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Ansprache an eine Delegation des Jüdischen Weltkongresses

Johannes Paul II. am 22. Mai 2003

 

Papst Johannes Paul II. empfing mit einer Delegation des Jüdischen Weltkongresses eine internationale Vereinigung von jüdischen Organisationen und Gemeinschaften, welche vor allem die politischen Belange der jüdischen Gemeinden und Menschen in der Diaspora, also außerhalb Israels, vertritt. Der Jüdische Weltkongress beteiligt sich auch an interreligiösen Kontakten mit christlichen Persönlichkeiten, Institutionen und Gruppen. So pflegt er auch Kontakte mit der katholischen Kirche. Ein ihm besonders wichtiger Gesprächspartner ist der Papst. Johannes Paul II. hat bei seiner Begegnung mit einer Delegation des Weltkongresses „Mut und Weitblick“ gefordert, um die praktische Zusammenarbeit nicht zuletzt im Dienst der Verteidigung der Würde des Menschen zu fördern. In seinem geistlich geprägten Wort sprach er mit dem Stichwort der Unterstützung notleidender Kinder in Argentinien ein konkretes Projekt der Zusammenarbeit von Weltkongress und argentinischem Caritasverband an.

 

Liebe Freunde!
Es ist mir eine große Freude, die geehrten Vertreter des Jüdischen Weltkongresses und des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Konsultationen im Vatikan willkommen zu heißen. Ihr Besuch erinnert an die Bande der Freundschaft, die sich zwischen uns entwickelt haben, seitdem das II. Vatikanische Konzil die Erklärung Nostra aetate veröffentlicht und den Beziehungen zwischen Juden und Katholiken damit eine neue und positive Grundlage gegeben hat.
Das Wort Gottes ist eine Leuchte, ein Licht für unsere Pfade; es belebt uns und gibt uns neues Leben (vgl. Ps 119; 105; 107). Dieses Wort wird unseren jüdischen Brüdern und Schwestern vor allem durch die Thora vermittelt. Für die Christen findet dieses Wort seine Erfüllung in Jesus Christus. Auch wenn wir dieses Erbe auf unterschiedliche Weise bewahren und interpretieren, fühlen wir uns doch beide verpflichtet, gemeinsam die Vaterschaft Gottes und seine Liebe gegenüber seinen Geschöpfen zu bezeugen.
Obwohl die heutige Welt häufig von Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung gekennzeichnet ist, werden diese Realitäten doch nicht das letzte Wort über unser menschliches Schicksal haben. Gott hat uns einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißen (vgl. Jes 65,17; Offb 21,1). Wir wissen, dass Gott alle Tränen abwischen wird (vgl. Jes 25,8) und dass keine Trauer, keine Klage mehr sein wird (vgl. Offb 21,4). Juden und Christen glauben, dass unser Leben eine Reise ist, eine Reise, die zur Erfüllung der göttlichen Verheißung führt.
Angesichts des reichen gemeinsamen Erbes, das wir miteinander teilen, können wir die Gegenwart als Herausforderung und Gelegenheit betrachten, uns gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt einzusetzen. Die Verteidigung der Würde jedes nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffenen Menschen ist ein Anliegen, das alle Gläubigen betrifft. Diese Art praktischer Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden erfordert Mut und Weitblick wie auch die Überzeugung, dass es Gott ist, der unseren Einsatz zum Guten führt: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Ps 127,1).
Liebe Freunde, ich bestärke euch in eurem Bemühen, notleidende Kinder in Argentinien zu unterstützen. Inständig hoffe und bete ich, dass der Allmächtige all eure Vorhaben und Pläne segnen wird. Er möge euch begleiten und eure Schritte auf den Weg des Friedens lenken (vgl. Lk 1,79).

 

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/speeches/2003/may/documents/hf_jp-ii_spe_20030522_world-jewish-congress_ge.html.

 

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