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Ansprache an die Delegation des Simon Wiesenthal-Zentrums im Klementinischen Saal

Franziskus am 24. Oktober 2013

 

Im Klementinischen Saal des Vatikans empfing Papst  Franziskus am 24. Oktober 2013 eine Delegation des Simon Wiesenthal-Zentrums. Dieses 1977 gegründete und nach dem Holocaust-Überlebenden Simon Wiesenthal benannte Zentrum mit Hauptsitz in Los Angeles widmet sich Fragen von Rassismus, Antisemitismus und Terrorismus sowie dem Verstehen und der Toleranz unter den gesellschaftlichen Gruppen und erinnert an den NS-Völkermord nicht zuletzt dadurch, dass es sich bemüht, noch lebende und bisher nicht gerichtlich belangte NS- Täter der Justiz zuzuführen. Die Begegnung war noch unter Papst Benedikt XVI. geplant.

 

Liebe Freunde,

ich begrüße diese Delegation aus dem Simon Wiesenthal-Zentrum, einer internationalen jüdischen Organisation für die Verteidigung der Menschenrechte. Ich bin mir bewusst, dass dieses Treffen vor einiger Zeit von meinem Vorgänger Benedikt XVI. geplant wurde, den zu besuchen Sie erbaten und der in unseren liebevollen Gedanken und Gebeten präsent bleibt.

Diese Treffen sind ein konkretes Zeichen der Achtung und Wertschätzung, die Sie für die Bischöfe von Rom haben, wofür ich dankbar bin. Sie sind ebenso ein Ausdruck der Wertschätzung des Papstes für die Aufgabe, der Sie sich selbst gewidmet haben: jede Form von Rassismus, Intoleranz und Antisemitismus zu bekämpfen, die Erinnerung an die Schoa lebendig zu halten und das gegenseitige Verständnis durch Bildung und Engagement für das Wohl der Gesellschaft zu fördern.

Ich hatte in den vergangenen Wochen bereits mehrmals darauf hingewiesen, dass die Kirche jede Form des Antisemitismus verurteilt. Heute möchte ich aber vor allem einen Aspekt hervorheben und zwar, wie wir das Problem der Intoleranz als Ganzes beseitigen können. Dort nämlich, wo eine Minderheit verfolgt oder ausgeschlossen wird – egal ob aus religiösen oder ethnischen Gründen –, dort steht das Gemeinwohl der ganzen Gesellschaft auf dem Spiel, und deshalb müssen wir uns alle angesprochen fühlen. Mit besonderer Trauer denke ich an die Leiden, die Marginalisierung und die sehr realen Verfolgungen, denen nicht wenige Christen in verschiedenen Ländern ausgesetzt sind. Vereinen wir doch unsere Kräfte, um eine Kultur der Begegnung, des Respekts, des Verstehens und des gegenseitigen Verzeihens zu fördern.

Für den Aufbau einer solchen Kultur möchte ich besonders die Bedeutung der Bildung hervorheben und zwar nicht nur als die Vermittlung von Fakten, sondern auch als die Weitergabe von Lebenszeugnissen. Dies setzt die Schaffung einer Gemeinschaft des Lebens, eines Bündnisses mit den kommenden Generationen voraus, das stets offen für die Wahrheit ist.  Der Jugend gegenüber müssen wir in der Lage sein, nicht nur eine Kenntnis der Geschichte des jüdisch-katholischen Dialogs über die Schwierigkeiten, sondern auch ein Bewusstsein für den in den letzten Jahrzehnten gemachten Fortschritt zu vermitteln. Insbesondere müssen wir in der Lage sein, eine Leidenschaft für das Zusammenkommen und das Kennenlernen anderer weiterzugeben und eine aktive und verantwortliche Beteiligung unserer jungen Leute zu fördern. Gerade hier ist das Engagement für den Dienst an der Gesellschaft und an jenen, die am meisten der Hilfe bedürfen, von besonderem Wert. Ich möchte Sie ermutigen fortzufahren, die Bedeutung des Zusammenarbeitens den Jungen zu vermitteln, um Mauern zurückzuweisen und Brücken zwischen unseren Kulturen und unseren Glaubenstraditionen zu bauen. Gehen wir weiter mit Zuversicht, Mut und Hoffnung. Schalom!

 

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/francesco/speeches/2013/october/documents/papa-francesco_20131024_delegazione-simon-wiesenthal-center_en.html  - Eigene Übersetzung.


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