöne, Ihnen so am Herzen liegende Ausdruck bedeutet Rettung, Glück, Harmonie und stellt heraus, dass der Friede ein Geschenk Gottes ist; ein zerbrechliches Geschenk, das in die Hände der Menschen gelegt worden ist und das es auch durch das Engagement unserer Gemeinschaften zu erhalten gilt.
Gott mache uns zu „Erbauern des Friedens“ in der Gewissheit, dass der Mensch, wenn er sich für den Frieden einsetzt, fähig wird, die Welt zu verbessern.
„Shalom!“ Das ist mein herzlicher Wunsch an Sie und an die gesamte jüdische Gemeinde von Rom. Gott in seiner Güte beschütze und segne jeden von uns. Besonders segne er alle Menschen, die einen Weg der Freundschaft und des Friedens zwischen den Menschen aller Rassen und Kulturen vorzeichnen.

 

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/speeches/2003/february/documents/hf_jp-ii_spe_20030213_rabbino-roma_ge.html.

 

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