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Ansprache bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz (Auszug)

Franziskus I. am 28. Mai 2014

 

Zwei Tage nach seiner Pilgerreise ins Heilige Land vom 24. bis 26. Mai 2014 bekannte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch, 28. Mai 2014, im Rückblick, dass er die Pilgerreise als „ein großes Geschenk für die Kirche“ empfand. Ihm war das Entscheidende der Reise die Erinnerung „an das historische Treffen zwischen Papst Paul vi. und Patriarch Athenagoras“ fünfzig Jahre zuvor, weshalb er mit Patriarch Bartholomaios zusammentraf. Weiterhin sagte er, dass seine Pilgerfahrt dazu beitragen wollte, dass die Region des Nahen Ostens den Weg zum Frieden findet. Zu einem Frieden, der gleichzeitig ein Geschenk Gottes und eine Anstrengung der Menschen sei. Er habe immer als Pilger gesprochen, „im Namen Gottes und im Namen des Menschen“. Er habe ermuntert, in der Suche nach einer gerechten Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina nicht nachzulassen. So habe er den Präsidenten von Israel und den Präsidenten von Palästina eingeladen, in den Vatikan zu kommen, um gemeinsam für den Frieden zu beten.

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Wie ihr wisst, habe ich in den vergangenen Tagen die Pilgerreise in das Heilige Land unternommen. Es war ein großes Geschenk für die Kirche, und ich danke Gott dafür. Er hat mich in jenes gesegnete Land geführt, das die historische Gegenwart Jesu erlebt hat und wo grundlegende Ereignisse für das Judentum, das Christentum und den Islam stattgefunden haben…

Das Hauptziel dieser Pilgerreise war das Gedenken an den 50. Jahrestag der historischen Begegnung zwischen Papst Paul VI. und dem Patriarchen Athenagoras. Das war das erste Mal, dass ein Nachfolger Petri das Heilige Land besuchte. So machte Paul VI. während des Zweiten Vatikanischen Konzils den Anfang mit den Reisen der Päpste unserer Zeit außerhalb von Italien. Diese prophetische Geste des Bischofs von Rom und des Patriarchen von Konstantinopel war ein Meilenstein auf dem schwierigen, aber verheißungsvollen Weg der Einheit aller Christen, der seitdem bedeutende Fortschritte gemacht hat. Daher stellte meine Begegnung mit Seiner Heiligkeit Bartholomäus, dem geliebten Bruder in Christus, den Höhepunkt des Besuches dar…

An jenem Ort, wo die Auferstehung verkündet wurde, haben wir die ganze Bitterkeit und das Leid der Spaltungen wahrgenommen, die unter den Jüngern Christi noch immer bestehen; und das tut wirklich sehr weh, es tut im Herzen weh. Wir sind noch immer gespalten; gerade an dem Ort, wo die Verkündigung der Auferstehung stattgefunden hat, wo Jesus uns das Leben schenkt, sind wir noch immer etwas gespalten.

Vor allem aber haben wir in jener Feier voll gegenseitiger Brüderlichkeit, Hochachtung und Liebe laut die Stimme des auferstandenen guten Hirten gehört, der alle seine Schafe zu einer einzigen Herde machen will…

Ein weiteres Ziel dieser Pilgerreise war es, in jener Region den Weg zum Frieden zu ermutigen, der gleichzeitig Geschenk Gottes und Bemühen der Menschen ist. Das habe ich in Jordanien, in Palästina, in Israel getan. Und immer habe ich es als Pilger getan, im Namen Gottes und des Menschen, mit großem Mitleid im Herzen für die Kinder jener Region, die schon seit zu langer Zeit mit dem Krieg leben und das Recht haben, endlich Tage des Friedens kennenzulernen!

Daher habe ich die Christen ermahnt, sich mit offenem und fügsamem Herzen vom Heiligen Geist „salben“ zu lassen, um immer mehr zu Gesten der Demut, der Brüderlichkeit und der Versöhnung fähig zu sein. Der Heilige Geist gestattet es, diese Haltungen im täglichen Leben anzunehmen, gegenüber Menschen verschiedener Kulturen und Religionen, und so „Baumeister“ des Friedens zu werden…

Auf der Pilgerreise habe ich auch an anderen Orten die beteiligten Autoritäten ermutigt, die Anstrengungen fortzusetzen, um die Situation im Nahen Osten zu entspannen, vor allem im leidgeprüften Syrien, und auch die Suche nach einer gerechten Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina fortzusetzen. Daher habe ich den Präsidenten von Israel und den Präsidenten von Palästina – beide Männer des Friedens und Baumeister des Friedens – eingeladen, in den Vatikan zu kommen, um gemeinsam mit mir für den Frieden zu beten. Und bitte, ich bitte euch, uns nicht allein zu lassen: Betet, betet viel, dass der Herr uns den Frieden schenken möge, dass er uns den Frieden schenken möge in jenem gesegneten Land! Ich zähle auf euer Gebet. Betet mit Nachdruck in dieser Zeit, betet viel, dass der Frieden kommen möge.

Diese Pilgerreise ins Heilige Land war auch eine Gelegenheit, um die christlichen Gemeinden, die sehr viel leiden, im Glauben zu stärken und die Dankbarkeit der ganzen Kirche zum Ausdruck zu bringen für die Anwesenheit der Christen in jenem Gebiet sowie im gesamten Nahen Osten…

Durch diese Pilgerreise, die eine wahre Gnade des Herrn gewesen ist, wollte ich ein Wort der Hoffnung bringen, aber ich habe es auch meinerseits erhalten! Ich habe es erhalten von den Brüdern und Schwestern, die hoffen „gegen alle Hoffnung“ (Röm 4,18), durch viel Leiden – wie die Leiden derer, die aufgrund von Konflikten aus dem eigenen Land geflohen sind; wie die Leiden jener, die in verschiedenen Teilen der Welt aufgrund ihres Glaubens an Christus diskriminiert und verachtet werden. Seien wir ihnen auch weiterhin nahe! Beten wir für sie und für den Frieden im Heiligen Land und im ganzen Nahen Osten. Das Gebet der ganzen Kirche stütze auch den Weg zur vollen Einheit aller Christen, auf dass die Welt glaube an die Liebe Gottes, der in Jesus Christus gekommen ist, um unter uns zu wohnen...

Ein herzliches Willkommen sage ich den Brüdern und Schwestern deutscher Sprache. Diese Pilgerreise in das Heilige Land war eine wirkliche Gnade des Herrn. Ich durfte  auch viele Menschen ermutigen, die aufgrund von Konflikten, von Diskriminierung und aufgrund ihres Glaubens an Christus leiden. Beten wir für sie und für den Frieden im Heiligen Land und im ganzen Mittleren Osten. Gott segne euch!

 

Quelle: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/audiences/2014/documents/papa-francesco_20140528_udienza-generale.html.


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