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Gemeinsame Erklärung zum Programm jüdischer Studien in Bezug auf die Neuorganisation des Päpstlichen christlichen Zentrums jüdischer Studien, des Päpstlichen Ratisbonne-Instituts in Jerusalem

Kongregation für das katholische Bildungswesen - Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum vom 14. November 2002


Die Päpstliche Kongregation für das katholische Bildungswesen und die Vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum beschlossen mit ihrer gemeinsamen Erklärung, das Ratisbonne-Institut in Jerusalem nach zweijähriger Schließung nicht wieder zu eröffnen und seine Aufgabe dem „Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien“ an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zu übertragen. Die Ordensgemeinschaft der Brüder Unserer Lieben Frau von Sion hatte in ihrem Jerusalemer Haus, das nach dem Ordensgründer Marie-Alphonse Ratisbonne genannt war, ein Zentrum jüdischer Studien für Christen errichtet und in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil dessen ökumenische und internationale Dimension intensiviert. Das Zentrum wurde 1998 ein Päpstliches Institut. Jedoch erschwerte bald eine Reihe von Problemen die Tätigkeit und Existenz des Ratisbonne-Instituts. Neben finanziellen Schwierigkeiten war es besonders das Problem, Studierende zu gewinnen. Im Herbst 2000 setzte die Zweite Intifada ein, welche den israelisch-palästinensischen Konflikt gewaltsam verschärfte und zu hohen Opfern auf beiden Seiten führte, ehe sie im Februar 2005 beendet werden konnte. In ihrem Gefolge kam es zu einem rapiden Rückgang der Besucher Israels, wovon seine Menschen und die dort ansässigen Institutionen mitbetroffen waren. Dies galt auch für das Ratisbonne-Institut. Es wurde zunehmend schwierig, neben Studierenden auch externe Lehrkräfte zu gewinnen, wodurch das akademische Niveau gefährdet wurde. So verfügten die beiden vatikanischen Dekasterien, den Lehrbetrieb des Päpstlichen Ratisbonne-Instituts für jüdische Studien in Jerusalem nicht wieder aufleben zu lassen, und sie übertrugen dessen Aufgaben dem Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Die Gregoriana hatte seit 1979 ein interfakultäres Programm für Jüdische Studien entwickelt, das 2001 mit seiner Umbenennung in „Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien“ ein größeres Gewicht erhalten hatte.

 

1. 

Unter den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils unterstreicht die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, Nostra Aetate, die Bindung, welche in besonderer wie einzigartiger Weise das Volk des Neuen Testaments mit den Kindern Abrahams geistlich verbindet; sie betont die Bedeutung des Dialogs mit den Juden, indem sie diesen durch die biblischen Studien ermutigt, welche in der Vorbereitung auf das geistliche Amt vorgesehen sind.

Darin heißt es: „Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist“ (Nr. 4).

Unter Berücksichtigung all dessen, was in diesem Bereich von der Zeit des Konzils an bis in die Gegenwart getan worden ist, und nach einer gründlichen Analyse der aktuellen Situation hat die Kongregation für das katholische Bildungswesen in Zusammenarbeit mit der Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum verschiedene Möglichkeiten geprüft, eine größere Kohärenz für dieses wichtige Engagement zu entwickeln und zu verleihen; sie haben deshalb diese Erklärung unterzeichnet, welche allein auf die Steigerung des religiösen Dialogs und auf die Verbesserung des akademischen und wissenschaftlichen Status der jüdisch-christlichen Studien ausgerichtet ist.


2. 

Bereits seit mehreren Jahren hat es ein Programm für Jüdische Studien am Päpstlichen Ratisbonne-Institut in Jerusalem gegeben.

Dort haben verschiedene katholische akademische Institutionen aus aller Welt großherzig mit den in Jerusalem zentrierten jüdischen akademischen Institutionen zusammengearbeitet.

Jetzt kommt es auf die richtigen Bedingungen für diese Initiativen an, damit sie sich einer größeren Stabilität und Sichtbarkeit erfreuen und einen qualifizierten wissenschaftlichen Standard sichern, so dass diejenigen, die sich in das Programm einschreiben, die entsprechenden akademischen Qualifikationen erhalten.

Nach einer breit angelegten Konsultation hat die Kommission, welche für die Gewährleistung der Zukunft des akademischen und pädagogischen Projekts mit qualifizierten Dozenten, mit einer geeigneten Auswahl der Studierenden und Struktur der Verwaltung und des Managements und der finanziellen Ressourcen verantwortlich ist, festgestellt, dass ernsthafte Schwierigkeiten in verschiedenen Bereichen unüberwindlich sein würden, wenn das Programm als ein unabhängiges Institut am gegenwärtigen Standort in Jerusalem verbleiben würde.

Jenseits ernster akademischer Bedenken erfordern schwere, hartnäckige und zunehmende finanzielle Probleme von mehreren Jahren eine Änderung des Ortes für das, was das wichtigste Programm der katholischen Kirche für jüdische Studien sein sollte, wo man sich einer besser geeigneten Qualität und finanzieller Sicherheit erfreuen kann.

Nach einer sorgfältigen Auswertung hat daher die Kommission entschieden, den ursprünglichen Zweck des Ratisbonne-Projekts mit verstärktem Einsatz zu verfolgen und das Programm auszubauen, indem es in das jüngst reorganisierte „Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien“ der Päpstlichen Universität Gregoriana verlegt wird.


3.

Das „Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien“ pflegt eine gut etablierte und anerkannte wissenschaftliche Forschungsaktivität auf dem Gebiet der jüdischen Studien seit 1979.

Unter anderem durch die Errichtung einiger spezieller Lehrstühle im Rahmen verschiedener Kooperationen mit führenden Universitäten und akademischen Institutionen der jüdischen Welt, einschließlich der Hebräischen Universität in Jerusalem und des „Philip und Muriel Berman-Zentrum für Jüdische Studien“ an der Lehigh-Universität in Bethlehem, PA (USA).

Vor kurzem wurde das Zentrum durch die Übernahme der Bibliothek und der Dokumentation des SIDIC (Service International de Documentation Judéo-Chrétienne), des internationalen Dienstes der jüdisch-christlichen Dokumentation, in Rom weiter aufgewertet.


4.

Angesichts der Fülle von Wissen, das in mehr als zwanzig Jahren Erfahrung des Studiums und der Forschung auf diesem Feld erworben wurde, bietet die Entscheidung, das Programm, das bis jetzt am Päpstlichen Ratisbonne-Institut entwickelt wurde, dem Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien anzuvertrauen, zahlreiche Vorteile.

Die bedeutendsten seien aufgeführt: solide institutionelle Sicherheit; eine größere Sichtbarkeit des Engagements der Kirche im Bereich der Judaistik; die Platzierung dieser Studien im Rahmen einer renommierten Universität mit einem starken internationalen Charakter; die Ausstattung der Studierenden mit einem stärker integrierten Wissen und Verständnis der jüdischen Religion, Kultur und Geschichte; die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen jüdischen und christlichen Spezialisten im Studium von Religion, Kultur und Geschichte; die Möglichkeit, entsprechende akademische Grade zu verleihen und mit anderen akademischen Institutionen zusammenzuarbeiten.


5.

Mit diesem Ziel wird das reorganisierte und neu gestärkte „Kardinal-Bea-Zentrum für Jüdische Studien“ dem jüngst gegründeten Institut der Päpstlichen Universität Gregoriana für das Studium von Religion und Kultur anvertraut, das auch Programme für das Studium des Islam und der östlichen Religionen einschließt.

Zusätzlich zu den Kursen und Seminaren, die an der Päpstlichen Universität Gregoriana angeboten werden, wird das neue Kardinal-Bea-Zentrum akademische Initiativen in Jerusalem unterstützen, insbesondere durch die bereits bestehende Vereinbarung zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der Hebräischen Universität und durch das Zusammenspiel mit anderen Institutionen dort.

Dieser Kontext bietet auch einen intensiveren Austausch zwischen Professoren und Forschungsstudenten, indem es die Kontinuität mit dem früher am Ratisbonne-Standort ansässigen Projekt zur Verfügung stellt.

Die Verwaltung des „Kardinal-Bea-Zentrums für Jüdische Studien“ wird von der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom aufrechterhalten, und es wird eine Person ernannt, um die Entwicklung wissenschaftlicher Aktivitäten in Jerusalem zu beaufsichtigen.


Gegeben zu Rom, am Sitz der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, am 14. November 2002.
Zenon Kardinal Grocholewsky, Präfekt  (Kongregation für das Katholische Bildungswesen)
Walter Kardinal Kasper, Präsident Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum)

 

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccatheduc/documents/rc_con_ccatheduc_doc_20021114_joint-decl_en.html.- Eigene Übersetzung.

 

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