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Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“ über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute

Franziskus vom 24. November 2013

 

Mit einer ungewöhnlichen Aufmerksamkeit hat die allgemeine Öffentlichkeit das erste Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus aufgenommen. Der Papst hat sein Schreiben zum Abschluss des „Jahrs des Glaubens“ veröffentlicht und bezieht sich darin auf die XIII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode „Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Lebens“ vom 7. bis zum 28. Oktober 2012. Der Papst bekräftigt den Auftrag zur Evangelisierung. Er weist Perspektiven für den Weg der Kirche in die Zukunft auf und ruft zur Erneuerung des Glaubens auf. Er gibt Zeugnis von seinem Glaubens- und Kirchenverständnis und macht Aussagen, die als eine ungewöhnliche kirchliche Selbstkritik verstanden wurden. Ihm sei eine Kirche lieber, die zwar „verbeult, verletzt und beschmutzt ist“, aber auf die Straßen hinausgegangen ist, „als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und Bequemlichkeit, sich an den eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist“. Der Papst appelliert an die Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laienchristen: „Lasst uns Realisten sein, doch ohne die Heiterkeit, den Wagemut und die hoffnungsvolle Hingabe zu verlieren! Lassen wir uns die missionarische Kraft nicht nehmen!“

In der Öffentlichkeit wurden jene Aussagen nicht so intensiv wahrgenommen, die Franziskus der Beziehung der Kirche und Christenheit zum jüdischen Volk und Judentum widmete. Er hat sie dem vierten Teil „Die soziale Dimension der Evangelisierung“ zugeordnet und versteht darin den Dialog mit anderen als Beitrag zum Frieden. In diesem Dialog nehmen für ihn und die von ihm geführte Kirche die Beziehungen zum Judentum einen zentralen Platz ein.

 

Die Beziehungen zum Judentum

247. Ein ganz besonderer Blick ist auf das jüdische Volk gerichtet, dessen Bund mit Gott niemals aufgehoben wurde, denn „unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt“ (Röm 11,29). Die Kirche, die mit dem Judentum einen wichtigen Teil der Heiligen Schrift gemeinsam hat, betrachtet das Volk des Bundes und seinen Glauben als eine heilige Wurzel der eigenen christlichen Identität (vgl. Röm 11,16-18). Als Christen können wir das Judentum nicht als eine fremde Religion ansehen, noch rechnen wir die Juden zu denen, die berufen sind, sich von den Götzen abzuwenden und sich zum wahren Gott zu bekehren (vgl. 1 Thess 1,9). Wir glauben gemeinsam mit ihnen an den einen Gott, der in der Geschichte handelt, und nehmen mit ihnen das gemeinsame offenbarte Wort an.

248. Der Dialog und die Freundschaft mit den Kindern Israels gehören zum Leben der Jünger Jesu. Die Zuneigung, die sich entwickelt hat, lässt uns die schrecklichen Verfolgungen, denen die Juden ausgesetzt waren und sind, aufrichtig und bitter bedauern, besonders, wenn Christen darin verwickelt waren und sind.

249. Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes und lässt einen Weisheitsschatz entstehen, der aus der Begegnung mit dem göttlichen Wort entspringt. Darum ist es auch für die Kirche eine Bereicherung, wenn sie die Werte des Judentums aufnimmt. Obwohl einige christliche Überzeugungen für das Judentum unannehmbar sind und die Kirche nicht darauf verzichten kann, Jesus als den Herrn und Messias zu verkünden, besteht eine reiche Komplementarität, die uns erlaubt, die Texte der hebräischen Bibel gemeinsam zu lesen und uns gegenseitig zu helfen, die Reichtümer des Wortes Gottes zu ergründen sowie viele ethische Überzeugungen und die gemeinsame Sorge um die Gerechtigkeit und die Entwicklung der Völker miteinander zu teilen.

 

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/francesco/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium_ge.html.

 

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