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Dokument „Holocaust-Gedenktag – 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, 50 Jahre nach ‚Nostra Aetate‘ des Zweiten Vatikanums, 20 Jahre nach dem serbischen Völkermord“ (Auszug)

Komitee für katholisch-jüdische Beziehungen der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales am 27. Januar 2015

 

Das Komitee für katholisch-jüdische Beziehungen der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales erinnerte daran, dass der  27. Januar 2015 der Holocaust-Gedenktag ist und zugleich der 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. 2015 enthält aber auch den 20. Jahrestag des Völkermords im Bosnienkrieg 1995. Zu diesem Jahr der Jahrestage gehöre ebenfalls der 50. Jahrestag der Verabschiedung der Konzilserklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ vom 28. Oktober 1965. Das Komitee hatte ein Materialheft vorbereitet, um Veranstaltungen des Holocaust-Gedenkens in den Pfarrgemeinden und Schulen wie auch die Teilnahme daran anzuregen und zu ermutigen.

 

Die Erinnerung lebendig halten

Auschwitz, ein Nazi-Vernichtungslager, wurde am 27. Januar 1945 von russischen Truppen befreit. Sie fanden 7.500 Gefangene und etwa 600 Leichen dort, welche die Nazis zurückgelassen hatten, als sie das Lager verließen. 370.000 Herrenanzüge, 837.000 Frauenkleidungsstücke und 7,7 Tonnen menschliches Haar gaben ebenfalls Zeugnis vom systematischen Programm des Völkermords, das dort durchgeführt worden war. Etwa 1,1 Millionen Menschen – die große Mehrheit von ihnen Juden – wurden von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet. Einige Katholiken, die jetzt Heilige sind, wurden dort auch getötet – vor allem Maximilian Kolbe und Edith Stein, zusammen mit ihrer Schwester Rosa.

Nostra Aetate“ ist ein bahnbrechendes Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es veränderte grundlegend das, was die katholische Kirche über Juden und Judentum lehrt. Infolgedessen anerkannte die Kirche bereitwillig, dass das jüdische Volk Gott nach wie vor sehr teuer ist. Es lehrt auch, dass Juden nicht für den Tod Jesu verantwortlich gemacht werden können und dass die katholische Kirche „alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus beklagt, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen die Juden gerichtet haben“. „Nostra Aetate“ wurde am 28. Oktober 1965 offizielle Lehre der Kirche.

Der bosnische Völkermord fand von 1992 bis 1995 statt, als die Serben Bosnien-Herzegowina ethnisch von allen Nicht-Serben säubern wollten. Serbische Truppen töteten systematisch etwa 100.000 Bosnier und Kroaten. Das berüchtigtste Massaker fand in Srebrenica statt, als 7.000 bosnische Männer auf Anordnung des serbischen Generals Ratko Mladic ermordet wurden. Es war der größte Einzelakt eines Völkermords in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Es ist eine schmerzliche Erinnerung, so dass es tatsächlich wichtig ist, „die Erinnerung lebendig zu halten“ in der Predigt und im Gebet am Sonntag vor dem nationalen Holocaust-Gedenktag 2015.

 

Predigt am Sonntag, 25. Januar 2015

Das Evangelium des dritten Sonntags im Jahreskreis fordert uns auf, „umzukehren und an das Evangelium zu glauben“. Warum soll man diesen Text nicht nutzen, um eine Predigt zum Holocaust-Gedenktag zu entwickeln?

Sie können:

  • „Nostra Aetate“ bedenken, wenn Sie Ihre Predigt vorbereiten;
  • über die Änderung im Zugang zu den Juden durch die katholische Kirche in den letzten 50 Jahren sprechen. Es ist ein Beispiel für eine Änderung des Herzens und der Haltung im Überbringen des Evangeliums;
  • Bezug auf den Srebrenica-Völkermord von 1992 bis 1995 nehmen. Er zeigt, dass Völkermord noch immer ein wirkliches Problem ist;
  • über die Bedeutung sprechen, die Erinnerung an die Schoa lebendig zu halten, damit im Vergessen nicht der Boden für das Gedeihen von Antisemitismus und anderem Hass gelegt wird;
  • Ihre Predigt abschließen, indem Sie die Notwendigkeit hervorheben, unsere Einstellungen häufiger zu überprüfen, unsere Vorurteile wahrzunehmen und die Herzensänderung zu haben, die uns von der Sünde reinigt und uns befähigt, Jesus mit größerer Treue zu folgen.

 

Allgemeine Fürbitten

Lasst uns für das jüdische Volk beten, zu dem der Herr, unser Gott, zuerst gesprochen hat…, dass Gott ihm gewähre, in Liebe zu seinem Namen und in der Treue zu seinem Bund fortzuschreiten.

Lasst uns beten für unsere einzigartige und besondere Beziehung zum jüdischen Volk… mögen Christen sich überall zu echter Freundschaft mit dem Volk des Bundes verpflichten.

Lasst uns beten um ein Ende von Völkermord und um die Reinigung unserer Herzen von Vorurteil und Hass jeder Art… mögen wir die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig halten, damit die Zukunft von solchem Bösen frei sei. 

 

Quelle:

„HMD-15-leaflet.doc“, in: http://www.catholic-ew.org.uk/ – Eigene Übersetzung.


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