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Grußwort zum Tag des Judentums 2015 in der Schweiz

Bischof Charles Morerod OP, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, vom 20. Januar 2015

 

Der Tag des Judentums 2015 der katholischen Kirche der Schweiz – am 2. Fastensonntag, 20. März, begangen – stand im Zeichen des Jubiläumsjahrs der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ vom 28. Oktober 1965. Dazu erarbeitete die Jüdisch/Römisch-katholische Gesprächskommission der Schweizer Bischofskonferenz und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes eine umfangreiche Arbeitshilfe – Wegleitung genannt –,  in der sie bibelwissenschaftliche Auslegungen zu den Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament sowie zu den  Evangelientexten des 2. Fastensonntags der drei Lesejahre ebenso zur Verfügung stellte wie Hilfen zur liturgischen Gestaltung, grundlegenden Reflexion zum jüdisch-christlichen Dialog und Basistexte der Kirchen und jüdischen Gemeinschaft zum Dialog. Bischof Charles Morerod, Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, gab in seiner Funktion als Beauftragter der Bischofskonferenz für das katholisch-jüdische Gespräch der Wegleitung ein Grußwort mit auf den Weg.

 

Siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs müssen wir uns hüten, die­ses ungeheure Verbrechen in der Menschheitsgeschichte – den Holocaust – zu vergessen, das zu einem Teil durch einen christlichen Antijudaismus vorbereitet wurde.

Die neuesten Äußerungen von Papst Franziskus in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem sprechen zu unserem Gewissen. Wir besinnen uns alle auf die wichtige Frage nach der Präsenz Gottes in Auschwitz.

Der Papst fügt dieser Frage eine weitere hinzu, die Gott an uns, sei­ne Geschöpfe, richtet: Wie gehen wir mit der Gabe des Lebens um? Und manchmal ist es einzig die Scham, die uns vor einem schrecklichen Rückfall bewahren kann.

„Denk an uns in deiner Barmherzigkeit. Gib uns die Gnade, uns zu schämen für das, was zu tun wir als Menschen fähig gewesen sind, uns zu schämen für diesen äußersten Götzendienst, unser Fleisch, das du aus Lehm geformt und das du mit deinem Lebensatem belebt hast, verachtet und zerstört zu haben. Niemals mehr, o Herr, niemals mehr! ‚Adam, wo bist du?‘ Da sind wir, Herr, mit der Scham über das, was der als dein Abbild und dir ähnlich erschaffene Mensch zu tun fähig gewesen ist. Denk an uns in deiner Barmherzigkeit.“ (Papst Franziskus, Ansprache in Yad Vashem, Jerusalem, 26. Mai 2014)

Im Gebet zum Dies Iudaicus bitten wir, dass uns die Gnade dieser beschä­menden Frage gegeben werde, was wir aus unserer Humanität machen und was wir aus der Botschaft des Evangeliums machen im Angesicht unserer Väter!

 

Quelle:

http://www.bischoefe.ch/fachgremien/juedisch-roemisch-katholisch/tag-des-judentums-2015/wegleitung-zum-tag-des-judentums-in-der-schweiz.


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