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Ein Hinweis auf Doppeldeutigkeiten der Erklärung Reflexionen über Bund und Mission

Komitee für die Glaubenslehre und Komitee für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten am 13. Oktober 2009

 

Mitglieder des Komitees für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten und des Nationalen Rates der Synagogen in den Vereinigten Staaten hatten am 12. August 2002 ein Dokument „Reflexionen über Bund und Mission“ veröffentlicht (vgl. das Dokument K.II. - 12. August 2002). Dieses Dokument rief eine teilweise heftige Reaktion hervor (vgl. Dokumente K.II. - 21. Oktober 2002 [Kardinal Avery Dulles] und K.II. - 21. Oktober 2002 [Mary C. Boys u. a.]. Das Komitee für die Glaubenslehre und das Komitee für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der amerikanischen Bischofskonferenz sahen noch 2009 Anlass und Grund zu einer Stellungnahme, in der sie aus ihrer Sicht Doppeldeutigkeiten  der Erklärung „Reflexionen über Bund und Mission“ benannten und korrigierten. Diese Stellungnahme rief ihrerseits eine Reaktion der Besorgnis von Rabbinern hervor.

 

Introduction

1. Am 12. August 2002 veröffentlichten jüdische und katholische Gelehrte ein aus zwei Teilen bestehendes Dokument unter dem Namen Reflexionen über Bund und Mission. Ein Teil des Dokuments stellt die Reflexionen der katholischen und ein Teil die der jüdischen Teilnehmer dar.[1] Die ursprüngliche Initiative zu dem Dokument entstammte aus den laufenden Konsultationen zwischen dem Nationalen Rat der Synagogen und dem Komitee für ökumenische und interreligiöse Angelegenheiten der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Der katholische Teil des Dokuments wurde von Gelehrten einer beratenden Gruppe für den Ausschuss für ökumenische und interreligiöse Angelegenheiten erstellt. Als das Dokument ursprünglich auf der Website der Katholischen Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten (USCCB) veröffentlicht wurde, wurde es fälschlicherweise als eine Erklärung des „bischöflichen Komitees für ökumenische und interreligiöse Angelegenheiten“ und des "Nationalrats der Synagogen“ bezeichnet. Am 16. August 2002 erklärte Kardinal William H. Keeler, der Moderator des Komitees der amerikanischen Bischofskonferenz für die katholisch-jüdischen Beziehungen, dass die Erklärung Reflexionen über Bund und Mission keine offizielle Position der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten oder ihres Komitees für ökumenische und interreligiöse Angelegenheiten darstellt. Stattdessen gab Kardinal Keeler an, das Dokument „stelle den Stand des Denkens unter den Teilnehmern eines Dialogs dar, der schon seit einer Reihe von Jahren zwischen der US-katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinschaft des Landes existiert“.  Er fügte hinzu, dass das Dokument „zur Ermutigung ernsthafter Überlegungen zu den Fragen zwischen Juden und Katholiken in den USA“ veröffentlicht wurde.

2. Da die Erklärung Reflexionen über Bund und Mission keine offizielle Stellungnahme der US-amerikanischen Bischofskonferenz darstellt, unterlag es nicht dem gleichen Prüfungsprozess, den offizielle Dokumente durchlaufen müssen. In den Jahren seit seiner Veröffentlichung allerdings behandelten einige Theologen, darunter auch Katholiken, das Dokument als verbindlich. Dies hat sich allerdings als Problem herausgestellt, da sich der Abschnitt, der das katholische Denken repräsentieren soll, als nicht genau genug erwiesen hat und das Potenzial zur Irreführung birgt. Daher sollte die Erklärung Reflexionen über Bund und Mission nicht als eine verbindliche Darstellung der Lehre der katholischen Kirche angesehen werden. Um jedwede Verwirrung zu vermeiden, haben das Komitee für die Glaubenslehre und das Komitee für ökumenische und interreligiöse Angelegenheiten der amerikanischen Bischofskonferenz beschlossen, auf einige Doppeldeutigkeiten hinzuweisen und entsprechende Klarstellungen anzubieten.

3. Die in Frage stehenden hauptsächlichen Doppeldeutigkeiten betreffen die Beschreibung der Mission der Kirche und insbesondere die Frage, was die Evangelisierung im Hinblick auf das jüdische Volk bedeutet. Reflexionen über Bund und Mission erkennt zu Recht an, dass die Mission der Kirche Evangelisierung ist, welche die gute Botschaft Wort Jesu Christi in die ganze Welt trägt, und diese Aufgabe “nicht vom Glauben der Kirche an Jesus Christus getrennt werden kann".[2] Zur gleichen Zeit ist das Dokument sehr umsichtig in der Anerkennung des besonderen Status‘ der Juden als des Volkes, dem sich Gott selber offenbarte und aus dem der Messias stammte: „Das Christentum hat ein absolut einzigartiges Verhältnis zum Judentum, weil ‚unsere beiden Religionsgemeinschaften auf der Ebene ihrer je eigenen religiösen Identität eng und beziehungsvoll miteinander verbunden sind.'[3]

4. Die katholische Evangelisierung gegenüber den Juden nimmt entsprechend eine „absolut einzigartige“ Form an – eben weil Gott bereits eine besondere Beziehung zum jüdischen Volk begründete, was auf die Berufung Abrahams zurückgeht. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt: „Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, dass sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind.“[4]

5. Das Dokument erkennt korrekt an, dass „das Judentum eine Religion ist, die göttlicher Offenbarung entspringt [5] und dass „die Kirche nur über Israels Bund mit der Gewissheit des biblischen Zeugnisses sprechen kann“.[6] Dennoch ist es unvollständig und in diesem Zusammenhang potenziell irreführend, sich auf die fortwährende Qualität des Bundes zu beziehen, ohne hinzuzufügen, dass für Katholiken Jesus Christus als menschgewordener Sohn Gottes sowohl in der Geschichte als auch am Ende der Zeit die besondere Beziehung, die Gott mit Israel begründet hat, erfüllt.Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt:

„Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen“.[7]

Die lange Geschichte von Gottes Eingreifen in die Geschichte Israels kommt zu seinem unübertrefflichen Höhepunkt in Jesus Christus, welcher der Mensch gewordene Gott ist.

6. Reflexionen über Bund und Mission bietet eine klare Anerkennung der von Gott gegründeten Beziehung mit Israel vor Jesus Christus. Diese Anerkennung muss allerdings mit einer klaren Bestätigung des Glaubens der Kirche einhergehen, dass Jesus Christus in sich die Offenbarung Gottes erfüllt, die mit Abraham begann, und dass die Verbreitung dieser Freudenbotschaft an die ganze Welt das Herz ihrer Mission ausmacht. In Reflexionen über Bund und Mission fehlt jedoch eine solche Bestätigung, und die Erklärung stellt somit eine reduzierte Auffassung der Evangelisierung dar.

7. Reflexionen über Bund und Mission behauptet, dass eine Definition der Evangelisierung als die Einladung zu einem Engagement des Glaubens an Jesus Christus und zum Eintritt durch die Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen, die die Kirche ist, jedoch „eine Engführung“ ihrer Mission ist.[8] In dem Bemühen, eine breitere und umfassendere Konzeption der Evangelisierung zu präsentieren, entwickelt das Dokument davon aber eine Vision, in der die Kernelemente der Verkündigung und Einladung zum Leben in Christus fast zu verschwinden scheinen.

8. Reflexionen über Bund und Mission stellt richtigerweise fest, dass die Kirche „immer evangelisieren und immer ihren Glauben an die Gegenwart des Reiches Gottes in Jesus Christus den Juden wie allen andern Menschen bezeugen muss.“[9] Die Erklärung hat auch zu Recht bekräftigt, dass die Kirche die Religionsfreiheit wie auch die Gewissensfreiheit respektiert, und dass, während die Kirche keine Politik verfolgt, welche die Juden als ein Volk zur Konversion aussondert, sie „aufrichtige Konvertiten aus jeder Tradition und aus jedem Volk, einschließlich dem jüdischen“, immer willkommen heiße.[10] Dieser Fokus auf den einzelnen versäumt jedoch, die vollständige Lehre des Paulus über die Einbeziehung des jüdischen Volkes als Ganzes in das Heil Christi zu berücksichtigen. In Römer 11,25-26 erklärte er, dass, wenn „die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben,… ganz Israel gerettet wird.“ Er gab nicht an, wann dieses stattfinden wird oder wie es geschehen wird.[11] Dies ist ein Geheimnis, das auf seine Erfüllung wartet. Dennoch sagte Paulus uns, dass wir uns auf die Einbeziehung des ganzen Volkes Israels freuen sollen, was ein großer Segen für die Welt (Röm 11:12) sein wird.

9. Reflexionen über Bund und Mission stellt jedoch sogar die Möglichkeit der individuellen Konversion durch eine weitere Aussage in Zweifel, die impliziert, dass es in der Regel nicht gut für Juden ist zu konvertieren, noch für die Katholiken, etwas zu tun, das Juden zur Konversion führen könnte, weil es droht, „das charakteristische jüdische Zeugnis“ zu beseitigen. „Ihr (das des jüdischen Volkes) Zeugnis für das Reich Gottes, das ja nicht in der kirchlichen Erfahrung Christi des Gekreuzigten und Auferstandenen seinen Ursprung hat, darf nicht durch die Bemühung eingeschränkt werden, das jüdische Volk zum Christentum zu bekehren.“[12] Einige Vorsicht sollte hier eingeführt werden, da diese Argumentation einige fälschlicherweise zu dem Schluss führen könnte, dass Juden eine Pflicht haben, nicht Christen zu werden, und dass die Kirche eine entsprechende Pflicht hat, Juden nicht zu taufen.

 

Schlussfolgerung

10. Mit Paulus erkennen wir an, dass Gott es nicht bedauert, es nicht bereut oder seine Meinung ändert über die „Gaben und die Berufung“, die er dem jüdischen Volk gegeben hat (Römer 11,29). Gleichzeitig glauben wir auch, dass die Erfüllung der Bünde aller Verheißungen Gottes an Israel tatsächlich nur in Jesus Christus gefunden wird. Durch die Gnade Gottes, gehört das Recht, diese gute Nachricht zu hören, jeder Generation. Den Auftrag, der ihr durch den Herrn gegeben wurde, erfüllend, wird die Kirche in Achtung der Freiheit des Menschen die Wahrheit des Evangeliums in Liebe verkünden.

 

Quelle: http://old.usccb.org/doctrine/covenant09.pdf  - Eigene Übersetzung.

 

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[1] Reflections on Covenant and Mission , Origins 32:13 (September 5, 2002): pp. 218-24. Reflexionen über Bund und Mission, Origins 32:13 (5. September 2002): S. 218-24 (Die deutsche Übersetzung dieser Erklärung siehe im Dokument dieser Homepage: K.II. - 12. August 2002 = Anmerkung des Übersetzers).

[2] 2 Ibid., p.Ebenda, S. 220220..

[3] Ibid. Ebenda.

[4] Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (Nostra Aetate)no. http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decl_19651028_nostra-aetate_ge.html), Nr. 4. 4. (Angabe der deutschen Fassung = Anmerkung des Übersetzers).

[5] 5Reflections on Covenant and Mission , p. Reflexionen über Bund und Mission, S. 220. 220.

[6] 6 Ibid., p.Ebenda., S. 221. 221.

[7] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung (Dei Verbum) (http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html)va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_en.html), no., Nr. 15. 15.

[8] 8Reflections on Covenant and Mission , p. Reflexionen über Bund und Mission, S. 220. 220.

[9] 9Ibid., p. Ebenda, S. 221. 221.

[10] 10Ibid. Ebenda. 11

[11] Siehe Walter Kardinal Kasper, „La preghiera del Santo Venerdi,“ L'Osservatore Romano, 10. April 2008, 1.1 (Den ursprünglichen Text: Das Wann und Wie entscheidet Gott, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom  20. März 2008, 39 siehe auf dieser Homepage als Dokument: K.I. - 20.März 2008 = Anmerkung des Übersetzers). 12

[12] Reflections on Covenant and Mission , p. Reflexionen über Bund und Mission, 221. 221.

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