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Brief an die Bischofskonferenzen zum „Namen Gottes“

Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 29. Juni 2008

 

Ein bemerkenswertes Zeichen sowohl für das katholisch-jüdische Verhältnis als auch für den kirchlichen Respekt gegenüber der jüdischen Tradition ist eine Richtlinie, welche von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zur Verwendung bzw. Umschreibung des hebräischen Gottesnamens JHWH erlassen wurde. Diese Richtlinie, die mit einem Schreiben an die Bischofskonferenzen vom 29. Juni 2008 bekannt gegeben wurde, ist in der kirchlichen und allgemeinen Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen worden. Die Liturgiewissenschaft wie die gottesdienstliche Praxis und die Bibelübersetzungen für den liturgischen Gebrauch haben seine Rezeption und Umsetzung noch vor sich.

 

Eminenzen! Exzellenzen!

Auf Weisung des Heiligen Vaters und in Übereinstimmung mit der Kongregation für die Glaubenslehre hält diese Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung es für zweckmäßig, den Bischofskonferenzen Folgendes in Bezug auf die Übersetzung und die Aussprache des göttlichen Namens – mit dem heiligen Tetragramm gekennzeichnet – in einem liturgischen Zusammenhang mitzuteilen und zwar zusammen mit einer Reihe von Richtlinien.

 

I. – Exposé

1. Die Worte der Heiligen Schrift – enthalten im Alten und Neuen Testament – bringen eine Wahrheit zum Ausdruck, welche die von Zeit und Ort auferlegten Grenzen überschreitet. Sie sind das in menschlichen Worten ausgedrückte Wort Gottes, und der Heilige Geist führt durch diese Worte des Lebens die Gläubigen zur Erkenntnis der ganzen und vollständigen Wahrheit und so des Wortes Christi, der kommt, um in den Gläubigen mit all seinem Reichtum zu wohnen (vgl. Joh 14,26; 16,12-15). Damit das in den heiligen Texten geschriebene Wort Gottes in grundlegender und getreuer Weise bewahrt und weitergegeben werden kann, strebt jede moderne Übersetzung der Bücher der Bibel danach, eine getreue und genaue Übertragung der ursprünglichen Texte zu sein. Eine solche literarische Anstrengung erfordert, dass der ursprüngliche Text mit der größtmöglichen Integrität und Genauigkeit übersetzt wird, ohne Auslassungen oder Hinzufügungen im Hinblick auf den Inhalt und ohne Einfügung erklärender Glossen oder Paraphrasen, die nicht zu dem heiligen Text selbst gehören.
In Bezug auf den heiligen Namen Gottes selbst müssen Übersetzer die größtmögliche Treue und Achtung praktizieren. Das bedeutet insbesondere, wie die Instruktion Liturgiam authenticam (Nr. 41) feststellt: „Nach der seit unvordenklicher Zeit überlieferten Tradition, die ja schon in der genannten Septuaginta-Übersetzung sichtbar ist, soll der Name des allmächtigen Gottes - hebräisch das heilige Tetragramm, lateinisch Dominus - in jeder Volkssprache durch ein Wort derselben Bedeutung wiedergegeben werden“.[1]
Ungeachtet dieser klaren Norm hat sich in den letzten Jahren die Praxis eingeschlichen, den Eigennamen des Gottes Israels auszusprechen, bekannt als das heilige oder göttliche Tetragramm, mit den vier Konsonanten des hebräischen Alphabets in Form von JHWH geschrieben. Die Praxis, ihn auszusprechen, trifft man sowohl bei der Lesung der biblischen Texte aus dem Lektionar als auch bei Gebeten und Gesängen an; und es geschieht in verschiedenen schriftlichen oder gesprochenen Formen, wie zum Beispiel „Yahweh“, „Yahwè“, „Jahweh“, „Jahwe“, „Jahwè“, „Jave“, „Jehowah“ usw. Es ist deshalb unsere Absicht des vorliegenden Briefes, einige wesentliche Fakten darzulegen, die hinter der oben erwähnten Norm liegen, und einige Richtlinien zur Beachtung in diesem Anliegen festzulegen.
2. Die ehrwürdige biblische Tradition der Heiligen Schrift, als das Alte Testament bekannt, weist eine Reihe göttlicher Anrufungen auf, bei denen der heilige Namen Gottes mit dem Tetragramm JHWH offenbart ist. Als Ausdruck für die unendliche Größe und Erhabenheit Gottes wurde es für unaussprechbar gehalten und wurde deshalb während der Lesung der Heiligen Schrift durch einen verwendeten alternativen Namen ersetzt: „Adonai“, was soviel wie „Herr“ bedeutet.
Die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die sogenannte Septuaginta, welche aus den letzten Jahrhunderten vor der christlichen Zeitrechnung stammt, hatte das hebräische Tetragramm regelmäßig mit dem griechischen Wort Kyrios wiedergegeben, was „Herr“ bedeutet. Da der Text der Septuaginta die Bibel der ersten Generation der Griechisch sprechenden Christen bildete, in deren Sprache auch alle Bücher des Neuen Testaments geschrieben wurden, haben diese Christen von Anfang an auch nie das göttliche Tetragramm ausgesprochen. Etwas Ähnliches geschah auch bei den lateinisch sprechenden Christen, deren Literatur im zweiten Jahrhundert aufzutauchen begann, wie zuerst die Vetus Latina und später die Vulgata des heiligen Hieronymus bezeugen: auch in diesen Übersetzungen wurde das Tetragramm regelmäßig mit dem lateinischen Wort „Dominus“ wiedergegeben, welches sowohl dem hebräischen Adonai als auch dem griechischen Kyrios entspricht. Das gleiche gilt für die neue Neo-Vulgata, welche die Kirche in der Liturgie verwendet.
Diese Tatsache hat wichtige Auswirkungen auf die neutestamentliche Christologie selbst. Und zwar wenn Paulus mit Blick auf die Kreuzigung betet, dass „Gott ihn (Christus) über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen“ (Phil 2:9), dann meint er nicht einen anderen Namen als „Herr“, denn er fährt mit den Worten fort: „und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr’“ (Phil 2,11; vgl. Jes 42:8: „Ich bin der Herr, das ist mein Name“). Die Zuschreibung dieses Titels auf den auferstandenen Christus entspricht genau der Verkündigung seiner Göttlichkeit.
In der Tat wird der Titel austauschbar zwischen dem Gott Israels und dem Messias des christlichen Glaubens, auch wenn er tatsächlich nicht einer der für den Messias Israels verwendeten Titel ist. Im strikt theologischen Sinn wird dieser Titel zum Beispiel bereits im ersten kanonischen Evangelium angetroffen (vgl. Mt 1:20: „Der Engel des Herrn erschien Josef im Traum“) und man sieht ihn in der Regel in alttestamentlichen Zitaten des Neuen Testaments (vgl. Apg 2:20: „Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln ... ehe der Tag des Herrn kommt“ [Joel 3:4]; 1 Petr 1:25: „Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“ [Jes 40:8]). Aber zum eigentlichen christologischen Sinn kann man – vom zitierten Wortlaut von Philipper 2,9-11 abgesehen – an Röm 10:9 („Wenn du mit deinem Mund bekennst: ‚Jesus ist der Herr’ und in deinem Herzen glaubst: ‚Gott hat ihn von den Toten auferweckt’, so wirst du gerettet werden“) erinnern, an 1 Kor 2:8 („sie hätten den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt“), an 1 Kor 12:3 („Keiner kann sagen: ‚Jesus ist der Herr’, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet“) und an die häufige Formel über den Christen, der „im Herrn“ lebt (Röm 16:2; 1 Kor 7:22; 1 Thess 3:8 usw.).
3. Dass die Kirche also vermeidet, das Tetragramm des Gottesnamens auszusprechen, hat deshalb seine eigenen Gründe. Außer einem bloß philologischen Motiv geht es auch darum, der kirchlichen Tradition treu zu bleiben, dass von Anfang an das heilige Tetragramm im christlichen Kontext weder ausgesprochen noch übersetzt wurde in eine der Sprachen, in die die Bibel übersetzt wurde.

 

II – Richtlinien
Im Lichte dessen, was vorgetragen wurde, sind folgende Richtlinien zu beachten:
1. In liturgischen Feiern, in Liedern und Gebeten ist der Name Gottes in der Form des Tetragramms JHWH weder zu verwenden noch auszusprechen.
2. Für die Übersetzung des biblischen Textes in moderne Sprachen, welche für den liturgischen Gebrauch der Kirche bestimmt ist, ist das, was bereits durch Nr. 41 der Instruktion Liturgiam authenticam vorgeschrieben wurde, zu beachten, das heißt, das göttliche Tetragramm ist durch Äquivalente von Adonai/Kyrios wiederzugeben: „Lord“, „Signore“, „Seigneur“, „Herr“, „Senor“ usw.
3. Bei der Übersetzung im liturgischen Kontext soll bei Texten, in denen beide Bezeichnungen – entweder das hebräische Wort Adonai oder das Tetragramm JHWH – vorkommen, Adonai mit „Herr“ übersetzt werden und für das Tetragramm JHWH „Gott“ verwendet werden, ähnlich wie es in der griechischen Übersetzung der Septuaginta und in der lateinischen Übersetzung der Vulgata geschieht.

 

Von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, 29. Juni 2008.

+ Kardinal Francis Arinze
Präfekt

+ Erzbischof Albert Malcolm Ranjith
Sekretär

 

Quelle:http://www.scribd.com/doc/4719231/On-the-Name-of-God. Eigene Übersetzung.


[1] Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Der Gebrauch der Volkssprache bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie. Fünfte Instruktion „zur ordnungsgemäßen Ausführung der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie“ (Zu Art. 36 der Konstitution), Rom 2001 (= Hinweis des Herausgebers).

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