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Glückwunschschreiben zur Eröffnung der ersten Jeschiwa und Rabbinerhochschule in Toronto/Kanada

Erzbischof Daniel Bohan (Regina), Vorsitzender der Kommission für die Einheit der Christen, die religiösen Beziehungen zu den Juden und den interreligiösen Dialog der Bischofskonferenz Kanadas am 28. November 2011

 

Zur Eröffnung der ersten kanadischen Talmudhochschule, Jeschiwa genannt, und Rabbinerhochschule schickte Erzbischof Daniel Bohan von Regina, Vorsitzender der kanadischen Kommission für die Einheit der Christen, die religiösen Beziehungen zu den Juden und den interreligiösen Dialog, ein Glückwunschschreiben an Rabbiner Roy D. Tanenbaum, Präsident der Jeschiwa und Rabbinerhochschule. Der Erzbischof schrieb, dass die kanadischen Katholiken an diesem historischen Tag im Leben der jüdischen Gemeinschaft Kanadas freudig und stolz Anteil nähmen. Der Anlass des Glückwunschschreibens ist auch im internationalen Kontext ein historisches Ereignis. Denn dass eine rabbinische Lehrinstitution Gastrecht in einem katholischen Universitätskomplex hat, ist bisher ohne Entsprechung in anderen Ländern.

 

Sehr geehrter Rabbi Tanenbaum,

Als Vorsitzender der kanadischen Bischofskommission für die Einheit der Christen, die religiösen Beziehungen zu den Juden und den interreligiösen Dialog bin ich sehr glücklich, Ihnen und Ihren Kollegen zu gratulieren, dass Sie die eröffnende Einberufung der ersten Jeschiwa und Rabbinerhochschule Kanadas in Toronto begehen.

Dieser 27. November markiert in der Tat einen historischen Tag im Leben der jüdischen Gemeinde Kanadas – die Bildung einer neuen kanadischen Hochschule, die dazu bestimmt ist, künftige Rabbiner, jüdische Führer und andere auszubilden, die das Verständnis des jüdischen Glaubens zu vertiefen suchen. Angesichts unseres Respekts gegenüber der jüdischen Hingabe an das Lernen und Studium stellt dieser Moment sicherlich einen wichtigen kanadischen Meilenstein und den Höhepunkt vieler Jahren der Arbeit, Planung und Mittelbeschaffung dar.

Was diese Feier zu einer doppelten Besonderheit macht, ist, dass die neue Jeschiwa und rabbinische Schule in Einrichtungen untergebracht ist, die ihr durch die Universität des St. Michael-'s College, eines katholischen Universitätscollege im Herzen der Universität von Toronto angeboten wurden. Es ist ein starkes und hoffnungsvolles Zeugnis der katholischen und jüdischen Beziehungen, dass diese jüdische Bildungseinrichtung von einer katholischen Universität begrüßt wird und Gastrecht erhält. Diese einzigartige Zusammenarbeit belegt nicht nur kraftvoll die herzliche Beziehung zwischen Katholiken und Juden in Toronto, sondern auch, wie weit unsere beiden Glaubensgemeinschaften gekommen sind, um in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg und der Tragödie der Schoa einander kennen- und schätzen zu lernen. Dies ist sicherlich auch in den gemeinsamen Gesprächen und gemeinsamen Formen der Zusammenarbeit evident, welche über die Jahre kanadische Juden und Katholiken national, regional und lokal zusammengebracht haben.

Inspiriert durch die Beispiele der letzten Päpste wie des seligen Johannes Paul II. und Benedikt XVI. schätzen Katholiken heute das Juden und Christen gemeinsame Erbe hoch, das sie in Dialogen ebenso in Aktionen auf vielen Ebenen teilen und das sie gemeinsam in jener „Heilung der Welt“ (Tikkun olam) fortzuführen suchen, welche Teil der gemeinsamen und uns vom Schöpfer anvertrauten Aufgabe ist. Ebenso ist es auch ein Moment, um jene Gelehrten der Vergangenheit – jüdische, christliche wie islamische – zu ehren und an sie zu erinnern, welche über die Jahrhunderte die Früchte ihrer Gelehrsamkeit zu einer gemeinsamen Suche nach Weisheit beigetragen haben.

Da die kanadische Jeschiwa und Rabbinerhochschule ihre erste Einberufung in diesem Monat begeht, können Sie sicher sein, dass kanadische Katholiken Anteil an Ihrer Freude und Ihrem Stolz nehmen und beten, dass sie eine fruchtbare und dauerhafte Aufgabe im Dienst an der Wahrheit haben wird, die wir – jeder auf seine eigene Weise – zur Herrlichkeit Gottes verfolgen.

Möge die Weisheit des Höchsten dieses Unterfangen segnen und stärken.

Mit meinen Gebeten und den besten Wünschen

und im Vertrauen auf den einen Gott

 

Ihr Daniel Bohan, Erzbischof von Regina

 

Quelle: http://www.cccb.ca/site/eng/commissions-committees-and-aboriginal-council/national-commissions/christian-unity-religious-relations-with-the-jews-and-interfaith-dialogue/documents/3223-yeshiva-congratulations-letter-from-archbishop-bohan - Eigene Übersetzung.


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