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Grußwort beim christlich-jüdischen Empfang zum 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim

Erzbischof Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg am 17. Mai 2012

 

Weniger in seinem Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und eher als Ortsbischof der Erzdiözese Freiburg, zu deren Gebiet Mannheim als Austragungsort des 98. Deutschen Katholikentags gehört, begrüßte Erzbischof Robert Zollitsch die Gäste des christlich-jüdischen Empfangs aus Anlass des Katholikentags. Der Erzbischof nutzte die Gelegenheit, um sich beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und seinem  Gesprächskreis „Juden und Christen“ für alle Förderung der katholisch-jüdischen Beziehung in Deutschland, aber auch bei der jüdischen Gemeinde Mannheim für die Öffnung ihrer Türen für die Katholikentagsgäste zu bedanken. Sein Wort, dass „der Dialog mit dem Judentum für die katholische Kirche keine Kür, sondern eine Pflicht“ sei, fand nicht nur in der kirchlichen Öffentlichkeit eine besondere Aufmerksamkeit.

 

Lieber Herr Präsident Glück,

lieber Mitbruder Kardinal Karl Lehmann,

verehrte Herren Rabbiner,

werte Frau Vorsitzende Maitek-Drzevitzky,

verehrte Gäste,

meine Damen und Herren!

Als Erzbischof von Freiburg heiße ich Sie hier in Mannheim herzlich willkommen: bruchim ha baim. Ich freue mich, dass auch der diesjährige Katholikentag wieder eine Reihe hochkarätiger Veranstaltungen zum christlich-jüdischen Dialog verzeichnet. Wir setzen damit eine langjährige Tradition fort. Es ist keineswegs übertrieben zu sagen: Die Katholikentage haben ebenso wie der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ganz maßgeblich dazu beigetragen, dass das katholisch-jüdische Verhältnis sich so positiv in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Dafür danke ich den Mitgliedern des Gesprächskreises und allen, die an den Vorbereitungen der christlich-jüdischen Veranstaltungen beteiligt waren, ganz herzlich – auch im Namen der Deutschen Bischofskonferenz.
Bei seinem Deutschlandbesuch im vergangenen Jahr hat Papst Benedikt darauf hingewiesen, dass die Botschaft der gemeinsamen hebräischen Bibel von Juden und Christen auf unterschiedliche Weise angeeignet und weitergeführt wurde. Er fügte wörtlich hinzu: „Wir erkennen es nach Jahrhunderten des Gegeneinanders als unsere heutige Aufgabe, dass diese beiden Weisen der Schriftlektüre – die christliche und die jüdische – miteinander in Dialog treten müssen, um Gottes Willen und Wort recht zu verstehen.“

Dieser Aufgabe stellt sich auch der Katholikentag in Mannheim. Das Programm lädt zu Veranstaltungen ein, die christlichen Besuchern einen Einblick in die rabbinische Tradition, in den Talmud und in die jüdische Liturgie geben. Aber auch aktuelle Themen wie die Fragen der Bioethik oder die Stellung der Frau in den drei monotheistischen Religionen haben hier ihren Platz. Im christlich-jüdischen Dialog geht es zweifellos darum, den anderen besser kennen zu lernen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und freundschaftliche Bande zu knüpfen. Es geht aber nicht nur um ein gutes Miteinander. Der Dialog zwischen Juden und Christen ist ein Dialog um Gottes und der Menschen willen. Wir brauchen einander, um Gottes Wort und Willen besser zu verstehen. Deshalb ist der Dialog mit dem Judentum für die katholische Kirche keine Kür, sondern eine Pflicht. Er ist Teil unseres Kircheseins. Und deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, heute hier zu sein.

Ich möchte mein Grußwort nicht beenden, ohne darauf hinzuweisen, dass die Jüdische Gemeinde hier in Mannheim die Türen ihrer Synagoge für die Besucher des Katholikentages geöffnet hat. Für dieses Zeichen der Verbundenheit danke ich dem Vorstand der Gemeinde von Herzen.

Uns allen wünsche ich nun einen frohen Abend mit vielen anregenden Gesprächen und guten Begegnungen.

 

Quelle: Pressemeldung 17.05.2012 - Nr. 083: http://www.dbk.de/presse/details/?suchbegriff=juden&presseid=2105&cHash=507351529e1336ba46f65ae6e61eb07d.

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