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Die „heilige Verpflichtung“ der Theologie. Eine Antwort an Kardinal Dulles

Mary C. Boys, Philip A. Cunningham, John T. Pawlikowski am 21. Oktober 2002

 

Zu den Mitgliedern des Komitees für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten, die gemeinsam mit Mitgliedern des Nationalen Rates der Synagogen in den Vereinigten Staaten das Dokument „Reflexion über Bund und Mission“ vom 12. August 2002 erarbeitet hatten, gehörten Mary C. Boys (Skinner und McAlpin-Professorin für Theologie am Union Theological Seminary in New York City), Philip A. Cunningham (Direktor des Zentrums für christlich-jüdisches Lernen am Boston College) und John T. Pawlikowski (Professor für Sozialethik und Direktor des katholisch-jüdischen Studienprogramms an der Katholisch-Theologischen Union in Chicago). Die Theologin und Theologen wurden von der Schriftleitung des katholischen Magazins „America“ gebeten, auf die Kritik des genannten Dokumentes durch Kardinal Avery Dulles zu antworten und zwar in derselben Ausgabe von „America“ vom 21. Oktober 2002.

 

Als Mitglieder der Christlichen Gelehrtengruppe für christlich-jüdische Beziehungen halfen wir beim Schreiben einer im letzten Monat veröffentlichten Stellungnahme „Eine heilige Verpflichtung. Den christlichen Glauben in seinem Verhältnis zum Judentum und jüdischen Volk neu reflektieren“. Im Mittelpunkt dieser Erklärung steht unsere Überzeugung, dass „die Überprüfung der christlichen Lehre über das Judentum und das jüdische Volk eine zentrale und unverzichtbare Verpflichtung der Theologie in unserer Zeit ist.“ Darüber hinaus erklärt unsere ökumenische Gruppe, von der die Hälfte katholische Gelehrte sind, dass Christen nicht versuchen sollten, Juden zu bekehren: „Angesichts unserer Überzeugung, dass sich Juden in einem ewigen Bund mit Gott befinden, lehnen wir missionarische Bemühungen zur Bekehrung von Juden ab. Gleichzeitig begrüßen wir es, wenn Juden und Christen von ihren jeweiligen Heilserfahrungen mit Gott Zeugnis ablegen.“

Da wir hoffen, dass unsere Erklärung in den Kirchen eine breit angelegte Erörterung der Beziehung zu den Juden und dem Judentum fördern wird, sind wir den Herausgebern der Zeitschrift America für die Einladung dankbar, Kardinal Avery Dulles zu antworten und damit den Kreis der Erörterung zu erweitern.

 

Theologischer Kontext

„Reflexionen über Bund und Mission“, die von Vertretern des Komitees für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz und des Nationalen Rates der Synagogen am 12. August 2002 veröffentlicht wurde, hat Anschuldigungen apokalyptischer Apostasie und eine gähnende Apathie hervorgerufen. Kein Extrem versteht das Dokument. Der Text „Reflexionen“ zeigt theologische Entwicklungen seit 1965, als das Zweite Vatikanische Konzil seine „Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ promulgiert hat. Obwohl die allgemeinen Konturen dieser Erklärung gut bekannt sind – das Konzil verwarf den seit langem gemachten Vorwurf des Gottesmordes und „beklagte“ den Antisemitismus –, sind ihre revolutionären Implikationen weniger anerkannt. Über fast zweitausend Jahre haben Christen ihre Identität mit der Auffassung begründet, dass der Bund Gottes mit den Juden beendet sei, weil sie Christus verwarfen, und dass der Bund nun den Christen „gehörte“. Die Konzilserklärung wies dies durch ihre Lehre zurück, dass Juden Partner des Bundes bleiben, und initiierte damit eine der tiefst greifenden Änderungen im allgemeinen Lehramt der Kirche.

Die Verkündigung dieses konziliaren Dokumentes führte ein Denken ein, das in der früheren Kirchenlehre unvorstellbar war. Die meisten Katholiken müssen noch die Auswirkungen des Beharrens von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1979 verinnerlichen, dass die Beziehung zwischen Judentum und Christentum so eng ist, dass sie „auf der Ebene ihrer je eigenen religiösen Identität eng und beziehungsvoll miteinander verbunden“ sind. In der derselben Ansprache (vom 12. März) 1979 sagte der Papst, dass wegen dieser einzigartigen Beziehung „wir mit höchster Klarheit erkennen, dass der Weg, den wir mit der jüdischen Religionsgemeinschaft weitergehen sollten, der des brüderlichen Dialogs und der fruchtbaren Zusammenarbeit ist.“ In anderen Worten: Dialog, nicht Bekehrung sollte das katholische Ziel in den Beziehungen mit den Juden sein.

Der katholische Teil der „Reflexionen“ sucht somit eine bereits bestehende Realität zu erklären. Im Gegensatz zu einigen christlichen Gruppen hat sich die römisch-katholische Kirche nicht in Kampagnen engagiert, Juden zu taufen. Der Text „Reflexionen“ macht das entsprechende katholische Desinteresse an einer solchen Ausrichtung Juden gegenüber dadurch verständlich, dass es die Entwicklung der offiziellen katholischen Lehre seit dem Zweiten Vatikanum verfolgt. Er zitiert Enzykliken und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. und Hinweise der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden.

Es ist ein Fehler, diese neue Dokumententradition als bloß irenisch abzulehnen. Wie Kardinal Edward Idris Cassidy, der damals Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen war, in einer Ansprache an das Internationale katholisch-jüdische Verbindungskomitee 1990 feststellte, sind diese Entwicklungen Teil des Prozesses von teschuwa, der Reform christlicher Theologien, welche über Jahrhunderte Feindseligkeit gegenüber Juden gefördert haben. Die sich entwickelnde Tradition wird durch die Treue gegenüber „der evangelischen Wahrheit [und] dem Geist Christi“ (Nostra aetate) motiviert, unabhängig davon, ob Juden darauf positiv antworten oder nicht.

Zur gleichen Zeit sind die theologischen Entwicklungen, die zunehmend ihren Eingang in die lehramtlichen Aussagen über das Judentum fanden, in anderen offiziellen kirchlichen Dokumenten nicht immer deutlich. Diese Unstimmigkeiten und Spannungen erscheinen nicht verwunderlich. Die Lehre der Kirche ist so sehr in einer unzulänglichen und negativen Beurteilung des Judentums verwurzelt, dass es viele Jahre dauern wird, die christliche Identität zu überdenken. So müssen wir in der Zitierung von Dokumenten vorsichtig sein, da das aktuelle kirchliche Denken nicht ganz einer Meinung ist.

Der Text „Reflexionen“ ist also nicht geschrieben, um Juden zu besänftigen, die – um eine Formulierung von Kardinal Dulles zu nutzen – „sich allzu lebhaft an die Polemik und Verfolgungen der vergangenen Jahrhunderte erinnern“. Es ist vielmehr die Frucht des nach-konziliaren Studiums und Dialogs und ein Versuch, einem Volk gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen, das Christen im Laufe der Geschichte mit Verachtung behandelt haben. Es spiegelt Respekt für die Vatikanische Unterweisung von 1974 wider, wenn wir Christen „danach streben zu lernen, welche Grundzüge für die gelebte religiöse Wirklichkeit der Juden nach ihrem eignen Verständnis wesentlich sind.“

 

Evangelisation

Kardinal Dulles kritisiert die Darstellung der Evangelisation in den „Reflexionen“ als „schwer mit der Lehre der letzten Päpste in Einklang zu bringen.“ Er erhebt Einwand gegen die „äußerst weit gefasste Definition“ der Evangelisation durch das Dokument und ist nicht einverstanden mit dessen Behauptung, dass die Gleichsetzung der Evangelisation mit Verkündigung  „eine Engführung“ ist. Ferner bestreitet er dessen Beteuerung, dass der interreligiöse Dialog frei gehalten sein muss von „jeglicher Absicht, den Dialogpartner zur Taufe einzuladen.“ Unter Berufung auf päpstliche Texte wendet Kardinal Dulles ein, dass die Evangelisation eine „klare und unmissverständliche Verkündigung der Person Jesu Christi“ sein muss (Ecclesia in America 66).

Die vielfachen Sinndimensionen der Evangelisation lassen diese in der Tat für eine inkonsistente Nutzung anfällig sein, wie das Dokument von 1991 des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und der Kongregation für die Evangelisierung der Völker anerkennt. Die Autoren von „Dialog und Verkündigung“ unterscheiden zwischen der evangelisierenden Mission – Evangelisation in dem weiten Sinn der Sendung der Kirche in ihrer Gesamtheit (Präsenz und Zeugnis; Engagement für soziale Entwicklung und menschliche Befreiung; und Verkündigung und Katechese) – und der Verkündigung, „der Einladung, sich durch den Glauben an Jesus Christus zu binden und durch die Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen, in die Kirche, einzutreten.“

Der Text „Reflexionen“ scheint diesem Gebrauch zu folgen. Evangelisation ist die gesamte Mission der Kirche, Verkündigung die Einladung zur Bekehrung. Wenn Kardinal Dulles dies als „eine äußerst weit gefasste Definition der Evangelisation“ betrachtet, dann liegt der Fehler nicht in den „Reflexionen“, sondern im Vatikanischen Dokument „Dialog und Verkündigung“. Kardinal Dulles argumentiert, dass im Gegensatz zu päpstlichen Aussagen die „Reflexionen“ zu sagen scheinen, dass Christen „auch ohne die Verkündigung des Namens Jesu evangelisieren können.“ Das Dokument sagt dies jedoch nicht, auch wenn es sich auf den weiteren Sinn der Evangelisation stützt. Vielmehr erklärt es: „Die katholische Kirche muss immer evangelisieren und wird immer ihren Glauben an die Gegenwart des Reiches Gottes in Jesus Christus den Juden wie allen andern Menschen bezeugen.“

Die katholische Lehre betrachtet den interreligiösen Dialog im Rahmen der Evangelisation. Durch den Dialog mit Juden evangelisieren Katholiken, indem sie ihren Glauben an Jesus Christus bezeugen. Sie tun dies jedoch ohne den Wunsch, sie zu bekehren. Der Dialog ist von der Suche nach Bekehrung zu Christus unterschieden, wie Kardinal Francis Arinze, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, wiederholt erklärt hat. Dialog zielt nicht die Bekehrung im Sinne einer Änderung der Religionszugehörigkeit an, wohl aber sollte die Bekehrung verstanden als je größere Bereitschaft, Gottes Willen zu tun, eines der Ziele und Früchte des aufrichtigen interreligiösen Dialog sein“ (Die Kirche im Dialog, S. 331 - 332). Die Unterlassung, Juden auf Konversion hin anzusprechen, ist nicht eine Ablehnung der Evangeliums-Mission der Kirche, sondern die Anerkennung, dass diese Dimension der Evangelisation in dem einzigartigen Fall des Judentums unangebracht ist, jener Tradition, der wir „innerlich“ verbunden sind, wie der Papst es ausgedrückt hat.

 

Bund und Mission

Ein Großteil der Kritik von Kardinal Dulles an diesen Konzepten in den „Reflexionen“ entspringt aus seiner Lektüre des Neuen Testaments. Es ist jedoch nicht genug, die Schrift zu zitieren, ohne zu erkennen, dass die Bibel das Buch der Kirche ist und dass sie deshalb diese Texte kontinuierlich interpretiert. In den Worten der Päpstlichen Bibelkommission: „Interpretation der Heiligen Schrift besteht in Überprüfung und Auswahl: sie bleibt in Kontinuität mit früheren exegetischen Traditionen, von denen sie viele Elemente beibehält und sich zu eigen macht; in gewissen Punkten aber befreit sie sich davon, um fortschreiten zu können“ (Die Interpretation der Bibel in der Kirche, 1993, A.3).

So sind wir durch die Behauptung von Kardinal Dulles beunruhigt, dass der Brief an die Hebräer „die ausdrücklichste Aussage im Christentum über den Status des Sinaibundes“ enthält. Ohne weitere Analyse zitiert er Hebräer: Der „erste Bund ist ‚veraltet‘ und ‚dem Untergang nahe‘“ (Hebr 8,13). Christus „hebt den ersten [Bund] auf, um den zweiten in Kraft zu setzen“ (Hebr 10,9). Kardinal Dulles unterstellt, dass Katholiken glauben, dass der Bund Gottes mit dem Volk Israel obsolet ist.

Im Gegensatz dazu argumentieren wir, dass die offizielle katholische Lehre heute, wie es in der Formulierung der Päpstlichen Bibelkommission von 1993 heißt, „ihren eigenen Weg gegangen ist“ und die Meinung des Autors des Hebräerbriefes über Israels Bund „beiseite lässt“. Wie die „Reflexionen“ anmerken, hat Papst Johannes Paul II. bei vielen Gelegenheiten erklärt, dass die Juden „das Gottesvolk des von Gott nie gekündigten Bundes“ ist, „das heutige Volk des mit Mose geschlossenen Bundes“ und „Partner in einem Bund der ewigen Liebe, die nie aufgehoben wurde“.

Das Lehramt kann ausdrücklich einer Idee eines einzelnen neutestamentlichen Autors widersprechen, weil die katholische Tradition eine des Kommentars ist, nicht des sola scriptura. (Schrift allein) Der Autor des Hebräerbriefes, überzeugt, dass er in der Endphase der menschlichen Geschichte lebte, konnte argumentieren, dass der Alte Bund dem Neuen gewichen wäre. Zwei Jahrtausende später jedoch ist in einer Kirche, deren Papst Gott um Vergebung für die Sünden der Christen gegen die Juden gebetet hat, eine solche Behauptung inakzeptabel. Die fortwährende Verunglimpfung des nachbiblischen Judentums durch die Jahrhunderte und die allgemeine Unkenntnis seines Wesens ermutigten europäische Christen, Juden an den Rand zu drängen und manchmal sogar zu verteufeln, wodurch ein fruchtbares Saatbeet für die Schoa bereit gestellt wurde.

Ebenso können die Worte des Paulus von Römer 11 heute nicht aktualisiert werden, ohne seine Überzeugung zu berücksichtigen, dass Christus bald zurückkehrt, um die Lebenden und die Toten zu richten. Paulus betrachtete die Juden, die Christus nicht anerkannten, so, dass sie vorübergehend herausgebrochene Zweige seien, um Platz für die Heidenzweige zu machen (Röm 11,17-24). Er glaubte, diese abgebrochenen Zweige seien unwiderruflich (11,29) dazu bestimmt, wieder eingepflanzt zu werden, denn „ganz Israel wird gerettet“ (11,25-26). Bis zum angebrochenen endzeitlichen Tag seien jedoch die Juden, die Jesu Herrschaft nicht annehmen würden, tote Zweige, von Gottes sich entfaltenden Plänen abgetrennt.

Paulus konnte sich diesen temporären Stand der Dinge in seiner eschatologischen Begeisterung vorstellen. Aber ein anderes Verständnis des Judentums hat sich in unserer Zeit entwickelt. Die Vatikanischen Hinweise von 1985 sprechen von „der Fortdauer Israels“, wie sie im Laufe der Zeit „von einer ununterbrochenen geistigen Schöpferkraft begleitet ist“. So können „der Glaube und das religiöse Leben des jüdischen Volkes, wie sie noch jetzt bekannt und gelebt werden, dazu beitragen, bestimmte Aspekte des Lebens der Kirche besser zu verstehen“. Darüber hinaus ist die rabbinische Leseweise der Heiligen Schrift – nach der 2001 veröffentlichten Studie der Päpstlichen Bibelkommission – „analog“ und „parallel“ zur christlichen Leseweise („Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel“). Eine solche Interpretation von Römer 11 heute bringt mit sich, das weitere geistliche Leben des Judentums zu achten. Weit davon entfernt, tote Zweige zu sein, nähren sich Juden immer noch vom guten Ölbaum.

Kardinal Dulles scheint besorgt zu sein, dass die „Reflexionen“ die universale Heilsbedeutung Jesu Christi leugnen. This is not the case.Dies ist nicht der Fall. Die katholische Kirche lehrt nicht, dass ein ausdrückliches persönliches Bekenntnis des Glaubens an Jesus für die Erlösung notwendig ist. Wenn Juden im Bund mit dem Gott sind, den die Christen als den Dreieinen verstehen, dann sind sie in Beziehung mit dem Vater, Sohn und Geist, und sie sind mit der rettenden Kraft Jesu Christi verbunden, auch wenn Juden die Beziehung so nicht erleben. Kann eine Beziehung, die so intim wie ein Bund mit dem dreieinigen Gott ist, nicht heilbringend sein? Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, bezog sich bei seiner Ansprache an das 17. Treffen des Internationalen katholisch-jüdischen Verbindungskomitees, das im April 2001 in New York City gehalten wurde, sowohl auf christologische Aspekte wie auf Bundesaspekte : „Gottes Gnade, welche nach unserem Glauben die Gnade Jesu Christi ist, ist für alle zugänglich. Daher glaubt die Kirche, dass das Judentum, das heißt die gläubige Antwort des jüdischen Volkes auf Gottes unwiderruflichen Bund, heilbringend für es ist, denn Gott ist seinen Verheißungen treu.“

Die aktuelle katholische Lehre spiegelt auch das Verständnis, dass die Juden eine Mission den Nationen gegenüber haben, welche das Christentum nicht für nichtig zu erklären hat. Die „Reflexionen“ zitieren verschiedene einschlägige lehramtliche Stellungnahmen, einschließlich die von Kardinal Ratzinger, Präsident der Glaubenskongregation: „Gottes Vorsehung ... hat offensichtlich Israel eine besondere Mission in dieser ‚Zeit der Heiden‘ gegeben.“ Die „Reflexionen“ folgern daher, dass die Kirche nicht länger wünscht, „den jüdischen Glauben in das Christentum hinein zu absorbieren“ und somit die unverwechselbare, von Gott gegebene Mission des Judentums in der Welt zu beenden. Die jüdischen Erwartung eines messianischen Zeitalters ist „nicht gegenstandslos. Sie kann für uns Christen ein starker Ansporn sein, die eschatologische Dimension unseres Glaubens lebendig zu erhalten.“ (Päpstliche Bibelkommission, 2001). Aufgrund unseres Bundesverhaltens werden beide Gemeinschaften im endzeitlichen Königreich sein; beide sind verpflichtet, die Welt darauf vorzubereiten. Bis zu diesem Tag werden wir dies auf unterschiedlichen Wegen tun.

Christliche Theologie muss heute mit dem jüdischen Selbstverständnis rechnen. Als lange im Dialog engagierte Theologen glauben wir, dass das Überdenken unseres Glaubens im Licht unserer veränderten Beziehung mit den Juden nicht nur eine heilige Pflicht ist, sondern ein Aufruf zu einem vertieften christlichen Glauben.

 

Quelle: http://americamagazine.org/issue/408/article/theologys-sacred-obligation - Eigene Übersetzung.

 

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