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Katholische Lehre über die Schoa. Die Umsetzung der Reflexion des Heiligen Stuhls „Wir erinnern“

Komitee für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten am 1. März 2001

 

Einige Irritationen im katholisch-jüdischen Verhältnis in den 1980-er Jahren hatten dazu geführt, dass jüdischerseits von der Kirche die ausdrückliche Berücksichtigung der Schoa und ihrer moralischen Herausforderungen gefordert wurde. Bei einer Begegnung mit Mitgliedern des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Konsultationen (IJCIC) am 31. August 1987 gab Kardinal Johannes Willebrands, damaliger Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Juden, die Absicht seiner Kommission bekannt, ein offizielles Dokument von katholischer Seite über die Schoa, den historischen Hintergrund des Antisemitismus und seine zeitgenössischen Erscheinungsformen zu erstellen. Nach einer Reihe von Vorarbeiten, die zum Teil in die Öffentlichkeit gelangten und zu Auseinandersetzungen und Spekulationen führten, veröffentlichte die Päpstliche Kommission das Dokument „Wir erinnern. Eine Reflexion über die Schoa“ am 16. März 1998. Das jüdische Echo auf dieses Dokument war zwiespältig. Neben der Anerkennung des Faktums ausdrücklicher kirchlicher Erörterung der Schoa und der unzweifelhaften Zurückweisung des Antisemitismus gab es jüdische Kritik zu einigen historischen Aussagen des Dokumentes und zur Weigerung, eine Mitverantwortung und Schuld der Kirche als Institution auf dem Weg zur Schoa anzuerkennen.

Die dennoch bleibende Bedeutung des Dokuments „Wir erinnern“ hat das Komitee für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der US-Bischofskonferenz mit einem eigenen Dokument zur Umsetzung bekräftigt.

 

Am 23. März 2000 sprach der Heilige Vater Johannes Paul II. in Jad WaSchem, Jerusalem – Israels Gedenkstätte für die sechs Millionen – von der Notwendigkeit der Erinnerung:

 

„An dieser Stätte der Erinnerungen empfinden Verstand, Herz und Seele ein ganz starkes Bedürfnis nach Stille. Stille zum Erinnern. Stillschweigen, in dem wir versuchen, etwas Besinnung in die Erinnerungen zu bringen, die uns überfluten. Stille, weil es keine Worte gibt, die stark genug wären, um die grauenhafte Tragödie der ‚Schoa‘ zu beklagen. Meine eigenen, persönlichen Erinnerungen betreffen all die Ereignisse, die sich damals zugetragen haben, als die Nazis Polen während des Krieges okkupierten. Ich erinnere mich an meine jüdischen Freunde und Nachbarn: Manche von ihnen kamen um, andere haben überlebt.

Ich bin nach ‚Yad Vashem‘ [Ein Denkmal und ein Name] gekommen, um den Millionen Juden die Ehre zu erweisen, denen alles genommen wurde, besonders ihre Würde als Menschen, und die im Holocaust ermordet worden sind. Über ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergangen, aber die Erinnerung bleibt.

Hier, wie in Auschwitz und an vielen anderen Orten in Europa, sind wir überwältigt vom Widerhall der herzzerreißenden Klage so vieler Menschen. Männer, Frauen und Kinder schreien zu uns auf aus den Tiefen des Gräuels, das sie erfahren mussten. Wie sollten wir ihren Aufschrei nicht hören? Niemand kann das, was damals geschah, vergessen oder ignorieren. Niemand kann die Ausmaße dieser Tragödie schmälern.

Wir möchten uns erinnern. Wir möchten uns aber mit einer bestimmten Zielsetzung erinnern, nämlich um zu gewährleisten, dass das Böse nie mehr die Überhand gewinnen wird, so wie es damals für Millionen unschuldiger Opfer des Nazismus der Fall war.

Wie konnte der Mensch eine solche Verachtung des Menschen entwickeln?“ (Ansprache in der Gedenkstätte, Nr. 1-2).

 

Ein Wort zum vorliegenden Dokument

Die folgenden Überlegungen sollen katholischen Schulen auf allen Ebenen, einschließlich Seminaren und Universitäten, helfen, das Mandat der Erklärung des Heiligen Stuhls von 1998 „Wir erinnern: Eine Reflexion über die Schoa“ umzusetzen.[1] Diese Überlegungen bieten nicht selbst einen Lehrplan, sondern sie sollen vielmehr dazu beitragen, dass katholische Erzieher/innen beginnen, Curricula und andere Bildungsprogramme über den Holocaust zu entwickeln.

Das bei der Entwicklung dieses Dokuments verwendete Verfahren kann selbst als Modell für örtliche Diözesen und katholische Schulen dienen, die versuchen, die Einladung des Heiligen Stuhls umzusetzen, sich mit den Auswirkungen der Schoa für die Kirche selbst auseinanderzusetzen. Anfang 1999 tat sich das Komitee für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Nationalen Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten (BCEIA) mit dem Amerikanischen Jüdischen Komitee und der Erzdiözese Baltimore zusammen, um gemeinsam einen Dialog führender katholischer und jüdischer Pädagogen/innen zu fördern. Diese Lehrer, fünfzehn von jeder Gemeinschaft und einige von ihnen Pioniere auf diesem Feld, waren seit vielen Jahren an der Holocaust-Erziehung beteiligt. Frühe Entwürfe wurden wiederum einer noch größeren Gruppe von jüdischen und katholischen Pädagogen/innen vorgelegt und dann diskutiert; sie wurden von uns in unseren Sitzungen umformuliert, bevor sie offiziell verabschiedet wurden. Wir hoffen also, dass sie die Erfahrung und Weisheit der Pädagogen/innen, deren intensiver Dialog die Themen und Fragen aufwarf, derer sie sich annahmen, ebenso wiedergeben wie den pastoralen Sinn, den wir als Bischöfe mit den Themen und Fragen verbanden.

 

Warum studieren Katholiken die Schoa?

Die Schoa kann kurz als der systematische und fast erfolgreiche Versuch von Nazi-Deutschland – von ihrer Vorahnung mit der „Kristallnacht“ von 1938 bis zu ihrer tatsächlichen Umsetzung von 1942 bis 1945 – beschrieben werden, um jede jüdische Frau, jeden jüdischen Mann und jedes jüdische Kind in Europa zu ermorden. An ihrem Ende waren zwei von drei Mitgliedern der alten europäischen jüdischen Gemeinschaft getötet worden – etwa sechs Millionen Menschen – neben Millionen von Roma, Homosexuellen, Polen und anderen „Untermenschen“. So horrend war dieser Massenmord, dass die Kirche am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts (das als „das Jahrhundert der Schoa“ zu nennen Papst Johannes Paul II. nicht gezögert hat),[2] in „Wir erinnern“ ihre Mitglieder insgesamt aufgerufen hat, nicht nur Buße für ihre Sünden der Unterlassung und des Verhaltens während der Schoa zu tun, sondern auch für die vielen Jahrhunderte negativer Lehren über Juden und Judentum, so dass – in den Worten des Papstes – die Gewissen von so vielen europäischen Christen „abgestumpft“ waren und sie nicht imstande waren, gegen den Nazi-Völkermord einen wirkungsvollen Widerstand zu organisieren:[3]

„Am Ende dieses Jahrtausends möchte die katholische Kirche ihr tiefes Bedauern über das Versagen ihrer Söhne und Töchter aller Generationen zum Ausdruck bringen. Dies ist ein Akt der Reue (teschuwa), da wir als Glieder der Kirche sowohl an den Sünden als auch an den Verdiensten all ihrer Kinder teilhaben. Die Kirche nähert sich mit tiefem Respekt und großem Mitgefühl der Erfahrung der Vernichtung, der Schoa, die das jüdische Volk im Zweiten Weltkrieg durchlitten hat. Dies ist ein Ausdruck nicht bloßer Worte, sondern tatsächlich einer bindenden Verpflichtung…Wir beten, dass unsere Trauer um die Tragödie, die das jüdische Volk in unserem Jahrhundert erlitten hat, zu einer neuen Beziehung zum jüdischen Volk führen wird. Wir wünschen, dass sich das Wissen um vergangene Sünden in einen festen Entschluss umwandelt, eine neue Zukunft zu bauen, in der es keinen Antijudaismus unter Christen… mehr geben wird, sondern vielmehr eine gegenseitige Achtung, wie sie jenen zukommt, die den einen Schöpfer und Herrn anbeten und einen gemeinsamen Vater im Glauben haben, Abraham“.[4]

Der Papst und der Heilige Stuhl destillieren hier die wesentlichen und zwingenden Gründe für das Katholische Bildungswesen heraus, um sich mit der Schoa als einem Teil seines zentralen Lehrplans auseinandersetzen. Erstens war die Schoa weder ein zufälliger Akt des Massenmords noch einfach das Ergebnis eines Krieges oder einer alten Feindschaft zwischen zwei Völkern (wie es die meisten anderen Völkermorde gewesen sind). Es war ein Krieg gegen die Juden als Volk Gottes, die ersten Zeugen von Gottes Offenbarung und die ewigen Träger jenes Zeugnisses durch all die Jahrhunderte. Es ist kein Zufall, dass der erste direkte physische Angriff auf die Juden, die Kristallnacht, 1938 in der Form der Verbrennung von Synagogen in den Nazi-dominierten Teilen Europas geschah. Um sein Drittes Reich, als ein Jahrtausend der arischen Herrschaft über die ganze Erde gedacht, zu schaffen, sah das NS-Regime in seiner Ideologie ganz richtig, dass es jede Erinnerung an die göttliche Offenbarung durch die Vernichtung zuerst der Juden und dann der Kirche beseitigen müsste. Nur durch die Ausmerzung der moralischen Hemmungen von Judentum und Christentum aus dem europäischen Gewissen würde der Nationalsozialismus in der Lage sein, die Menschheit in seinem eigenen verzogenen, rassistischen Bild und Gleichnis zu erschaffen.

Der zweite Grund, die Schoa in die katholische Erziehung einzubeziehen, ist, dass die Kirche heute in ihrem Sprechen für und an alle Katholiken vor der Notwendigkeit steht, künftige Generationen zu erinnern, stets wachsam zu sein, so dass „dem schlechten Samen des Antijudaismus und Antisemitismus“ nie wieder erlaubt sein wird, „in eines Menschen Herzen Wurzeln zu schlagen“. [5] Diese zugrunde liegenden Mandate von „Wir erinnern“ können als Erziehungsziele wie im Folgenden dargestellt werden und dies unter Hinweis darauf, dass natürlich in bestimmten Fällen andere Artikulationen und Akzentuierungen angebracht sein mögen.

 

Ziele für die Schoa-Erziehung im katholischen Kontext

1. Katholiken zu einer genauen Kenntnis und zu einer Achtung des Judentums, des ewigen Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk und des geistigen Bandes der Verwandtschaft zwischen Juden und Christen verhelfen.[6] Zur pädagogischen Erreichung dieses Ziels werden Studierende angehalten, „dass sie lernen, welche Grundzüge für die gelebte religiöse Wirklichkeit der Juden nach ihrem eigenen Verständnis wesentlich sind“[7].

2. Eine positive Wertschätzung der Juden und des Judentums und der weitergehenden Rolle des jüdischen Volkes in Gottes Heilsplan fördern. Diese Rolle war nach der Lehre der Kirche nicht mit der Vorbereitung des Weges und der Geburt Jesu erschöpft. Sie wird bis zum Ende der Zeit fortdauern. So hat Papst Johannes Paul II. von der Kirche und dem jüdischen Volk als gemeinsamen „Verwaltern und Zeugen einer Ethik“ und von dem „vom Gesetz und von den Propheten stammenden gemeinsamen Erbe“ gesprochen. Unser mit den Juden gemeinsames Zeugnis der Welt gegenüber, so schloss der Papst, sollte „von den Zehn Geboten gekennzeichnet sein, in deren Befolgung der Mensch seine Wahrheit und Freiheit findet“.[8] Ebenso hat der Papst von der Notwendigkeit eines gemeinsamen katholisch-jüdischen Zeugnisses der Erinnerung an die Schoa gesprochen.[9]

3. Den Geist der Buße und Umkehr, zu dem Wir erinnern aufruft, als integralen Bestandteil der Begehung des Jubeljahrs 2000 und darüber hinaus fördern.[10] Es sind insbesondere katholische Hochschulen zum Studium der Tatsache aufgerufen, „dass die Schoa in Europa stattfand, das heißt in Ländern mit einer langen christlichen Kultur…, (dies) wirft die Frage nach der Beziehung zwischen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Haltung der Christen gegenüber den Juden in allen Jahrhunderten auf“.[11]

4. Katholiken für den weitergehenden Kampf gegen den traditionellen christlichen Antijudaismus und modernen rassischen Antisemitismus durch das Studium der Ursachen und Bedingungen für Völkermord auszurüsten, um solche Gräueltaten, wie sie an den Juden oder irgendeiner anderen Gruppe geschah, in Zukunft zu verhindern.[12] Das Studium der Schoa zeigt anschaulich, zu welchen Ausmaßen das Vorurteil, sei es religiösen, sei es säkularen Ursprungs, führen kann.

 

Fragen richtig und sensibel ausarbeiten

Die Schoa war ein komplexes Ereignis, das im Zusammenhang des am weitesten verbreiteten und zerstörerischen Krieges geschah, den die Menschheit je gekannt hat. Wie Erzbischof Alexander Brunett in seiner Einleitung zu Catholics Remember the Holocaust erklärte,

„bemerkte [Fr.] John Hotchkin, Direktor des Sekretariats für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten, dass der erschreckend systematische Versuch, ein ganzes Volk auszurotten und dies nicht dessentwegen, was es getan hatte, noch wegen irgendwelcher Bedrohung, die es darstellte, sondern einfach wegen seines Dasein, wie es war – ob jung oder alt, jeder letzte Mann, jede letzte Frau und jedes letzte Kind –, ein Versuch des Bösen in einem fast unvorstellbaren Ausmaß ist. Die Schoa wirft in einer schrecklichsten Weise die dunkelsten Fragen auf, die das Geheimnis des Bösen der Menschheitsfamilie in unserer Zeit gestellt hat. Wir werden vielleicht nie bis zum Grund dieser Fragen kommen. Für so etwas Böses gibt es letztlich keine Erklärung, die der Geist akzeptieren kann. Es bleibt ein dunkles und bedrohliches Geheimnis. Aber was wir nicht erklären können, müssen wir dennoch erinnern. Die Warnung, die in der Erinnerung enthalten ist, ist unser bester gemeinsamer Schutzschild und unsere beste Verteidigung. Das Böse, das die Menschheit gegen die Menschheit wendet, lauert in der Herabsetzung ihres Lebens, in ihrer Erniedrigung, in der Hinwendung zu ihrer Zerstörung noch immer in der Welt. Es ruht nicht, noch dürfen wir in unserer Erinnerung ausruhen, denn es geschieht durch die Erinnerung an den unaussprechlichen Schrecken, der tatsächlich geschah, dass wir wach und aufmerksam im Blick auf die Möglichkeit bleiben, dass das, was geschah, erneut versucht werden könnte. Es geschieht durch unsere gemeinsame Erinnerung an jene, die untergingen, dass sie das Leben schützen. Dies ist eine Katastrophe und zwar anders als alle anderen in der Geschichte der Menschheit. In der Tat hat der Theologe David Tracy von ihr als einer ‚Unterbrechung‘ der Geschichte geschrieben, als einem Ereignis, in dem ‚unsere Geschichte sich gegen sich selbst erhebt.‘ Es ist, als ob die Zeit stehengeblieben war, und die Geschichte kann nie mehr dieselbe sein. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die Erinnerung gepflegt wird, und die Geschichte von Generation zu Generation erzählt wird“.[13]

Die Fragen müssen für katholische Schüler/innen bzw. Studierende mit Sorgfalt und Interesse ausgearbeitet werden. Auf der einen Seite war, wie wir gesehen haben, diese Katastrophe so beispiellos, dass viele Menschen, ob Juden oder Christen, ihre Tatsache kaum zu begreifen vermochten, bis es zu spät war, sich zu widersetzen. Auf der anderen Seite hatten viele Menschen, Juden und Christen, das Gefühl, dass etwas auf dem Spiel stand, und sie kämpften dagegen. Die Rolle dieser „Gerechten“, der Retter, wird, wenn sie in einer angemessenen und geeigneten Perspektive dargestellt wird, ein notwendiges Modell für künftige Generationen sein.

Ebenso musste wegen der noch nie da gewesenen Art der Schoa ein neues Wort „Genozid“ erfunden werden, um sie zu beschreiben. Aber einmal erfunden kann man das Wort „Völkermord“ mit Recht auf andere Opfer der Nazis wie Roma und Polen und auf andere Ereignisse in diesem Jahrhundert wie Massenmorde in Asien, Afrika und Europa anwenden. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen diesen Phänomenen können im Unterricht fruchtbar erforscht und analysiert werden.

In der Auseinandersetzung mit der Schoa sind Ehrlichkeit und Objektivität wichtige Arbeitshilfen für Pädagogen/innen, besonders dann, wenn es sich um Angelegenheiten handelt, die für Christen oder die Kirche ungünstig erscheinen können. Papst Johannes Paul II. mahnte katholische Gelehrte, die im Vatikan versammelt waren, um „die Wurzeln des Antijudaismus im christlichen Milieu“ zu studieren, am 31. Oktober 1997: „Ich weiß die Tatsache zu schätzen, dass die theologischen Forschungsarbeiten eures Symposiums streng wissenschaftlich betrieben werden sollen in der Überzeugung, dass der Wahrheit zu dienen auch bedeutet, Christus selber und seiner Kirche zu dienen.“

Zugleich ist die chaotische und furchterregende Situation, mit der normale Leute, die in einer Feuersbrunst von beispiellosem Umfang gefangen sind, konfrontiert werden, von den Pädagogen/innen in Rechnung zu stellen. Situationen variierten von einem Gebiet Europas zu einem anderen ungemein. Die Nazis behandelten die örtlichen Bevölkerungen je nach ihrem Platz auf der Stufenleiter der Rassen unterschiedlich. Slawen, in den Augen der Nazis nicht vollständig menschlich, wurden als nur zum Sklaventum fähig betrachtet, während Dänen als Mit-Arier gesehen wurden, die einen Platz im Nazi-Jahrtausend haben mögen. Nur in Polen war es ein Kapitalverbrechen, einem Juden in irgendeiner Weise zu helfen. Ganze Familien und ganze polnische Dörfer wurden von den Nazis für die Beherbergung von Juden ermordet, und ein Pole konnte getötet werden, wenn er einem Juden eine Brotkruste gegeben hatte.

In einigen Ländern wie in Italien, Dänemark und Bulgarien stellte sich nahezu die gesamte Bevölkerung der Gelegenheit, das Leben ihrer Mitbürger jüdischer Abstammung zu retten. In anderen Ländern wie Frankreich und Österreich kamen heldenhafter Widerstand und feige Zusammenarbeit nebeneinander vor. In einer so komplexen Situation können nur wenige Allgemeinaussagen über historische Präzedenzfälle, Täter, Zuschauer, Retter und gewöhnliche Leute gemacht werden. Die folgenden Abschnitte werfen zwei Fragen auf, bei denen besondere Sorgfalt erforderlich ist: die Darstellung der Geschichten der Retter und der Bedeutung, richtige Unterscheidungen zu treffen.

 

Die Retter

Israel wichtigstes Holocaust-Museum, Jad WaSchem in Jerusalem, erinnert an die „Gerechten unter den Völkern“, die ihr eigenes Leben riskierten, um Juden zu retten, und ehrt sie. Das US Holocaust Memorial Museum in Washington, DC, ehrt sie ähnlich, indem es nicht nur die Namen der Personen auflistet, sondern indem es besondere Exponate über Länder wie Dänemark und Italien präsentiert, von denen jeweils mehr als 80 Prozent der Juden in ihren Ländern gerettet wurden, und über Gruppen wie Zegota, eine polnische katholische Organisation, die sich der Rettung jüdischen Lebens widmete.

Nochmals bedarf es eines Sinns für die Balance. Kardinal William H. Keeler von Baltimore platzierte in einer Rede zur Ehrung katholischer Retter im US Holocaust Memorial Museum im April 1997 den Anlass deutlich im Zusammenhang der allgemeinen Notwendigkeit von Buße seitens der Katholiken weltweit, wie sie vom Papst und Heiligen Stuhl gefordert wurde. Die Retter waren immerhin relativ wenige Inseln des Lichts in einem Kontinent, der durch die Finsternis des Bösen überwältigt war. Dennoch bleiben die Retter entscheidende Modelle für zukünftige Generationen von Katholiken. Studien haben einige weit verbreitete Merkmale der Retter aufgedeckt, die pädagogisch eingeschärft werden können.

Zunächst wurde ein Sinn für Moral tief in die Faser ihres Seins implantiert, ob sie kultivierte und gut ausgebildete oder normale Menschen waren. Die Retter mussten häufig kurzfristig Entscheidungen auf Leben und Tod (nicht nur für sich, sondern auch für ihre Familien) treffen. Die meisten haben in der Nachkriegszeit in Interviews gesagt, sie meinten, dass sie kaum eine andere Wahl hatten. Sie konnten nur tun, „was richtig war“, so die Äußerung eines Reflexes zum Guten und dies oft genug trotz vollem Bewusstsein der damit verbundenen Risiken.

Zweitens hatten die Gerechten ein Gefühl, dass das Leben letzte Bedeutung über die Gegenwart hinaus hat. Während ihr Verständnis dieser Bedeutung vielgestaltig war, erinnert ihre Erfahrung uns daran, unser Leben in einem größeren Zusammenhang menschlicher Bedeutung und Wechselbeziehung einzustufen. Für Katholiken unterstreicht dieses Gefühl der Offenheit für die transzendente Dimension die entscheidende Bedeutung des Glaubens an Gott.

Drittens hatten viele der Gerechten zuvor Umgang mit Juden, aber nicht notwendigerweise mit den Menschen, die sie tatsächlich retteten. Daraus lernen wir die Bedeutung, menschliche Bindungen über religiöse, rassische und ethnische Grenzen hinweg aufzubauen.

 

Unterscheidungen und Verbindungen: theologisch und historisch

Das Wesen einer guten Ausbildung kann in der Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten liegen, angemessene Unterscheidungen und Verbindungen zwischen verwandten Phänomenen vorzunehmen. Auf diese Art unterscheidet und verbindet die Biologie den Reichtum der Flora und Fauna der Welt, indem sie sie in Gattung und Art klassifiziert, um zu verstehen, wie das Leben auf der Erde „funktioniert.“ Das gleiche gilt für die Theologie und die Sozialwissenschaften.

Einige Reaktionen, katholische ebenso wie jüdische, auf Wir erinnern stellten bestimmte Unterscheidungen infrage, welche die Kommission des Heiligen Stuhls vorgenommen hatte. Diese entsprangen jedoch dem traditionellen Verständnis der Kirche von sich selbst als einer von Gott gegründeten Institution und aus einer sorgfältigen Betrachtung der Geschichte. Der Hauptunterzeichner des Dokuments, Kardinal Edward I. Cassidy, erklärte bei einem Treffen mit dem Amerikanischen Jüdischen Komitee vom Mai 1998, was gemeint war.[14] Die Bußliturgie des Papstes in St. Peter in Rom vom März 2000, seine Aussage in der folgenden Woche in Jad WaSchem und die Bitte um Vergebung, die er im Namen der ganzen Kirche in der Westmauer (Kotel) in Jerusalem hinterlegte, setzen alle diese Unterscheidungen voraus. Richtig interpretiert sind die vom Heiligen Stuhl vorgenommenen Unterscheidungen entscheidend für die katholische Erziehung über die Schoa. Sie sind in einiger Breite in der am Aschermittwoch des Jubeljahrs 2000 herausgegebenen Studie der Internationalen Theologischen Kommission des Vatikans „Erinnern und Versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit“ ausgearbeitet, um die genaue Bedeutung der Bußliturgie des Papstes am Ersten Fastensonntag diesen Jahres zu erklären.[15]

 

Die Kirche, ihre Glieder und Verantwortung für die Schoa

Die von den Dokumenten gemachte Unterscheidung zwischen „der Kirche als solcher“ und ihren „Söhnen und Töchtern“ ist traditionell und den meisten Katholiken vertraut. Niemand – nicht die Päpste oder die Bischöfe oder die Priester oder Laien – ist ausgenommen von der Sünde, wie Kardinal Cassidy erläuterte. So betete die Vergebungsbitte, die Papst Johannes Paul II. an der Westmauer hinterlegte, zum „Gott unserer Väter“ im Namen der ganzen Kirche. Der Papst meinte nicht, irgendjemanden auf Grund des Ranges oder des priesterlichen Standes aus der Verantwortung für seine Handlungen gegenüber Juden im Laufe der Jahrhunderte auszuschließen: „Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Söhne und Töchter leiden ließen“. Diese Aussage der Buße an der Westmauer – kurz nach dem päpstlichen Besuch in Jad WaSchem mit seinen Gebeten – schließt die Sünden der Unterlassung und des Tuns von Katholiken gegenüber Juden sowohl in den Jahrhunderten bis zur Schoa als auch während der Schoa ein.

Zugleich ist die Kirche mehr als eine menschliche Institution. Sie ist der Leib Christi in der Welt nach seiner Himmelfahrt, das Sakrament der Begegnung zwischen Gott und dem Menschen, das zuverlässige Instrument des Heils für die ganze Menschheit. Erinnern und Versöhnen bezieht sich auf Augustinus und Thomas von Aquin, wobei es das scheinbare Paradox vermerkt, dass die Kirche zum einen unzerstörbar heilig ist und zum anderen „stets der Reinigung bedürftig“[16]. Die Erklärung macht deutlich, dass „die Vollendung der Heiligkeit der eschatologischen Zeit angehört. Indessen darf sich die pilgernde Kirche nicht vorgaukeln, ohne Sünde zu sein“.[17]

Wir meinen, dass diese paarweisen theologischen Aussagen eine besondere Dringlichkeit annehmen, wenn sie auf die christlich-jüdischen Beziehungen im Laufe der Jahrhunderte und vor allem während des Holocaust bezogen werden. Die polemischen Lehren der Kirchenväter gegen das Judentum, die im zweiten Jahrhunderts begannen (wie der Papst 1997 erwähnte), und die schweren Verfolgungen der Juden, die das zweite Jahrtausend so entstellten, waren im Laufe der Zeit so allgegenwärtig, dass die Gewissen der Christen des zwanzigsten Jahrhunderts „abgestumpft“ waren. Das Ergebnis war, dass ein über Jahrhunderte „christlicher“ Kontinent allzu wenige Christen aufwies, die dem Virus des vom Nationalsozialismus propagierten rassischen Antisemitismus widerstehen konnten. Einige taten es, und ihr Heroismus bei der Rettung jüdischen Lebens ist ein Modell für Studierende heute. Aber viele taten es nicht, und für diese muss die Kirche als ganze gemäß den bewegenden Sätzen von Papst Johannes Paul II. und Wir erinnern umkehren und Verantwortung übernehmen. Wie Wir erinnern es so gut zum Ausdruck bringt: „Am Ende dieses Jahrtausends möchte die katholische Kirche ihr tiefes Bedauern über das Versagen ihrer Söhne und Töchter aller Generationen zum Ausdruck bringen. Dies ist ein Akt der Reue (teschuwa), da wir als Glieder der Kirche sowohl an den Sünden als auch an den Verdiensten all ihrer Kinder teilhaben“. [18]

 

Antijudaismus und Antisemitismus

Wir erinnern unterscheidet grob zwischen den von den Kirchenvätern bereits im zweiten Jahrhundert entwickelten theologischen Polemiken gegen das Judentum und der moderneren rassischen und neuheidnischen Ideologie des Antisemitismus, die im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert entwickelt wurde, um den gegen Juden gerichteten Rassenhass zu beschönigen. Auch hier ist die Unterscheidung für das Verständnis entscheidend. Die klassische christliche Einstellung zum Judentum, wie sie von Augustinus formuliert und durch Papst Gregor der Große zu einem dauerhaften kanonischen Präjudiz wurde, war grundsätzlich mehrdeutig in Theorie und Praxis. Auf der einen Seite wurden die Juden als „blind“ für die wahre Bedeutung ihrer eigenen Schrift betrachtet, die deren Erfüllung in Christus nicht sahen. Aber ihr Zeugnis für die Gültigkeit der hebräischen Bibel als göttlicher Offenbarung wurde als wesentlich für das Zeugnis der Kirche zu Christus gesehen. Daher war den Juden erlaubt, (relativ) frei Gottesdienst zu halten, und sie wurden nicht gezwungen, zum Christentum zu konvertieren. In der Christenheit des ganzen Mittelalters war damit das Judentum die einzige legale Religion neben dem Christentum. Die Päpste konnten von jüdischen Gemeinden angerufen werden und wurden von ihnen oft erfolgreich angerufen, wenn die lokalen zivilen Behörden versuchten, sie zu misshandeln.

Wenn der spezifisch christliche Antijudaismus missbraucht wurde, führte er zu: erzwungener Konversion; gelegentlichen geistlosen Massakern wie jenen der Kreuzfahrer von 1096; zur Vertreibung durch weltliche Herrscher (beginnend mit England im zwölften Jahrhundert und kulminierend in der Vertreibung aus Spanien im Jahr 1492); und zur Ghettoisierung der verbliebenen Juden Westeuropas.[19] Diese christlichen Sünden sind nicht zu verteidigen. Aber wenn die Kirche in der Lage war, Autorität in den Zivilgesellschaften Europas auszuüben (d.h. vom vierten Jahrhundert bis zur Aufklärung),wirkte die Morallehre des Kirchenrechts manchmal wie eine Einschränkung. Zu keiner Zeit degenerierte die Notlage der Juden in etwas aus, das dem systematischen Versuch zum Völkermord nahe kam, der das direkte Ergebnis der Annahme einer neo-heidnischen Reihe von rassistischen Ideologien durch das NS-Reich in Deutschland war. Deren totale Entmenschlichung der Juden erlaubte jenen, welche die Ideologien angenommen hatten, die „Endlösung“ für die Befreiung Europas von der „Verseuchung“ seiner jüdischen Bevölkerung zu konzipieren und umzusetzen.

Aber der christliche Antijudaismus legte den Grundstein für den rassischen und völkermörderischen Antisemitismus, indem er nicht nur das Judentum, sondern die Juden selbst mit Schmach und Verachtung stigmatisierte. So fanden die Nazi-Theorien tragischer Weise einen fruchtbaren Boden, in den sie das Grauen eines beispiellosen Versuchs zum Völkermord einpflanzten. Ein Weg, die „Verbindung“ zwischen der christlichen Lehre des Antijudaismus (die zu antijüdischen Ressentiments führte) und dem Nazi-Antisemitismus zu behaupten, ist, dass das Erstere eine zu betrachtende „notwendige Ursache“ sei, um die Entwicklung und den Erfolg des Letzteren im zwanzigsten Jahrhundert zu erklären, aber nicht eine „ausreichende Ursache“. Um den Holocaust zu erklären, muss man die historische Rolle des christlichen Antijudaismus anerkennen. Aber der christliche Antijudaismus allein kann den Holocaust nicht erklären. Pseudo-wissenschaftliche Rassentheorien und spezifische historische, ideologische, wirtschaftliche und soziale Realitäten in Deutschland müssen auch in Betracht gezogen werden, um mit dem Verstehen zu beginnen, warum es dem Nationalsozialismus gelang, nahezu das gesamte intellektuelle und technologische System eines modernen Industriestaats für seine verquere Absicht zu mobilisieren, das Volk Gottes, die Juden, aus der Menschheitsgeschichte auszumerzen.

 

Schuld und Verantwortung

Es kann notwendig sein, den Studierenden zu erklären, dass sowohl der allgemeine Aufruf zur Buße vor Gott für die christlichen Sünden gegen die Juden, den der Heilige Vater während des Jubeljahr 2000 ausgesprochen hat, als auch der Aufruf von Wir erinnern zur fortwährenden Buße für diese Sünden für die meisten Christen eine Übernahme von Verantwortung für unsere gemeinsame christliche Vergangenheit bedeutet, nicht aber eine persönliche Schuld. Moralische Schuld – und es muss daran erinnert werden, dass der Antisemitismus eine sehr schwere Sünde ist und war – haftet nur dem Sünder an. Sie kann nicht an Dritte weitergegeben werden. Amerikaner kämpften in der Generation der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Europa, um sie zu besiegen, obwohl unsere Weigerung, mehr als eine Handvoll jüdischer Flüchtlinge ins Land zu lassen, uns Grund geben sollte, auch unser nationales Gewissen zu prüfen.[20] Auf jeden Fall haben diejenigen, die nach dem Krieg geboren wurden, keinen Grund, persönliche Schuld zu empfinden; aber die Glieder des einen Leibes Christi, der Kirche, haben allen Grund, Verantwortung zu übernehmen, um sicherzustellen, dass nichts dergleichen wieder geschehen kann.

Das Dokument des Heiligen Stuhls Erinnern und Versöhnen nimmt dieses Problem in einer gewissen Tiefe auf, indem es auf das den biblischen Schriftstellern eigene „klare Bewusstsein der Generationen übergreifenden Solidarität im Guten wie im Bösen (‚korporativen Persönlichkeit‘)“ als Vorbild für uns heute hinweist: „Auf diese Weise bete­ten die Juden nach dem Exil (vgl. auch Daniel 3,26-30; Bar 2,11-13), indem sie bewusst die Last der Sünden auf sich nah­men, die ihre Väter begangen hatten. Die Kirche ahmt ihr Beispiel nach und bittet um Vergebung für die ver­gangenen Sünden auch ihrer Söhne und Töchter“.[21]

Weiterhin sagt Wir erinnern gut, was gesagt werden muss: „Dies ist ein Ausdruck nicht bloßer Worte, sondern tatsächlich einer bindenden Verpflichtung… Wir wünschen, dass sich das Wissen um vergangene Sünden in einen festen Entschluss umwandelt, eine neue Zukunft zu bauen, in der es keinen Antijudaismus unter Christen… geben wird“.[22]

 

Anregungen für Lehrkurse über die Schoa

Der Kurs sollte bei seiner Entwicklung zum Auftrag der einzelnen katholischen Schule oder des einzelnen katholischen Programms passen. Kurse, die in katholischen Universitäten, theologischen Schulen und Seminaren angeboten werden, werden zum Beispiel die Studierenden und Dozenten mit komplexen theologischen Fragen über die Kirche als Ganzes und ihr Verständnis der Schrift, der Ekklesiologie und vor allem der Liturgie beschäftigen, während Kurse auf der elementaren Ebene sich vielleicht hilfreicher auf einzelne Erzählungen von Opfern und Rettern konzentrieren, um so die moralischen Implikationen zu betonen, um Schüler darauf vorzubereiten, moralisch verankerte Führer für morgen zu sein. Die Schoa zerstörte eine lebendige Kultur zusammen mit unzähligen Institutionen der höheren Bildung, vor allem des religiösen Lernens. Kurse, wie der Umriss unten empfiehlt, sollte auch etwas von der Geschichte des jüdischen Denkens, der Frömmigkeit und Kultur einbeziehen.

Viele Fachrichtungen sind für die Schoa-Erziehung maßgeblich, angefangen von der Geschichte, Psychologie und Soziologie zur Philosophie, Theologie und Kunst. Gruppenseminare und interdisziplinäre und interreligiöse (von einem katholischen und einem jüdischen Lehrer geführt) Zugänge haben viel für sich, um sie in einem bestimmten akademischen Kontext empfehlen.

Da es unmöglich ist, alle Aspekte der Schoa in einem Semester zu lehren, bedarf es Ziele, um Schwerpunkte zu setzen, die von den Ressourcen abhängen, die der Schule und Gemeinschaft zur Verfügung stehen. Zum Beispiel war in Washington, DC, die Erzdiözese in der Lage, die Expertise des US Holocaust Memorial Museums und der Anti-Diffamierungs-Liga in Anspruch zu nehmen, um ein jährliches Sommer-Programm zu entwickeln, das ab 1999 etwa 240 katholischen Sekundarschullehrer/innen aus verschiedenen Abteilungen in der Holocaust-Erziehung schulte. Einige Schulen und Schulsysteme wie die private Georgetown Grundschule im Distrikt von Columbia und die öffentlichen Schulen von New Jersey haben zyklische Lehrpläne entwickelt, in denen die nachfolgenden Jahre auf das Vorjahr aufbauen. Ein innovatives Bildungsprogramm „Mit Blick auf die Geschichte und uns selbst“ begann in Boston und wird nun in öffentlichen und kirchlichen Schulen im ganzen Land eingesetzt. Das Nationale katholische Zentrum für Holocaust-Erziehung am Seton Hill College in Greensburg, Pennsylvania, kann eine wesentliche Bezugsquelle für diözesane Programmgestaltung sein. Nachstehend folgt eine Liste einiger Themen, die in einem der Holocaust-Schulungsprogramme abgedeckt werden könnten:

 

(Vor-)Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen

1. Vorchristliche Antipathie gegen Juden.

2. Ursprung und Entwicklung der christlichen Lehre der Verachtung für die Juden und das Judentum und die päpstliche und kanonische Gesetzgebung, die dennoch den Juden einen legalen Platz in der christlichen Gesellschaft boten und oft versuchten, sie vor Ausbeutung durch zivile Führer zu schützen.

3. Geistige und intellektuelle Kreativität der nachneutestamentlichen jüdischen Geschichte (Talmud, Maimonides, Raschi, Mystik usw.) und ihre Beiträge zur westlichen Zivilisation.

4. Ausgrenzung und Dämonisierung von Juden in der Christenheit.

5. Rassischer Antisemitismus – unterschieden nach Theorie und Ideologie, aber geschichtlich und sozial mit dem christlich-theologischen Antijudaismus verbunden.

 

Allgemeine Voraussetzungen

1. Technologischer Wandel.

2. Wirtschaftliche und politische Instabilität.

3. Säkularisierte Gesellschaft (und das Schwächer-werden der christlichen moralischen Zügelungen bestimmter Maßnahmen).

 

Ereignisse der Schoa selbst

1. Grundlegende Geschichte, einschließlich der Zerstörung einer lebendigen Kultur.

2. Jüdische und nicht-jüdische Opfer des Nationalsozialismus.

3. Täter, Zuschauer, Nutznießer und Durchschnittsbürger – einige wurden durch ihre eigene Gleichgültigkeit dazu geführt, ihren Kopf von den Geschehnissen wegzuwenden, während andere durch ihre Furcht um ihre eigenen Familien dazu geführt wurden, schweigende Zuschauer zu sein.

4. Widerstandskämpfer und Retter.

5. Rollen und Reaktionen der katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen und wie sie sich von Land zu Land, von Region zu Region unterschieden.

6. Rollen und Reaktionen der verschiedenen christlichen internationalen Körperschaften bzw. Organe, vor allem des Heiligen Stuhls und des Ökumenischen Rats der Kirchen und anderer internationaler Organisationen wie das Rote Kreuz.

 

Nach der Schoa: Bemühungen um Antwort

1. Jüdische Antworten: theologische Herausforderungen, Staat Israel, Gestaltung des Gedenkens.

2. Christliche Antworten: z. B. das Zweite Vatikanische Konzil zwanzig Jahre nach dem Geschehen, wenn auch von einzelnen Protestanten und Katholiken Probleme etwa im Blick auf die Geschichte der „Lehre der Verachtung“ früher aufgeworfen wurden; Substitutions- bzw. Enterbungstheologie (Supersessionismus), Herausforderungen der internen theologischen Themen (z. B. Lehren über die christliche Liebe, den Wert des Lebens), theologische Methodik und christliche Gottesdienste (z.B. Gottes Huld währt ewig).

3. Moralische Auswirkungen auf unsere Welt: Reaktionen auf Völkermord, Vorurteil und Antisemitismus in ihren verschiedenen Formen einschließlich der internationalen Beziehungen.

4. Allgemeine Herausforderung unserer Vorstellungen der westlichen Zivilisation, freies Lernen, Wissenschaft und Berufe eingeschlossen.

5. Aufgebrochene Herausforderungen in der Erinnerung und Kanonisierung einzelner Personen aus der Zeit der Schoa , Fragen der Biographie und Hagiographie (z.B. Lichtenberg, Kolbe, Stein, Titus Brandsma).[23]

 

Pädagogische Fragen

 

Erlebnisorientierte Aspekte

Es ist von Vorteil, Filme und Zeugnisse (von Überlebenden, Rettern, Befreiern und Kindern von Überlebenden) zu nutzen wie auch Literatur, Internet-Ressourcen und /oder Museumsbesuche, um Studierende in ihren Studien affektiv zu erreichen. Es muss darauf geachtet werden, jüngere Schüler nicht bis zu dem Punkt zu erschrecken, dass sie desensibilisiert werden oder sich weigern, die Fragen zu verstehen. Eine Sensibilität für die Gefühle von Schuld oder Opfer-werden, die sich ergeben können, ist zwingend erforderlich.

 

Kontextuelle Fragen

1. Die Schoa sollte nicht der einzige Zusammenhang sein, in dem Juden und Judentum in einem Curriculum begegnen. Selbst innerhalb eines Schoa-Kurses sollten Juden und Judentum nicht nur als die Schoa-Opfer oder als vielhundertjährige Prügelknaben christlicher Verfolgungen vorkommen.

2. Die Schoa muss auch mit verschiedenen Kontexten der allgemeinen europäischen Geschichte, vor allem in Deutschland und Österreich, konfrontiert werden, aber auch aller anderen Ländern, in denen die Nazis tätig werden konnten. Die Unterschiede zwischen diesen Kontexten müssen näher gebracht werden.

 

Konstruktion von Erinnerung

1. Der Dozent/die Dozentin sollte sich des moralischen Imperativs bewusst sein, eine Erinnerung an die Schoa zu gestalten, die einen positiven Einfluss auf die moralische Bildung der Schüler ausübt. In einer katholischen Einrichtung sollten die Schüler/innen dazu kommen, zu akzeptieren und zu bedauern, dass die Täter, Zuschauer und die eingeschüchterte Mehrheit in Europa aus der christlichen Gemeinschaft kamen. In ähnlicher Weise sollten jüdische Schüler/innen dazu kommen, sich mit den Opfern zu identifizieren. Sowohl katholische als auch jüdische Schüler/innen sollten auch etwas über die positiveren Beziehungen zwischen Juden und Katholiken als Mit-Einwanderer in Amerika erfahren. Die Notwendigkeit, diese Erinnerung und Identifikation zu schaffen, sollte die Struktur des Kurses formen. Die Formung einer einfühlsamen Phantasie für die Erinnerungen und Empfindungen der anderen sollte ebenfalls verfolgt werden.

2. Die Schüler/innen bzw. Studierenden müssen sich darüber im Klaren sein, dass diese Formung von Erinnerung unterschiedlich ist und von dem Einfinden der Person in die Identifikation (positiv oder negativ) mit den an der Schoa beteiligten Menschen abhängt. Sie sollten sich bewusst sein, dass die Erinnerung der Schoa für Juden notwendigerweise eine radikal andere Erinnerung als jene der meisten Christen ist. Die unterschiedliche Stigmatisierung solcher Gruppen wie Polen und anderer Slawen, Sinti und Roma, Homosexuellen und körperlich oder geistig Behinderten hat auch einen Einfluss auf die Prägung von Erinnerung der einzelnen Schüler/innen oder Studierenden.

3. Während die Schoa in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Ereignis war, werden die Opfer der allzu zahlreichen anderen Fälle von Massenmord auf analytische Unterscheidungen stoßen, die im Verhältnis zu ihrer Leidenserfahrung trivial ist.

 

Jenseits der Kurse über die Schoa

Die Fragen der Schoa und der jüdisch-christlichen Beziehungen sind große Themen, welchen die meisten Studierenden nur als angebotenes Wahlfach in ihrem gesamten Studienprogramm begegnen werden. Doch ihre enorme Bedeutung erfordert ihre Integration, wo immer dies durch den katholischen Studienablauf hin möglich ist. Dies ist besonders, wenn auch nicht ausschließlich für Seminare und theologische Schulen wichtig. In biblischen Studien sollten zum Beispiel Kurse über die Bücher des gemeinsamen Testaments (Hebräische Bibel) eine Wertschätzung für die Tiefe und Dauer von Israels Erfahrung mit Gott und seinen inspirierten heiligen Texten vermitteln. Lehrveranstaltungen über das Neue Testament werden ihren Nutzen vom Ernstnehmen des Judeseins Jesu und der Apostel sowie der Evangelisten, von Paulus und anderen Autoren des Neuen Testaments haben. Prediger können dazu beitragen, dass künftige Predigten und katholische Texte sich durch eine redliche Auseinandersetzung mit dem antijüdischen Potenzial bestimmter Textabschnitte, insbesondere jener über die Kreuzigung, die Pharisäer, die Tora [Gesetz] und die Fortdauer des Bundes Israels verbessern.[24] Christologische Lehrveranstaltungen werden bereichert durch ein genaueres Nachdenken über die Komplexität des Judentums in der Spätantike als Kontext der Lehre Jesu und des Verständnisses der Tragweite des Christus-Ereignisses durch die frühe Kirche.

In Lehrveranstaltungen in patristischen Studien muss die weit verbreitete – und nun verworfene – Idee, dass das Christentum das Judentum in Gottes Heilsplan ersetzt oder „ablöst“, in Frage gestellt werden. Dabei ist es bemerkenswert: „Es ist zu Recht betont worden, dass von all den Dokumenten, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedet worden sind, jenes über die Juden [Nostra Aetate ] das einzige ist, das keinerlei Bezug zu einer der Lehren der Kirche enthält – sei es patristisch, konziliar oder päpstlich. Dies allein zeigt den revolutionären Charakter des Vorgangs“.[25] Lehrgänge über die Kirchengeschichte und europäische Geschichte werden davon profitieren, wenn sie vom Blickwinkel der stets an den Rand gedrängten jüdischen Gemeinschaft gelehrt wird, der einzigen religiösen Tradition in Europa, die bereits vor dem Christentum war und noch immer intakt und in Kontinuität mit der Vergangenheit existiert.

Homiletikkurse und Lehrgänge, welche dem Ritus der christlichen Initiation Erwachsener gewidmet sind, können die Beziehung zwischen den beiden Testamente der christlichen Bibel so erkunden, dass Präsentationen vermieden werden, die ausdrücklich oder fast unmerklich die Ablösungstheorie (Supersessionismus) fördern. Der Ethikunterricht kann die Situationen und Verhaltensweisen der Kirchen während der Schoa prüfen und aus der „doppelten Linse“ Nutzen ziehen, wie Christen und Juden über die Jahrhunderte die moralischen Gebote der Schriften, welche ihnen gemeinsam sind, unterschiedlich interpretiert haben.

Um die liturgische Erneuerung des zwanzigsten Jahrhunderts und die Ursprünge von vielem, das für die christliche Praxis zentral ist, zu verstehen, müssen die jüdischen Wurzeln unserer Gottesdienstformen verstanden sein. Lehrgänge der Spiritualität können die Schriften der jüdischen Kommentatoren und Mystiker behandeln.

Diese Fragen müssen in andere Teile des täglichen Lebens der katholischen Bildungseinrichtungen integriert werden – durch besondere Ereignisse wie Gedenkveranstaltungen zum Jom Haschoa (dem jüdische Tag des Gedenkens der Opfer des Holocaust), durch Filmvorführungen, Theater, Kunstausstellungen, Kolloquien und öffentliche Vorträge, gemeinsame Wallfahrten und Exerzitien mit jüdischen Geistlichen und Laien und durch Fakultäts- und Studentenaustausch wie das katholisch-jüdische Erziehungs-Austauschprogramm des Amerikanischen Jüdischen Komitees CJEEP.

 

 

Bibliographie der Quellen und Hilfsmittel

 

Historische Dokumentation und Lehren der Kirche

Blet, Pierre, Pius XII and the Second World War According the Archives of the Vatican, New York 1999. Überblick über die vom Heiligen Stuhl zugänglich gemachte Dokumentation und eine packende und geradezu Tag-für-Tag-Erzählung, wie auf die Ereignisse des Krieges und der Schoa reagiert wurde.

Blet, Pierre, Angelo Martini, und Burkhardt Schneiders (Hg.), Actes et documents du Saint Siège relatifs à la Seconde Guerre mondiale, Vatikanstadt 1965 bis1980. Elf Bände der Dokumentation.

Fisher, Eugene, Faith Without Prejudice: Rebuilding Christian Attitudes toward Judaism, New York 1993.

Fisher, Eugene und Leon Klenicki (Hg.), Spiritual Pilgrimage: John Paul II on Jews and Judaism, Texts and Documents 1979-1995, New York 1995.

Fisher, Eugene und Leon Klenicki, In Our Age: The Flowering of Jewish-Catholic Dialogue, New York 1990. Stellt Texte und Kommentar zu den Aussagen des Heiligen Stuhls von der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1965) bis 1986 zur Verfügung. Für Texte bis 1998 vgl.: Catholic-Jewish Relations: Documents from the Holy See, London 1999.

International Theological Commission of the Holy See, Memory and Reconciliation: The Church and the Faults of the Past, 8. März 2000, in: Origins 29:39 (16. März 2000) 625-644.

Secretariat for Ecumenical and Interreligious Affairs, National Conference of Catholic Bishops, Catholics Remember the Holocaust, Washington, D.C., 1998. Enthält Aussagen über die Schoa durch den Vatikan und Bischofskonferenzen in Europa und den Vereinigten Staaten.

 

Über Schoa-Erziehung

Garber, Zev und Richard Libowitz, Peace in Deed: Essays in Honor von HJ Cargas, Atlanta 1998.

Garber, Zev u.a. (Hg.), Methodology in the Academic Teaching of the Holocaust, Lanham 1999. Siebzehn Essays über Theorie und Methoden, Unterrichten anderer, Literatur und Kunst sowie Überblicke und Berichte.

Haynes, Stephen R., Holocaust Education and the Church-Related College: Restoring Ruptured Traditions, Westport 1997. Kritische Reflexion über den Stand der Holocaust-Erziehung in evangelischen Kontexten, ihre Mandate und Herausforderungen.

Millen, Rochelle L. u.a. (Hg.), New Perspectives on the Holocaust: A Guide for Teachers and Scholars, New York 1996. Fünfundzwanzig Essays über den Kontext des Holocaust, zu Fragen des Unterrichtens und der Lehrpläne und zu spirituellen und moralischen Fragen.

Napolitano, Daniel C., The Holocaust: A Teaching Guide for Catholic Schools, Washington, DC, 1999.

Shimoni, Gideon (Hg.), The Holocaust in University Teaching, New York 1991. Vier methodologische Artikel und sechsundzwanzig Lehrplanauszüge, stark gezeichnet von jüdischer Fakultät.

 

Die Schoa und religiöse Reflexion

Berenbaum, Michael, After Tragedy and Triumph: Modern Jewish Thought and the American Experience, New York 1990.

Ders., Elie Wiesel, God, the Holocaust, and the Children of Israel, West Orange, N.J. 1994.

Ders., The Vision of the Void: Theological Reflections on the Works of Elie Wiesel, Middletown 1979.

Ders. (Hg.), A Mosaic of Victims: Non-Jews Persecuted and Murdered by the Nazis, New York 1990.

Brenner, Robert Reev, . The Faith and Doubt of Holocaust Survivors, New York 1980.

Brown, Robert McAfee, Elie Wiesel, Messenger to All Humanity, Notre Dame, Ind., 1989.

Eckardt, A. Roy und Alice L. Eckardt, Long Night?s Journey into Day: Life and Faith After the Holocaust. Detroit, Detroit 1982.

Fiorenza, Elisabeth Schüssler und David Tracy (Hg.), The Holocaust as Interruption: A Quest for Christian Theology, Edinburgh 1984.

Fleischner, Eva (Hg.), Auschwitz: Beginning of a New Era?: Reflections on the Holocaust, New York 1977.

Garber, Zev, Shoah: The Paradigmatic Genocide, Lanham, Md., 1994.

Jacobs, Steven, The Holocaust Now: Contemporary Christian and Jewish Thought, East Rockaway, NY, 1996.

Littell, Franklin H., The Crucifixion of the Jews, New York 1975.

Ders. und Hubert G. Locke (Hg.), The German Church Struggle and the Holocaust, Detroit 1974.

Littel, Marcia Sachs und Sharon Weissman, Liturgies on the Holocaust: An Interfaith Anthology, Valley Forge, Pennsylvania, 1996.

Morley, John I., Vatican Diplomacy and the Jews During the Holocaust, 1939-1943, New York 1980.

Peck, Abraham J. (Hg.), Jews and Christians After the Holocaust, Philadelphia1982.

Rittner, Carol und John K. Roth, From the Unthinkable to the Unknowable: American Christian and Jewish Scholars Encounter the Holocaust, Westport, Conn, 1997.

Roth, John und Michael Berenbaum (Hg.), Holocaust: Religious and Philosophical Implications, New York 1989.

Schulweis, Harold M. „A Jewish Theology for Post-Holocaust Healing“, Midstream (August / September 1987) 44-46.

Wiesenthal, Simon, The Sunflower: On the Possibilities and Limits of Forgiveness, New York 1998.

 

Retter

Axelrod, Toby, Rescuers Defying the Nazis: Non-Jewish Teens Who Rescued Jews, New York 1999.

Bartoszewski, Wladyslaw und Zofia Lewin (Hg.), Righteous among Nations: How Poles Helped the Jews, 1939-1945, London 1969.

Fisher, Eugene J., „Faith in Humankind: Rescuers of Jews in the Holocaust“: Journal of Ecumenical Studies 21 (1984) 636-37.

Fogelman, Eva, Conscience and Courage: Rescuers of Jews during the Holocaust, New York 1994.

Friedman, Philip, Their Brothers' Keepers, New York 1978.

Gies, Miep, mit Alison Leslie Gold, Anne Frank Remembered: The Story of the Woman Who Helped to Hide the Frank Family, New York 1987.

Gushee, David P., The Righteous Gentiles of the Holocaust: A Christian Interpretation, Minneapolis, Minn. 1994.

Hallie, Philip, Lest Innocent Blood Be Shed: The Story of the Village of Le Chambon and How Goodness Happened There, New York 1979.

Hellman, Peter, Avenue of the Righteous, New York 1980.

Herzer, Ivo, Klaus Voigt und James Burgwyn (Hg.), The Italian Refuge: Rescue of Jews during the Holocaust, Washington, D.C. 1989.

Keneally, Thomas, Schindlers List, New York 1993.

Kurek-Lesik, Ewa, Your Life Is Worth Mine: How Polish Nuns Saved Jewish Children in Poland, 1939-1945, New York 1997.

Leboucher, Fernande, The Incredible Mission [of Father Benoit]. Übers. JF Bernard, Garden City, NJ 1969.

Lyman, Darryl, Holocaust Rescuers: Stories of Courage, Springfield, N.J. 1999.

Marchione, Margherita, Yours Is a Precious Witness: Memoirs of Jews and Catholics in Wartime Italy, New York 1997.

Michalczyk, John J. (Hg.), Resisters, Rescuers & Refugees: Historical and Ethical Issues, Kansas City, Mo. 1997.

Oliner, Samuel P. und Pearl M., The Altruistic Personality: Rescuers of Jews in Nazi Europe, New York 1992. Vorwort von Harold M. Schulweis.

Paldiel, Mordecai, The Path of Righteousness: Gentile Rescuers of Jews During the Holocaust, Hoboken, NJ 1993.

Phayer, Michael und Eva Fleischner, Cries in the Night: Women Who Challenged the Holocaust, Kansas City, Mo. 1997.

Ramati, Alexander, The Assisi Underground: The Priests Who Rescued Jews, New York 1978.

Rosenfeld, Harvey, Raoul Wallenberg. Rev. ed., New York 1995.

Schulweis, Harold M., „They Were Our Brothers' Keepers“, Moment 11:05 (Mai 1996) 47-50.

Stein, André, Quiet Heroes: True Stories of the Rescue of Jews by Christians in Nazi-Occupied Holland, New York 1988.

Tec, Nehama, When Light Pierced the Darkness: Christian Rescue of Jews in Nazi-Occupied Poland, New York 1986.

Ten Boom, Corrie, The Hiding Place, London 1971.

Wood, E. Thomas und Stanislaw M. Jankowski, Karski: One Man to Stop the Holocaust, New York 1994. Vorwort von Elie Wiesel.

Zuccotti, Susan, The Italians and the Holocaust: Persecution, Rescue, and Survival, New York 1987.

 

Ausgewählte Filme (Quellen in Klammern aufgeführten)

Zusätzlich zu der folgenden repräsentativen Liste können mehr Filmhinweise auf vielen Websites im nächsten Abschnitt gefunden werden.

The Assissi Underground. 115 Minuten. Farbe. MGM Home Entertainment, 1982. Videokassette. Die heimlichen Aktivitäten von Priestern und Nonnen, die Juden während der Nazi-Besetzung Italiens retteten (SSSS).

Au Revoir Les Enfants . 103 Minuten. S/W. Orion Home Video, 1989. Videokassette. Wahre Geschichte eines katholischen Schülers und seines jüdischen Freundes, der von einem Karmeliterpriester in Frankreich geschützt wurde. (SSSS).

The Courage to Care. 30 Minuten. Farbe. Anti-Diffamierungs-Liga, 1986. Videokassette. Sechs Personen, die bewusst ihr Leben riskierten, um Juden zu retten (ADL).

The Diary of Anne Frank. 151 Minuten. S/W. Twentieth-Century Fox, 1959. Videokassette. Anne Frank und ihre Familie versuchen, der Verfolgung durch die Nazis durch ein Versteck in einer Dachkammer für zwei Jahre zu entkommen (SSSS).

Holocaust. 7 Stunden und 30 Minuten. Farbe. Republic Pictures Home Video, 1978. Videokassetten (3). NBC-TV-Serien über das Leben von zwei Familien, die in Nazi-Deutschland während des Holocaust leben (SSSS).

Night and Fog. 32 Minuten. Farbe, S/W. Home Vision, 1955. Videokassette. Elie Wiesels Klassiker des Überlebens in den Vernichtungslagern (SSSS).

Weapons of the Spirit. 90 Minuten. Farbe. 1989. Videokassette. Die bewegende Geschichte eines kleinen protestantischen Dorfes in Frankreich, Le Chambon-sur-Lignon, das 5000 Juden unter der Nazi-Besatzung schützte. Fakultatives Studienführungs-Paket (SSSS).

 

Quellen

ADL = Anti-Defamation League, 823 United Nations Plaza, New York, NY 10017

SSSS = Social Studies School Service, 10200 Jefferson Boulevard, Raum J, PO Box 802, Culver City, CA 90232-0802

Websites
Wertvolle Ressourcen bzw. Hilfsmittel stehen zur Verfügung von: Mit Blick auf die Geschichte und uns selbst (einige sind mehr auf die High School ausgerichtet) und: United States Holocaust Memorial Museum, besonders ihr Teaching About the Holocaust: A Resource Book for Educators, ein Handbuch für Erzieher, das eine kommentierte Bibliographie und Videographie enthält. Vgl. ihre Websites.

 

U.S. Holocaust Memorial Museum

http://www.ushmm.gov

 

Jüdisch-christliche Beziehungen 

http://www.jcrelations.net/index.htm

Enthält zahlreiche nützliche Dokumente, Aufsätze und mit Anmerkungen versehenen Bibliographien.

 

Jad WaSchem Holocaust Museum in Jerusalem

http://www.yadvashem.org

 

Mischung aus Internet und Bibliothek zum Holocaust

http://www.remember.org

Bilder, Geschichten und anderes.*

 

Die Holocaust/Schoa-Seite

http://www.mtsu.edu/holocaust_studies/links.php

Glossar, Chronologie und Dokumente.

 

Vatikan: Der Heilige Stuhl

http://www.vatican.va

Die offizielle Vatikan-Website für die Dokumentation kirchlicher Vorgänge, Dokumente und Texte.

 

Nationale Konferenz der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten

http://www.nccbuscc.org

 

Amerikanisches Jüdisches Komitee (AJC)

http://www.ajc.org

 

Anti-Diffamierungs-Liga (ADL)

http://www.adl.org

 

Lehrer-Ressourcen-Zentrum zum Holocaust

http://www.holocaust-trc.org

 

Institut für Christliche und Jüdische Studien (ICJS)

http://www.icjs.org

 

Internationales Stockholm-Forum über den Holocaust

http://www.holocaustforum.gov.se/

 

Ökumenischer Rat der Kirchen

http://www.oikoumene.org/de/index?set_language=de

 

Nationales katholisches Zentrum für Holocaust-Erziehung

http://www.setonhill.edu/ncche/programs

 

Internationaler Dienst jüdisch-christlicher Dokumentation

http://www.notredamedesion.org/en/index.php

In Englisch und Französisch

 

Zentrum für Christlich-Jüdisches Lernen am Boston College

www.bc.edu/research/cjl/

 

*: Hier folgen im amerikanischen Original von 2001 einige Websites, die nicht mehr existieren und deshalb auch hier nicht aufgeführt sind (= Hinweis des Übersetzers).

 

Quelle:

http://www.usccb.org/beliefs-and-teachings/ecumenical-and-interreligious/jewish/upload/Catholic-Teaching-on-the-Shoah-Implementing-the-Holy-See-s-We-Remember-2001.pdf und http://www.bc.edu/content/dam/files/research_sites/cjl/texts/cjrelations/resources/documents/catholic/NCCB_Shoah_teaching.htm - Eigene Übersetzung.



[1] Ähnlich versuchte das Komitee für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz (BCEIA) die Erklärungen des Heiligen Stuhls von 1974 und 1985 mit der Erklärung der nationalen Konferenz der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten von Amerika (NCCB) über katholisch-jüdische Beziehungen von 1975 und unserer eigenen Erklärung „Kriterien für die Bewertung von Passionsspielen“ von 1988 (Washington, DC: Nationale Konferenz der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten) für die Ortskirche umzusetzen. Weiter zog das Komitee für die Liturgie liturgische Konsequenzen in seinem Dokument „Gottes Huld währt ewig: Richtlinien für die Darstellung von Juden und Judentum in der katholischen Predigt“ (Washington, DC: Nationale Konferenz der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten, 1989). Die Erklärung des Heiligen Stuhls von 1998 „Wir erinnern“ ist gemeinsam mit Aussagen europäischer Bischofskonferenzen und der US-Bischofskonferenz enthalten in: „Catholics Remember the Holocaust“ (Washington, DC: Nationale Konferenz der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten, 1998). In „Wir erinnern“ verwendet der Heilige Stuhl mit Bedacht das hebräische Wort Schoa, um den Holocaust zu beschreiben. Obwohl das Leiden vieler anderer Opfer des Nationalsozialismus wie das der Roma (Zigeuner) und Polen nicht herabzumindern ist, bewahrt dieser Begriff einen zentralen Blick auf die zentrale Opfergruppe des Nationalsozialismus, das Volk Gottes, die Juden. Die vorliegende Reflexion folgt diesem Präzedenzfall. (Die genannten Texte finden sich in deutscher Übersetzung in den Dokumentationen: Rolf Rendtorff/Hans Hermann Henrix [Hg.], Die Kirchen und das Judentum. Band I: Dokumente von 1945 bis 1985, Paderborn/Gütersloh 20013 und: Hans Hermann Henrix/Wolfgang Kraus [Hg.], Die Kirchen und das Judentum. Band II: Dokumente von 1986 bis 2000, Paderborn/Gütersloh 2001 = Hinweis des Übersetzers).

[2] Johannes Paul II., Ansprache an die Vertreter der jüdischen Gemeinschaft Australiens am 26. November, 1986. Diese und andere päpstliche Texte über Juden und Judentum zwischen 1979 und 1995 können mit Einleitung und Kommentar gefunden werden in: Johannes Paul II., Spiritual Pilgrimage: Texts on Jews and Judaism, hg. von Eugene Fisher und Leon Klenicki, New York 1995 (Die entsprechenden deutschen Dokumentationen sind: Rendtorff/Henrix und Henrix /Kraus = Hinweis des Übersetzers).

[3] Johannes Paul II, Ansprache an das Kolloquium über die Wurzeln des Antijudaismus im christlichen Bereich am 31. Oktober 1997, in: L’Osservatore Romano 6:1 (November 6, 1997) (in: Rendtorff/Henrix, 107-109 = Hinweis des Übersetzers).

[4] Wir erinnern, Teil V, in: Catholics Remember the Holocaust, S. 54 (in: Henrix/Kraus, 118 = Hinweis des Übersetzers). Zur Unterscheidung von Antijudaismus und Antisemitismus siehe Teil 4.

[5] Ebenda, S. 55 (in: Henrix/Kraus, 119 = Hinweis des Übersetzers).

[6] Die Vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Juden hat in einem Dokument von 1985 das Folgende zur katholischen Lehre über das Judentum ausgeführt: „Dass es dringend und wichtig ist, unsere Gläubigen genau, objektiv und in strengem Streben nach Richtigkeit über das Judentum zu unterrichten, ergibt sich auch aus der Gefahr eines Antisemitismus, der stets daran ist, unter verschiedenen Gesichtern wieder zu erscheinen. Es geht nicht nur darum, in unseren Gläubigen die Reste von Antisemitismus, die man noch hie und da findet, auszurotten, sondern viel eher darum, mit allen erzieherischen Mitteln in ihnen eine richtige Kenntnis des völlig einzigartigen ‚Bandes‘ (vgl. Nostra Aetate, 4) zu erwecken, das uns als Kirche an die Juden und Judentum bindet“: Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und Katechese der katholischen Kirche (24. Juni 1985), Teil I, Nr. 8, in: Catholic Jewish Relations: Documents from the Holy See, London 1999 (in: Rendtorff/Henrix, 95 = Hinweis des Übersetzers).

[7] Vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Juden, Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung „Nostra aetate“, Artikel 4 (1. Dezember 1974), Einleitung, in:

Catholic Jewish Relations, 8 (in: Rendtorff/Henrix, 49 = Hinweis des Übersetzers).

[8] Johannes Paul II., Ansprache beim Besuch der großen Synagoge Roms (13. April 1986), Nr. 6, in: Spiritual Pilgrimage, S. 65 (in: Rendtorff/Henrix, 110f. = Hinweis des Übersetzers)..

[9] In der Ansprache an die Repräsentanz der jüdischen Gemeinschaft Polens in Warschau vom 14. Juni 1987 hat der Heilige Vater seine Vision des fortwährenden jüdischen Zeugnisses auf die Schoa selbst bezogen: „Heute… wurden Sie zu einer lauten, warnenden Stimme für die ganze Menschheit… Mehr als irgendjemand sonst sind Sie es, die zu dieser rettenden Warnung wurden. In diesem Sinne setzen Sie eine besondere Berufung fort und erweisen sich immer noch als die Erben jener Auserwählung, der Gott treu ist. Dies ist Ihre Sendung in der Welt von heute, vor den Völkern, den Nationen, der ganzen Menschheit, der Kirche. Und in dieser Kirche fühlen alle Völker und Nationen sich mit Ihnen in dieser Sendung verbunden“, in Spiritual Pilgrimage, S. 99 (in: Henrix/Kraus, 25 = Hinweis des Übersetzers).

[10] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben „Tertio Millenio Adveniente” vom 10. November 1994, Nr. 33 (Washington, DC: Nationale Konferenz der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten, 1994) (in: Henrix/Kraus, 95 = Hinweis des Übersetzers).

[11] Wir erinnern, Teil 2, in: Catholics Remember the Holocaust, S.49 (in: Henrix/Kraus, 112f. = Hinweis des Übersetzers).

[12] „Wir würden Gefahr laufen, aufs neue Opfer grausamster Tode sterben zu lassen, wenn wir nicht leidenschaftlich nach der Gerechtigkeit verlangen und wenn wir uns nicht dafür einsetzen würden, jeder nach seinen eigenen Fähigkeiten, dass nicht das Böse die Vorherrschaft gewinne über das Gute, wie es Millionen von Söhnen und Töchtern des jüdischen Volkes gegenüber geschehen ist. (...) Die Menschheit darf nicht zulassen, dass das alles wieder geschieht“: Wir erinnern, Teil V, Johannes Paul II. zitierend, in: Catholics Remember the Holocaust, S.55 (in: Henrix/Kraus, 118 = Hinweis des Übersetzers).

[13] Catholics Remember the Holocaust, S. 2.

[14] Der Text von Kardinal Cassidy „Reflexionen im Blick auf das Vatikanische Dokument über die Schoa“ wurde ursprünglich publiziert in: Origins 28 (1998) 28ff. und ist enthalten in: Catholics Remember the Holocaust, S. 61-76.

[15] Internationale Theologische Kommission, Erinnern und Versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit (7. März 2000), in: Origins 29 (2000) 625-644 (in: Henrix/Kraus, 131-151 [Auszug] = Hinweis des Übersetzers).

[16] Ebenda, Nr. 3.3.

[17] Ebenda.

[18] Wir erinnern, Teil V, in: Catholics Remember the Holocaust, S. 54 (in: Henrix/Kraus, 118 = Hinweis des Übersetzers). Siehe auch Erinnern und Versöhnen, Nr. 3.4 und 5.4.

[19] Es sollte beachtet werden, dass Juden nie aus Italien vertrieben wurden, wo die päpstliche Autorität die Tradition des Schutzes der Juden fortsetzte. Ebenso fanden viele Juden Zuflucht in Osteuropa, besonders in Polen, das sich bis zum 20. Jahrhundert der größten jüdischen Gemeinschaft in der Welt erfreute.

[20] Vgl. Erzbischof Oscar Lipscomb (Vorsitzender des Komitees für Ökumenische und Interreligiöse Angelegenheiten der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten/BCEIA), Commemorating the [50th

Anniversary of the] Liberation of Auschwitz”, in Catholics Remember the Holocaust, S. 16-20

[21] Erinnern und Versöhnen, Nr. 2.1 (in: Henrix/Kraus, 139f. = Hinweis des Übersetzers).

[22] Wir erinnern, Teil V, in Catholics Remember the Holocaust, S. 54 (in: Henrix/Kraus, 118 = Hinweis des Übersetzers).

[23] Vgl. Kardinal William H. Keeler, Lernlektionen von katholischen Rettern, in: Catholics Remember the Holocaust, S. 29-30.

[24] Vgl. Gottes Huld währt ewig.

[25] Gerhart M. Riegner, Nostra Aetate: Twenty Years After, in: International Catholic-Jewish Liaison Committee Hg.), Fifteen Years of Catholic-Jewish Dialogue, 1970-1985: Selected Papers, Vatikanstadt 1988, S. 276.

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