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Brief an die Mitglieder der Katholisch-Jüdischen Gespräche der US-amerikanischen Bischofskonferenz

Weihbischof Denis James Madden (Baltimore), Vorsitzender des Komitees für Ökumenische und Interreligiöse Fragen der US-amerikanischen Bischöfe am 15. Januar 2013

 

Mit einem Interview des Radiosenders im kanadischen New Hamburg vom 28. Dezember 2012 hatte der Generalobere der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X, Bischof Bernard Fellay, Unruhe und Empörung ausgelöst. Er hatte in diesem Interview die Juden „Feinde der Kirche“ genannt. Dies beunruhigte sowohl jene, die am katholisch-jüdischen Austausch beteiligt sind, als auch Stimmen aus der jüdischen Gemeinschaft. Die Beunruhigung veranlasste den Weihbischof von Baltimore Denis James Madden, der zugleich Vorsitzender des Komitees für Ökumenische und Interreligiöse Fragen der US-Bischöfe ist, zu einem Schreiben an die Mitglieder der Dialoggremien der Bischofskonferenz. Darin distanzierte er sich von den Aussagen von Bischof Fellay, die nicht nur falsch, sondern auch verletzend seien und den jüdischen Dialogpartnern Schmerzen verursacht haben.

 

Liebe Mitglieder der katholisch-jüdischen Gespräche der US-amerikanischen Bischofskonferenz:

Letzte Woche lasen wir alle in den Medien Berichte über ein Interview, das Bischof Bernard Fellay, der Leiter der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ (eine traditionalistische Bewegung, die sich 1988 von der katholischen Kirche lossagte), am 28. Dezember 2012 in New Hamburg, Ontario gegeben hatte. In seinen Bemerkungen bezeichnete Bischof Fellay Juden als „die Feinde der Kirche“. Sich auf jüdische Unterstützung für das Zweite Vatikanische Konzil beziehend, bemerkte er dann, dass das „Vaticanum II ihre (der Juden) Sache ist und nicht der Kirche.“

Diese Aussagen kommen am Ende von zwei Jahren Gespräche zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft St. Pius X., um die traurige Trennung beizulegen, die sich vor etwa 25 Jahren zwischen ihnen ereignete. In seiner Aufgabe als Oberhirte der Kirche unternahm Papst Benedikt XVI. jede Anstrengung, um Bischof Fellay und seinen Anhängern zu helfen, die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils als eine Voraussetzung für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu akzeptieren. Enttäuschender Weise bleiben schwere Spaltungen in Glaube und Praxis, welche die Versöhnung verhindern.

In Antwort auf Bischof Fellay sagte der Vatikan-Pressesprecher, Federico Lombardi SJ, am 4. Januar 2013: „Es ist absolut inakzeptabel und unmöglich, die Juden als Feinde der Kirche zu definieren.“ Pater Lombardi kommentierte dann ausführlich die vielen Anstrengungen, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil unternommen wurden – besonders von Papst Johannes Paul II. und von unserem gegenwärtigen Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI. –, um die Lehren von Nostra Aetate durch die Kirche zu verbreiten und den Antisemitismus zu verurteilen, da er keinen Platz im christlichen Leben hat. Pater Lombardi schloss mit den Worten: „Die Kirche ist zutiefst engagiert, den Dialog mit den Juden zu führen.“

Als der Vorsitzende des Komitees der Bischöfe für Ökumenische und Interreligiöse Fragen möchte ich gerne meine eigene Stimme zu Pater Lombardis Bekräftigung der Beziehung hinzufügen, dass alle von uns über fast 50 Jahre seit der Veröffentlichung von Nostra Aetate hart gearbeitet und sie mitgetragen haben. Ich möchte Ihnen sowohl als Kollegen wie auch als Freunden versichern, dass der Heilige Stuhl und die US-amerikanische Bischofskonferenz die Aussagen von Bischof Fellay sowohl falsch als auch zutiefst bedauerlich finden. Seine Bemerkungen sind nicht nur vorurteilshaft, sondern auch verletzend. Kommentare, die unseren jüdischen Partnern Schmerzen verursachen, sind ebenso schmerzhaft für uns.

Ich bin dankbar, dass jüdische Organisationen und Einzelpersonen, die in den letzten Tagen Erklärungen veröffentlicht haben, die Wahrheit bekräftigen: dass die katholische Kirche den Jahrhunderte alten Einstellungen des Antijudaismus entsagt hat, welche den Juden kollektiv die Schuld am Tod Christi gaben und die Gültigkeit des Bundes Gottes mit seinem auserwählten Volk leugneten, der in Abraham begann und bis in unsere heutigen Tage fortdauert. Die katholische Kirche schätzt die Freundschaft des jüdischen Volkes tief und freut sich auf den Tag, wenn Vorurteile gegen es überall beseitigt sind.

Ich möchte diese Gelegenheit auch nutzen, um jedem von Ihnen, die so viele bedeutende jüdische Partnerschaften mit der US-amerikanischen Bischofskonferenz repräsentieren - in den rabbinischen Organisationen, Seminaren, sozialen und politischen Organisationen, Universitäten und anderen Einrichtungen –, für Ihre fortdauernde Hingabe an unseren ständigen Dialog zu danken. Gott segne und behüte Sie in unserer gemeinsamen Arbeit!

Mit freundlichen Grüßen,

Denis J. Madden, Komitee der Bischöfe für Ökumenische und Interreligiöse Fragen

 

Quelle: http://www.usccb.org/beliefs-and-teachings/ecumenical-and-interreligious/jewish/upload/Bishop-Madden-Affirms-Friendship.pdf - Eigene Übersetzung.


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