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Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen. Eine Handreichung. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage

Die deutschen Bischöfe am 24. Juni 2008

 

Für den interreligiösen Dialog nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wirkte die Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ wie eine „Programmschrift“, wie Kardinal Karl Lehmann einmal formulierte. Wichtige Ereignisse wie das Friedensgebet von Assisi 1986 und die Erschütterung durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Dringlichkeit interreligiöser Kontakte und Beziehungspflege unterstrichen. Kirchliche Stimmen haben für den interreligiösen Austausch vielfach eine doppelte Voraussetzung reklamiert: die Überzeugung vom Wahrheitsanspruch des eigenen Glaubens einerseits und die Bereitschaft zur Hinwendung und Öffnung zum Dialog mit anderen Religionen andererseits. Diese doppelte Voraussetzung gilt besonders für multireligiöse Feiern, die im Zusammenhang der intensiveren Begegnung der großen Weltreligionen auch in deutschen Gemeinden und Städten zunehmend begangen wurden. Die deutschen Bischöfe haben ihre Einschätzung solcher Zusammenkünfte mit Gebet mit dem Anliegen einer sorgfältigen Vorbereitung und Begleitung verbunden. Dazu veröffentlichten sie 2003 „Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen“. Fünf Jahre später verabschiedeten sie eine zweite Auflage unter geänderter Überschrift: „Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen“. In dieser neuen Überschrift deuten sich Präzisierungen und Aktualisierungen der neuen Auflage an. Die Beziehungen zwischen Christen und Juden und die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen werden in ihren jeweiligen Ausprägungen und Unterschieden bedacht. Dabei spricht die Handreichung davon, dass „die Begegnung von Christen und Juden von einem unvergleichlichen theologischen Rang“ sei. Die Ausprägungen und Unterschiede ergeben für die Sicht des Gebets bei interreligiösen Treffen unterschiedliche Akzentuierungen. Die so entstandene Handreichung enthält eine sehr umsichtige Skizze der Geschichte der Beziehungen und eine theologische Grundierung sowie konkrete Hinweise für interreligiöse Begegnungen, aber auch einen umfangreichen Anhang mit gewichtigen Dokumenten und Gebeten. Damit ist sie besonders beispielhaft, weshalb sie hier ungekürzt dokumentiert wird.


Inhaltsverzeichnis


Geleitwort


I. EINLEITUNG


II. ZUR SITUATION

   1. Zur Beziehung zwischen Christen und Juden
   2. Zur Beziehung zwischen Christen und Muslimen


III. THEOLOGISCHE GRUNDLAGEN

   1. Zum Dialog als Auftrag der Kirche
   2. Hinweise zum Begriff und zur Praxis des Gebets in Judentum, Christentum und Islam
      2.1 Jüdisches Beten
      2.2 Christliches Beten
      2.3 Muslimisches Beten
   3. Einander im Gebet begegnen
      3.1 Christen und Juden
      3.2 Christen und Muslime
      3.3 Religiöse Begegnungen von Christen, Juden und Muslimen


IV. HINWEISE FÜR DIE DURCHFÜHRUNG VON RELIGIÖSEN BEGEGNUNGEN VON CHRISTEN, JUDEN UND MUSLIMEN

   1. Anlässe und Partner
   2. Zeit und Ort
   3. Vorbereitung
   4. Formen und Elemente


V. SCHLUSSWORT


VI. ANHANG

   1. Der Weltgebetstag der Religionen für den Frieden 1986 von Assisi als Modell religiöser Begegnungen
   2. Stimmen zum Thema
      2.1 Zweites Vatikanisches Konzil
      2.2 Papst Johannes Paul II.
      2.3 Papst Benedikt XVI.
   3. Eine Auswahl christlicher Gebete
   4. Quellen
      4.1 Allgemeine Quellen
      4.2 Enzykliken und Apostolische Schreiben
      4.3 Papst Johannes Paul II. – Ansprachen
      4.4 Papst Benedikt XVI. – Ansprachen
      4.5 Dokumente römischer Kongregationen, Kommissionen und Räte
      4.6 Dokumente aus dem Bereich der Deutschen Bischofskonferenz
      4.7 Dokumente der Evangelischen Kirche /Ökumenische Dokumente
   5. Literatur
   6. Abkürzungsverzeichnis

 

 

Geleitwort

Im Jahr 2003 haben die deutschen Bischöfe erstmals „Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen“ als Handreichung für die Praxis publiziert.

Die Handreichung verdankte sich nicht zuletzt der Tatsache, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten, besonders nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, der interreligiöse Dialog intensiver in der Theologie und in der kirchlichen und säkularen Öffentlichkeit erörtert und gefordert worden ist. Die Erklärung des Konzils über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra aetate“ (NA) ist dafür gleichsam eine Programmschrift geworden. Papst Johannes Paul II. hat nicht erst seit dem berühmten Friedensgebet in Assisi im Jahr 1986, sondern in seiner gesamten Verkündigung dem interreligiösen Dialog große Bedeutung eingeräumt. Die erschütternden Ereignisse am 11. September 2001 in New York und Washington haben auf ganz andere Weise nochmals die Dringlichkeit dieses Dialogs deutlich gemacht.

Im Hinblick auf die Ausrichtung des interreligiösen Dialogs ist eine Unterscheidung der Geister notwendig. Denn nicht selten wurde der interreligiöse Dialog von einem falschen Ausgangspunkt her angegangen. Zwar kann jede Begegnung und jedes Gespräch nur dann gelingen, wenn es zwischen den Partnern eine ebenbürtige Anerkennung im Sinne des klassischen Grundsatzes „par cum pari loquitur“ („ein Gleicher redet mit einem Gleichen“) gibt, aber dies bedeutet nicht eine Gleichschaltung und Gleichwertigkeit der Religionen untereinander. Dies wäre ein falsches Verständnis von Toleranz und Religionsfreiheit.

Vielmehr muss die Überzeugung vom Wahrheitsanspruch des eigenen Glaubens mit der Bereitschaft und Öffnung zum Dialog mit den anderen Religionen einhergehen. Dies wird heute in den Versuchen zum interreligiösen Dialog oft verwischt. Papst Johannes Paul II. gab hier eine vorbildliche Orientierung, weil er in seiner Person das Bekenntnis und die Treue zum Glauben der Kirche mit der von ihm vielfach bezeugten Bereitschaft zum interreligiösen Dialog eindrucksvoll und unmissverständlich verband.

Seit der ersten Auflage der Handreichung sind mehr als fünf Jahre vergangen und es konnten vielfältige Erfahrungen gesammelt werden. Diese zeigen, dass wir in Deutschland vielerorts im Blick auf Glaubensfragen und Fragen der Religionsausübung einerseits einander näher gekommen sind, andererseits aber der Wunsch nach Selbstvergewisserung, Identitätsstärkung und so auch Verstehen von religiösen Unterschieden eine neue Bedeutung erhalten hat. Auch weltweit ist eine neue Phase des interreligiösen Dialogs angebrochen, wenn man beispielsweise an die Kontakte zwischen Papst Benedikt XVI. und Vertretern des Islam denkt und wie religiöse Fragen im Kontext unserer modernen Gesellschaften öffentlich diskutiert werden.

Unter Berücksichtigung der aktuellen Diskussion zum interreligiösen Dialog und der Erfahrungen der letzten Jahre haben wir in der hier vorliegenden zweiten Auflage unserer Handreichung sowohl einige Präzisierungen als auch Aktualisierungen vorgenommen. In der Neuauflage wurden Erläuterungen zu den verschiedenen Vorstellungen von Gebet eingefügt; präzisiert wurden einzelne Begriffe, um sie vor Missverständnissen zu schützen. Dadurch sollen die Beziehungen zwischen Christen und Juden einerseits und die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen andererseits in ihren jeweiligen Ausprägungen und Unterschieden im Rahmen und in den Grenzen dieser Handreichung noch genauer erfasst werden. Auch soll den in der Praxis Tätigen klar vor Augen gestellt werden, dass wir nur in wirklichem Respekt voreinander und in Kenntnis der Verschiedenheiten im Beisein des Anderen beten können.

Religiöse Praxis übt man in der Regel zusammen mit Angehörigen der eigenen Religion aus. Bisweilen kann ein Angehöriger einer anderen Religion bei religiösen Zeremonien als Gast anwesend sein. In Einrichtungen, in denen Menschen verschiedener Religionen miteinander arbeiten und lernen, also einen längeren Zeitraum miteinander verbringen, kann es aber auch besondere Anlässe geben, in denen es sinnvoll ist, im Beisein des Anderen Gott anzurufen. So richtet sich die zweite Auflage dieser Arbeitshilfe erneut an die in der Praxis von Gemeinden, Schulen, Verbänden, Krankenhäusern usw. Verantwortlichen, um ihnen einen Rahmen für religiöse Begegnungen an die Hand zu geben.

An der Überarbeitung waren alle Organe der Deutschen Bischofskonferenz mehrfach beteiligt, die Vollversammlung, der Ständige Rat, Kommissionen und Unterkommissionen. Die abschließende Überarbeitung geschah in der Verantwortung der Glaubenskommission, die alle Vorschläge in die Endredaktion einbezog. Der Ständige Rat verabschiedete den Text am 24. Juni 2008. Ich danke allen Beteiligten.

Ich wünsche der Neuauflage dieser Handreichung mit ihren vielfältigen Empfehlungen, Anregungen und Hilfen eine freundliche und wohlwollende Aufnahme.

Freiburg / Bonn, im Juni 2008

 

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

 

 

I. Einleitung

Immer mehr kommen in Städten und Gemeinden die großen Weltreligionen und ihre Kulturen miteinander in Berührung. Die Erfahrung mit einer multireligiös zusammengesetzten Gesellschaft wird so auch in Deutschland deutlicher spürbar. Eine solche Erfahrung kann zu Ängsten und Vorurteilen mit massiver Fremdenfeindlichkeit führen, sie kann aber auch für Christen wie für Vertreter anderer Religionen die Chance bedeuten, nicht nur auf das unterscheidend Christliche neu aufmerksam zu werden, sondern gleichzeitig auch verbindende Aspekte zu entdecken, welche bisher durch geschichtliche Kontroversen und die aus ihnen stammenden Feindbilder verborgen geblieben sind.

Diese Leitlinien befassen sich mit Fragen, die sich im Zusammenhang mit Zusammenkünften von Juden, Christen und Muslimen stellen, wenn diese nicht nur die Begegnung miteinander, sondern auch die Begegnung mit Gott im Gebet zum Inhalt haben. Solche Zusammenkünfte gehören in den größeren Zusammenhang des „interreligiösen Dialogs“[1] und bedürfen sorgfältiger Vorbereitung und Begleitung.

Hierfür wollen die Leitlinien eine pastorale Orientierungshilfe sein, ohne dabei den Anspruch zu erheben, die komplizierten Fragen, die in diesem Zusammenhang auftauchen, vollständig zu beantworten. Die Ausführungen sollen dazu dienen, den Pfarrern, Pfarrgemeinderäten, Lehrerinnen und Lehrern und engagierten Gläubigen die Chancen, Schwierigkeiten und Grenzen, aber auch die Notwendigkeit einer gründlichen Vorbereitung zu verdeutlichen. Im Anhang ist auf weiterführende kirchliche Stellungnahmen und Literatur verwiesen.

Die Frage nach den Formen des interreligiösen Dialogs stellt sich für alle Christen. Deshalb empfiehlt sich bei der Planung und Durchführung von religiösen Begegnungen mit Nichtchristen eine ökumenische Zusammenarbeit der Christen aller Konfessionen, möglichst unter Beteiligung der zuständigen kirchlichen Amtsträger.

 

 

II. Zur Situation

Um die heutige Situation beim Umgang der Christen mit Juden und Muslimen richtig einschätzen zu können, ist ein Blick in die Geschichte unerlässlich. Dazu gehört das Wissen um positive Ansätze, aber auch die Wahrnehmung der Last des Versagens. Die Kirche ist sich bewusst, dass es von ihrer Seite her einer „Reinigung des Gedächtnisses“ von allen Denk- und Handlungsweisen bedarf, die Gegenzeugnisse zum christlichen Glauben und Skandale für andere Religionen darstellen, damit eine versöhnliche Ausgestaltung der Beziehungen möglich wird.[2] Papst Johannes Paul II. hat am 1. Fastensonntag 2000 ein Beispiel gegeben und im Schuldbekenntnis zum Ausdruck gebracht, dass Christen „die Rechte von Stämmen und Völkern verletzt und ihre Kulturen und religiösen Traditionen verachtet“[3] haben.

Die Gunst der Stunde bietet eine bisher in der Geschichte wohl noch nie da gewesene Chance der Begegnung, für welche die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Türen weit geöffnet hat. Die katholische Kirche möchte „einen aufrichtigen und fruchtbringenden interreligiösen Dialog mit den Mitgliedern der jüdischen Glaubensgemeinschaft und den Anhängern des Islam führen ... Was er von uns allen fordert ist, dass wir an unserem eigenen Glauben festhalten, dabei aber respektvoll einander zuhören, alles Gute und Heilige in den Lehren der anderen zu erkennen suchen und gemeinsam alle Initiativen zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses und Friedens unterstützen.“[4] Es geht nun darum, diese Chance unter nüchterner Einschätzung aller entgegenstehenden Schwierigkeiten hoffnungsvoll zu nutzen.

 

1. Zur Beziehung zwischen Christen und Juden

Christen stehen von Gott her in einer einzigartigen Beziehung zu den Juden, die für sie nicht Angehörige einer anderen Religion sind, da sie mit Gott in einem ungekündigten Bund stehen, der auch für uns Christen unaufgebbare Basis unseres Glaubens bleibt. Die Bibel Israels wurde für die Kirche in weitgehender Übereinstimmung zum ersten Teil ihrer zweigeteilten Bibel, dem „Alten“ Testament. So sehen Juden und Christen in denselben heiligen Büchern Gottes Wort. Der geschichtliche Weg Israels gehört zur christlichen Geschichte mit Gott. Die Christen sind und bleiben nach Paulus Zweige des „wilden Ölbaums“, die auf den edlen Ölbaum aufgepfropft worden sind, um durch ihn Anteil an der Kraft der Wurzel, d. h. an Abraham und den Verheißungen für Israel, zu erhalten (vgl. Röm 11,17). Das Zweite Vatikanische Konzil sagt von der einzigartigen Beziehung zu den Juden: „Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Israels geistlich verbunden ist.“[5]

In der Frühzeit war die Kirche eine geschwisterliche Gemeinschaft aller Christen, ob sie aus dem Judentum oder dem Heidentum kamen. Vor allem für die Judenchristen war es selbstverständlich, am jüdischen Gottesdienst teilzunehmen. Bereits nach der Kreuzigung Jesu aber gab es Auseinandersetzungen zwischen Verantwortlichen des jüdischen Volkes und den christlichen Gemeinden. Dabei kam es auch zu Verfolgungen von Christen durch Juden. Als die Mehrheit des jüdischen Volkes Jesus nicht als den Christus anerkannte und sich von der Kirche distanzierte, nahm die Konfrontation zu. Dies hat Spuren im Neuen Testament hinterlassen.

Seitdem traten negative Aspekte der Beziehung immer stärker hervor[6]. Als die Verfolgungen aufhörten, die die Christen unter mehreren römischen Kaisern erlitten, blieben auch dem Judentum zunächst seine Privilegien garantiert. Doch führten von der Polemik gegen Juden beeinflusste Auslegungen des Neuen Testaments und ihre Auswirkungen auf Verkündigung und Liturgie zunehmend zu Feindseligkeiten.[7] Zwar war das Zusammenleben von Christen und Juden bis ins frühe Mittelalter nicht ohne Spannungen, blieb aber insgesamt friedlich. Die entscheidende Konfrontation brachten erst die Kreuzzüge. Trotz des Schutzes durch weltliche und geistliche Autoritäten wurde die Vorstellung vom „Volk der Gottesmörder“ immer wieder Motiv für Vertreibungen und andere gewaltsame Übergriffe.

Im Mittelalter wurden die Mauern zwischen Judentum und Christentum immer höher und abweisender. Und doch gab es auch Austausch, Kommunikation und eine konstruktive wechselseitige Einflussnahme zwischen ihnen. Hier kann man etwa auf Nikolaus von Kues und seine Rede von der docta ignorantia, der gelehrten Unwissenheit, verweisen, in der er sich explizit auf jüdisches Denken bezieht. Als weitere Beispiele können Gilbert Crispin (1046–1117) mit seiner Schrift „Disputatio eines Juden und Christen“ oder Hugo von St. Victor († 1141) gelten. Über einen längeren geschichtlichen Zeitraum ist mit wechselseitigen Beeinflussungen zur Liturgieentwicklung in Synagoge und Kirche zu rechnen. Auch hat sich die jüdische Einschätzung des Christentums gewandelt. Galt das Christentum den Rabbinen der talmudischen Zeit als „Götzendienst“, so sprechen die rabbinischen Autoritäten des Mittelalters vom Christentum als „Beigesellung, Verbindung“. Es gab also im Mittelalter Situationen und Regionen, in denen Christen und Juden einen Austausch miteinander pflegten und friedlich nebeneinander lebten, neben solchen, in denen Angehörige des jüdischen Volkes Vertreibungen und anderen gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt waren.

Weil die Juden an ihren religiösen Traditionen und ihrem Brauchtum festhielten, begegnete man ihnen mit ständigem Argwohn und Misstrauen. In Krisenzeiten, wenn Hungersnöte, Kriege, Seuchen oder soziale Spannungen auftraten, wurde die jüdische Minderheit vielerorts immer wieder zum Sündenbock und zum Opfer von Gewalt, Plünderungen und Pogromen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden Juden in weiten Teilen der christlichen Welt und auch außerhalb derselben unterdrückt und benachteiligt.

Der rassistische Antisemitismus, der seit dem 19. Jahrhundert oft unter dem Deckmantel der Wissenschaft auftrat, wirkte mit, dass auch nach der Verbesserung der rechtlichen Situation die Vorurteile nicht aufhörten. Unter dem Einfluss eines extremen Nationalismus warf man der jüdischen Minderheit einen übergroßen kulturellen und wirtschaftlichen Einfluss vor. So entstand in vielen Teilen Europas ein soziologisch und politisch begründeter Antisemitismus. Andererseits haben jüdische Denker wie Franz Rosenzweig (1868–1929) und Martin Buber (1878–1965), wie vor ihnen schon u. a. Moses Mendelssohn (1729–1786), eine hoffnungsvolle Begegnung zwischen Juden und Christen angebahnt.

Im Deutschland des 20. Jahrhunderts erreichte die Judenfeindlichkeit ihren schrecklichen Höhepunkt. Der Nationalsozialismus konnte nach der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg und infolge der Erschütterungen durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise die Macht ergreifen und seine vielfach gestützte Rassenideologie hemmungslos in der Vertreibung, Verfolgung und Ermordung von Millionen europäischer Juden durchsetzen. Obwohl die Shoah vor allem das Werk eines typisch modernen neuheidnischen Regimes war, das auch das Christentum bedrohte und verfolgte, wirkten die antijüdischen Vorurteile bei nicht wenigen Christen nach und waren Mitursache für ihre Passivität. Öffentlichen Widerstand wagten nur einzelne Christen. Die Ermordung und Vertreibung des größten Teils der europäischen Juden, denen Europa so viel verdankt, hat einen unersetzlichen Verlust zur Folge gehabt.

Die Erklärung „Nostra aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils legte den Grund für eine neue Beziehung, wenn sie sagt: „Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche ... nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen die Juden gerichtet haben.“[8] Seitdem sind die Voraussetzungen für einen Neuanfang gemacht. Wenn der Dialog auch von der Erinnerung an die Shoah geprägt bleibt, darf sich der Blick nun auf die gemeinsame Zukunft richten. Es geht darum, dass die Christen angesichts des gemeinsamen geistlichen Erbes die Juden und Jüdinnen wirklich als „unsere älteren Brüder (und Schwestern)“[9] sehen.

Aus grundsätzlicher Glaubensüberzeugung wie auch aus der Erfahrung der Shoah ergibt sich für Christen die verbindliche Verpflichtung, eine neue Zukunft aufzubauen, in der es „keinen Antijudaismus unter Christen oder antichristliche Ressentiments unter den Juden mehr geben wird, sondern vielmehr eine gegenseitige Achtung, wie sie jenen zukommt, die den einen Schöpfer und Herrn anbeten und einen gemeinsamen Vater im Glauben haben, Abraham“[10].

Ansätze zu einem neuen Verhältnis sind in den vielen Begegnungen von Christen und Juden der letzten Jahrzehnte in Deutschland deutlich zu spüren und schenken Hoffnung. Es besteht Grund zur Dankbarkeit, dass die Zahl jüdischer Gemeinden in Deutschland durch den Zuzug aus osteuropäischen Ländern gewachsen ist. So haben Christen wieder eher die Möglichkeit, mit Juden zusammenzuleben, das gemeinsame Erbe zu entdecken, es immer tiefer zu verstehen und in gemeinsamen religiösen Feiern vor den Gott Abrahams zu treten, der für Christen auch der Gott und Vater Jesu Christi ist.

 

2. Zur Beziehung zwischen Christen und Muslimen

Die Christenheit in Europa blickt auf eine lange Geschichte ihrer Beziehungen zum Islam zurück. Kontakte zwischen Muslimen und Christen gab es seit dem Auftreten Muhammads, des Propheten des Islam (ca. 570–632 n. Chr.), der selbst Beziehungen zu Christen hatte. Mit dem wachsenden Erfolg des Islam nach der Auswanderung nach Medina (622 n. Chr.) grenzte er sich immer mehr von Judentum und Christentum ab. Während die islamische Gemeinschaft in Mekka noch nach Norden in Richtung Jerusalem betete, veränderte sie jedoch in Medina die Gebetsrichtung nach Süden, in Hinwendung nach Mekka – ein sinnenfälliges Zeichen für diese Umorientierung.

Der Kern der Lehre des Islam ist die Einzigkeit des einen Gottes, dessen letzter Prophet für die ganze Menschheit Muhammad ist. Im Koran hat Gott für alle Menschen sein ewiges Wort endgültig zum verbindlichen „Buch“ werden lassen. Der Islam reiht „Jesus, den Sohn Mariens“, als vorletztes Glied in die Reihe der koranischen Propheten ein. Diese Reihe beginnt mit Adam und wird durch Muhammad, „das Siegel der Propheten“ ein für alle Mal abgeschlossen. Trotz der Betonung der besonderen Nähe der Muslime zu den Christen erhebt der Islam bis zum heutigen Tag gegen das Christentum den Vorwurf der Schriftverfälschung und des Tritheismus, den er als Blasphemie qualifiziert. Er weist den Wahrheitsanspruch der christlichen Offenbarung und zentrale Aussagen des christlichen Glaubens zurück, denn in seiner Sicht widersprechen sie dem reinen Monotheismus des Korans.

Nach der Eroberung der alten christlichen Gebiete im Orient einschließlich des Heiligen Landes und in Nordafrika haben Christen in diesen Regionen am Anfang sowohl Zeiten der Duldung als auch der Unterdrückung erlebt. Bei den Muslimen hat der europäische Kolonialismus des 19. Jahrhunderts tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen, unter deren Eindruck auch die Kreuzzüge des Mittelalters gesehen und von manchen Vordenkern islamischer Erneuerung als Zeichen immanenter Feindschaft gedeutet wurden.

Auf Seiten der Kirche setzten sich Theologen des Ostens wie Johannes von Damaskus († um 750) mit dem islamischen Glauben auseinander. Er stellte den Islam als Häresie des Christentums dar und erkannte damit eine Verbindung zwischen Christentum und Islam an; diese Auffassung setzte sich im Mittelalter weitgehend durch. Mit den Kreuzzügen begann im Abendland ein neues Nachdenken über den Islam. So setzte sich der Benediktiner Petrus Venerabilis († 1156) als erster dafür ein, dem Islam nicht mit dem Schwert, sondern mit den Waffen des Geistes und der Liebe zu begegnen. Petrus veranlasste eine lateinische Übersetzung des Korans und anderer muslimischer Werke. Gleichzeitig begann auch bei islamischen Theologen eine fundierte Reflexion über das Christentum (z. B. al-Ghazali, † 1111).

Ein Beispiel für eine friedliche Begegnung mit Muslimen ist das Eingreifen des heiligen Franz von Assisi in das Kreuzzugsgeschehen durch seinen Besuch 1219 bei Sultan al-Malik al-Kamil in der Nähe von Damiette. Zwar blieb seine Predigt erfolglos, doch Franz soll vom Vorbild des islamischen Heeres, das fünfmal täglich zum rituellen Gebet niederfiel, so beeindruckt gewesen sein, dass er seine Brüder bat, zu bestimmten Tagesstunden alle Gläubigen durch Rufe oder Glocken zum Gotteslob aufzurufen. In einer von Feindschaft gekennzeichneten Welt sah Franziskus im Lobpreis des Allmächtigen eine verbindende Brücke zwischen Christentum und Islam.

Seit dem 19. Jahrhundert nahmen Verständigungsbemühungen zwischen Christen und Muslimen zu. Besonders in Europa traten christliche und muslimische Gelehrte in den Dialog mit der jeweils anderen Religion. Als Beispiel sei der katholische Islamwissenschaftler Louis Massignon (1883–1962), ein Kenner der islamischen Mystik, genannt. Gemeinsam mit der libanesischen Christin Mary Kahil (1889–1979) engagierte er sich in Ägypten für die Verbesserung der Situation der Frauen. Beide gründeten die Gruppe der badaliyya, der „Stellvertretung“, welche die Erinnerung an Jesus bei den Muslimen durch Werke der Nächstenliebe wachrufen wollte.

Historisch gewachsene Vorurteile auf christlicher wie auf muslimischer Seite spielen bis heute eine große Rolle. Sie beruhen auf leidvollen Erfahrungen, die sich tief in das Gedächtnis der betroffenen Völker einbrannten und gute Erfahrungen überdeckten. So entstand auf christlicher Seite durch die arabischen, tartarischen und türkischen Eroberungen, auf islamischer Seite durch die Kolonialisierung des größten Teils der damaligen islamischen Welt und die Aufteilung des im ersten Weltkrieg besiegten Osmanischen Reiches ein abgründiges Misstrauen, das durch jeden weiteren Konflikt neue Nahrung erhält. Nicht wenige Muslime in allen Teilen der Welt haben z. B. den Krieg in Bosnien von 1999 im Lichte dieser Geschichte wahrgenommen. Ähnliches gilt für die Bekämpfung der Taliban durch militärische Kräfte der NATO in Afghanistan sowie für den Irak-Krieg, der weiterhin als neuer Beweis für die Feindseligkeit der Christen gegenüber dem Islam gewertet wird ungeachtet der Tatsache, dass der Papst und viele Vertreter der Kirche ihn eindeutig abgelehnt haben. Umgekehrt verstehen viele Christen und Juden die vorausgegangenen Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA als Kriegserklärung eines politischen Islamismus an die jüdisch-christlich geprägte westliche Welt.

Auf der christlichen und europäischen Seite hat zudem das Schicksal christlicher Minderheiten in islamischen Staaten und die dort zu beobachtende Missachtung des Menschenrechtes auf Religionsfreiheit viele in ihrer Überzeugung bestärkt, der Islam ermögliche kein gleichberechtigtes Zusammenleben.[11]

Doch trotz aller Konflikte hat sich seit dem 20. Jahrhundert ein Gespräch zwischen den Religionen entwickelt, das an Intensität, Qualität und Breite kein geschichtliches Vorbild kennt. Den Umbruch zum Dialog hin brachten auf katholischer Seite das Zweite Vatikanische Konzil und auf evangelischer und orthodoxer Seite die Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Auf islamischer Seite zeigte sich im Zusammenhang mit Gipfelkonferenzen und wichtigen Religionstreffen Gesprächsbereitschaft.

Das Konzil markiert mit der „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen – Nostra aetate“ einen Neuanfang: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“[12]

In der „Dogmatischen Konstitution über die Kirche – Lumen gentium“ stellte das Konzil fest: „Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, sind auf das Gottesvolk auf verschiedene Weise hingeordnet. In erster Linie jenes Volk, dem der Bund und die Verheißungen gegeben worden sind und aus dem Christus dem Fleische nach geboren ist (vgl. Röm 9,4–5), dieses seiner Erwählung nach um der Väter willen so teure Volk: die Gaben und Berufung Gottes nämlich sind ohne Reue (vgl. Röm 11,28–29). Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird.“[13]

So sieht die Kirche ihre Verbundenheit mit dem Islam durch die Anbetung eines einzigen Gottes, durch die Hochschätzung Jesu, die Erwartung des Gerichts sowie die sittliche Lebenshaltung und Frömmigkeitspraxis gegeben. Christen und Muslimen ist nun die Aufgabe gestellt, sich aus aller Feindseligkeit zu lösen, die Begegnung zu suchen und sich gemeinsam mit den Muslimen für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit einzusetzen. Damit dies gelingen kann, müssen sich die Beteiligten zunächst darüber verständigen, was die jeweiligen Partner im Dialog unter diesen Begriffen verstehen.

An die Muslime sind seit dem Konzil viele Grußbotschaften und Ansprachen der Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. gerichtet worden. Papst Benedikt XVI. hat überdies eine Dialogeinladung ausgesprochen, auf die führende Islamvertreter positiv reagiert haben. Für den Kontakt engagiert sich der „Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog“. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Initiativen für den interreligiösen Dialog. Dazu können auch Gebetstreffen unter Beteiligung von Muslimen gehören.

 

 

III. Theologische Grundlagen

 

1. Zum Dialog als Auftrag der Kirche

Die katholische Kirche hat beim Zweiten Vatikanischen Konzil den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen eröffnet und erklärt, dass deren Glaubensvorstellungen, auch wenn sie von der christlichen Überzeugung abweichen, „nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet“, und manches in ihnen „wahr und heilig“ sei. Wenn Menschen aller Religionen aus ehrlichem Herzen Gott suchten, könnten sie „das ewige Heil erlangen“[14]. Damit hat die Kirche die Christen zu einer offenen Einstellung gegenüber den Anhängern anderer Religionen und zu „Dialog und Zusammenarbeit“ mit dem Ziel verpflichtet,[15] „zu einer Haltung des Verständnisses“ und zu einer Beziehung der gegenseitigen Kenntnis und der wechselseitigen Bereicherung“ hinzufinden.[16] So ist der interreligiöse Dialog Teil des von Gott ausgehenden Heilsdialogs.[17]

Interreligiöser Dialog und Verkündigung sind als authentische Elemente des kirchlichen Evangelisierungsauftrags „eng aufeinander hingeordnet, aber nicht gegeneinander austauschbar“[18].

Wer von christlicher Seite aus den Dialog aufnimmt, muss beide Wahrheiten im Blick haben, die „Möglichkeit des Heiles in Christus für alle Menschen“ und die „Notwendigkeit der Kirche für dieses Heil“[19]. So setzt der Dialog notwendig Gleichberechtigung und Anerkennung der „gleichen personalen Würde der Partner“ voraus, nicht aber Gleichheit der Lehren oder der Personen der Gründer.[20] Darüber hinaus erfordert er die Fähigkeit zu Selbstkritik und zu kritischen Anfragen an den Partner im Dialog auf praktischer wie auf normativer Ebene. Indifferentismus oder Relativismus, die von der Annahme ausgehen, eine Religion gelte gleich viel wie die andere, widersprechen dem Wesen des Dialogs, zu dem gehört, dass jeder Partner „mit der ganzen Integrität seines Glaubens“ teilnimmt.[21] Daher ist im Dialog zu berücksichtigen, dass er je nach Gesprächspartner eine je andere Ausprägung finden muss. So ist das Verhältnis zwischen Juden und Christen ein anderes als jenes zwischen Christen und Muslimen.

Die Wertschätzung der nichtchristlichen Religionen widerspricht nicht dem Wahrheitsanspruch der Offenbarung Christi, der ja „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) ist und in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (vgl. Kol 1,20).[22] Der interreligiöse Dialog ist Bestandteil der Sendung der Kirche zu allen Menschen, die „heute und immer ... ihre ungeschmälerte Bedeutung und Notwendigkeit“ behält.[23] Weil Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4), ist die Kirche berufen, geführt von der Liebe und von der Achtung vor der Freiheit, dem Verlangen des Menschen nach Wahrheit entgegenzukommen.[24]

Dass Christen voll Hoffnung Gespräch und Zusammenarbeit mit den anderen Religionen suchen, ist Gabe des Heiligen Geistes, der ihnen aufträgt, ihren Horizont zu erweitern, über ihre persönlichen Bedürfnisse und die ihrer Gemeinschaften hinauszublicken, die Einheit der ganzen Menschheitsfamilie ins Auge zu fassen und sich auf die geschwisterliche Wanderung zu machen, auf der die Religionen „sich gegenseitig begleiten zum transzendenten Ziel“[25]. Dabei bleibt zu entdecken, dass die unterschiedlichen religiösen Traditionen Elemente enthalten, die „der Geist im Herzen der Menschen und in der Geschichte der Völker, in den Kulturen und Religionen bewirkt“.[26]

Der Dialog zwischen Angehörigen verschiedener Religionen kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Auf einer ersten Stufe kann sich Dialog durch wohlwollende Begegnung und gegenseitiges Interesse in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz verwirklichen. Schließlich gibt es den Dialog als bewusstes und organisiertes Bemühen, den anderen tiefer zu verstehen und von ihm zu lernen. Bei dieser Form des Dialogs geben die Teilnehmer sich gegenseitig das Zeugnis ihres Glaubens und nehmen gleichzeitig respektvoll die fremde religiöse Überzeugung wahr.[27] In diesem Zusammenhang kann auch das Beten in Anwesenheit von Vertretern der anderen Religionen eine wichtige Rolle spielen.

Im interreligiösen Dialog ist aufgrund der einzigartigen Beziehung der Kirche zum Judentum die Begegnung von Christen und Juden von einem unvergleichlichen theologischen Rang. Einen eigenen Charakter haben die Begegnungen von Christen und Muslimen wie auch die Zusammenkunft von Christen mit Juden und Muslimen. Die drei monotheistischen Religionen sind der Überzeugung, dass Gott einer und einzig, Schöpfer des Alls und des Lebens ist, der den Menschen zu ihrem Heil seinen Willen offenbart. Der eine Gott ist Quelle allen Segens und im Gottesdienst Adressat des Lobpreises, des Dankes und der Bitte.

 

2. Hinweise zum Begriff und zur Praxis des Gebets in Judentum, Christentum und Islam

2.1 Jüdisches Beten

Beten ist ständiger Auftrag für gläubige Juden. So begleiten die Segensgebete (Berachot) den Alltag, prägen aber auch Fest und Feier (Sabbatritual). Konstitutiv für das Beten ist das jüdische Glaubensbekenntnis, das „Höre, Israel!“ (Sch’ma Israel) (Dtn 6, 4–9; 11,13–21; Num 15,37–41). Hier ruft Gott jeden einzelnen Menschen an und fordert ein aufmerksames Hören auf seine Weisungen: noch vor dem Beten steht das Hören. Bevor der jüdische Gläubige sich im Gebet an Gott wendet, bindet er sich Gottes Wort „vor die Augen und auf sein Herz“ – sinnenfällig geschieht dies durch die Gebetsriemen, die so genannten Tefillin. Die Tefillin werden von männlichen Personen über 13 Jahren am linken Arm und an der Stirn beim Morgengebet der Wochentage getragen, mit je einem auf den schwarzen Riemen befestigten Kästchen, in dem sich vier Tora-Abschnitte, auf Pergament geschrieben, befinden (Ex 13,1–10.11–16; Dtn 6,4–9; 11,13–21). Bevor dann „Das Gebet“ (haTefilla, auch als Achtzehn-Bitten-Gebet, Sch’mone esre oder als Amida, „Stehen“ bezeichnet) an Gott gerichtet wird, muss der Beter Gott um die Befähigung zum Sprechen und die Ermächtigung zum Dialog bitten, wiederum mit biblischen Worten: „Herr, öffne mir die Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!“ (Ps 51,17). Bestandteil des Achtzehn-Bitten-Gebets ist die Queduscha, die Heiligung des göttlichen Namens. Im Achtzehn-Bitten-Gebet der Wochentage mündet der Lobpreis Gottes in eine Serie von Bitten. Lobpreis und Bitte bilden keinen Gegensatz, sondern finden ihre spannungsvolle Mitte im Gedanken des Bundes, der Auserwählung seines Volkes. Das bittende Element ist gleichsam die Kehrseite der lobpreisenden Erinnerung und Vergegenwärtigung der geschehenen Heilstaten Gottes in der Geschichte. Beide Dimensionen sind getragen von der Hoffnung auf eine von Gott gemäß seiner Treue und Bundeszusagen eröffnete Zukunft.

Die zunächst seit der Entstehung des rabbinischen Judentums mündlich überlieferten Gebetstraditionen für das private (häusliche) wie synagogale Gebet wurden ab dem Mittelalter kodifiziert und schließlich in einem eigenen Gebetbuch (Siddur) zusammengefasst. Es enthält neben biblischen und poetischen Elementen die wörtlich fixierten Ausdrücke der Glaubenserfahrung im Gebet (qäva, das Festgelegte), die zuvor spontanes Gebet (kawwanah) waren. Beide Formen bedingen sich nach wie vor gegenseitig.

Der Gottesdienst der Synagoge war seit seinen Ursprüngen nicht an Tempel und Priester gebunden, sondern nur an eine betende Gemeinde (Minjan, „Zählung“, bezeichnet als Terminus technicus die Mindestzahl von zehn Männern, die für den Vollzug bestimmter Elemente des gemeinschaftlichen Gottesdienstes anwesend sein müssen). Der Gottesdienst kann täglich stattfinden und ist eine der wichtigsten Einrichtungen, auch den Alltag zu weihen. Die im Gottesdienst gesprochenen Gebete haben Lob und Dank, Bitte und Bekenntnis zum Inhalt. Es gibt jeden Tag drei Gottesdienste: Maariv am Abend, Schacharit am Morgen und Mincha am Nachmittag. Der Aufbau des Gottesdienstes ist das ganze Jahr über der gleiche, wenngleich Sabbat und Feste ihren besonderen Ausdruck im Rahmen der Gottesdienstgestaltung erhalten.

 

2.2 Christliches Beten[28]

Für die Christen heißt beten vor allem wie Jesus, mit Jesus und in Jesus beten. Nach dem christlichen Glauben hat Gott in Jesus Christus sich der Welt in einzigartiger Weise offenbart. Er hat sich in Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, der Welt sichtbar mitgeteilt und bleibt dennoch der Unbegreifliche, das absolute Geheimnis. Der christliche Glaube weiß Gott durch Jesus, den Auferstandenen durch den Heiligen Geist in der ganzen Welt gegenwärtig, in ihr engagiert, mit ihr solidarisch. Christliches Beten spiegelt diese doppelte Dimension wider.

Die Lehre Jesu über das Gebet und mehr noch, sein ständiges Leben auf den Vater hin und vom Vater her, seine gelebte Einheit mit Gott, seinem Vater, sind das Modell für das Gebet des Christen. Es ist in der Tat der Geist des auferstandenen Jesus Christus, der in jedem Christen betet und ihn rein aus Güte dazu befähigt, teilzunehmen am Leben des dreieinigen Gottes selbst (vgl. Röm 8,26). Im Gebet antworten Christen auf das Heilshandeln Gottes. Im Dank, der Gottes Heilshandeln in der Geschichte erinnernd vergegenwärtigt, bringt das Gebet zum Ausdruck, dass allem Handeln des Menschen das Wirken Gottes bereits vorausgegangen ist.

Der Christ vereint sich mit dem Gebet Jesu in der Kirche. Das geschieht in herausragender Weise bei der Eucharistiefeier, die das christliche Gebet schlechthin ist: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19). Die Eucharistiefeier ist zunächst gemeinsames Hinhören auf das Wort Gottes und dann sakramentale Teilnahme am Opfer Jesu Christi, der sich hingegeben hat aus treuer Liebe zu Gott, seinem Vater, und zu den Menschen, seinen Brüdern und Schwestern. Schließlich ist die Eucharistie gemeinsames Mahl und geheimnisvolle Quelle allen christlichen Lebens.

Im kirchlichen Stunden- bzw. Tagzeitengebet darf der Christ im Laufe des Jahres die Etappen des wunderbaren Eingreifens Gottes in die Geschichte der Menschen mit- und nacherleben. Dieses immerwährende Gebet ist gleichzeitig Anbetung, Lob und Danksagung, aber auch Fürbitte und Bitte um Vergebung. Das Gebet nimmt vielfältige Formen an, von denen einige durch jahrhundertealte Riten fixiert sind, während andere den modernen Gegebenheiten und dem heutigen Sprachgefühl angepasst sind. Stets aber wird im christlichen Gebet dem Wort der biblischen Offenbarung ein bevorzugter Platz vorbehalten. Mittels der lectio divina, der meditierenden Lesung der Texte der Heiligen Schrift und der Meditation in Stillschweigen, bleibt der Gläubige in lebendigem Kontakt mit dem Wort Gottes.

Oft wird das christliche Gebet, zumindest bei Katholiken und Orthodoxen, zum Fürbittgebet. Auch wird davon ausgegangen, dass die Heiligen bei Gott Fürsprecher für uns sind. Dabei bleibt die Ausrichtung des Gebets auf Gott, der allein anbetungswürdig ist, gewahrt. Wie das offizielle Gebet das ganze Leben der Kirche heiligt und in Jesus Christus zu Gott hinführen will, so soll das Leben der Christen durch Zeiten ausgesprochener Begegnung mit Gott, unserem Vater, getragen werden, ohne dass diese im einzelnen und für alle in einer bestimmte Form ausformuliert und als solche bindend vorgeschrieben sind. Gemeint sind etwa das Morgen- und Abendgebet, das Gebet vor dem Essen oder in anderen wichtigen Augenblicken des Tages.

Es charakterisiert das christliche Gebet, dass es ein „inkarniertes“ Gebet ist und im Heiligen Geist die Freiheit lässt, sich dem Temperament des Einzelnen sowie der Kulturen angepasst in unzähligen Worten, Zeichen, Symbolen und Gesten auszudrücken.

 

2.3 Muslimisches Beten[29]

Das Gebet der Muslime ist in erster Linie das rituelle Gebet, das die Gläubigen fünf Mal am Tag verrichten, und zwar mit ganz bestimmten, im Detail vorgeschriebenen Gesten und Formeln. Wenn ein Muslim das Wort „Gebet“ hört, denkt er spontan an salāt, das rituelle Gebet.

Durch das rituelle Gebet bezeugt der Muslim seinen Glauben an den transzendenten Gott und an Gottes endgültige Rechtleitung durch den Propheten Muhammad. Er will sich mit diesem Gebet einem eindeutigen Gebot Gottes unterwerfen: „Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe, und verneigt euch mit denen, die sich verneigen“ (Sure 2, 43). Er sieht sich vor allem als ’abd, in der zweifachen Bedeutung dieses Wortes: Diener und Anbeter, und als schahīd, d. h. Zeuge und Bekenner.

Ausgehend von dem Recht Gottes auf Anbetung und Lob hat die muslimische Tradition immer auf den rituell exakt regulierten Charakter und eine gewisse objektive „Nüchternheit“ des liturgischen Pflichtgebets Wert gelegt. Indem der muslimische Beter immer wieder dieselben Gebetsgesten verrichtet, erkennt er stets von neuem das Recht Gottes auf das Lob des Menschen als seines Geschöpfes an. Was wir Christen als „rituellen Formalismus“ zu betrachten geneigt sind, wird hier zu dem Ideal, so klar wie möglich die zentrale Stellung Gottes in seiner Anbetung und in seinem Lob zum Ausdruck zu bringen. Im Letzten ist es der erhabene Gott, der sich selbst lobt, und zwar durch die Gesten des Gläubigen, der sich selbst bis zum Äußersten zurückzunehmen bemüht ist.

Ferner ist das rituelle Gebet ein unmissverständliches Bekenntnis der Zugehörigkeit zur umma, der Gemeinschaft derer, die sich in der Nachfolge Muhammads, des letzten Propheten, berufen wissen, Gottes Willen auf Erden durchzusetzen. Jeder Vollzug des Gebets legt Zeugnis für Gott und seinen Herrschaftsanspruch durch die Gemeinde der gläubigen Muslime ab. Die Ausrichtung des Beters in Richtung Mekka (qibla), dem symbolischen Zentrum der umma, bezieht jedes Gebet und alle Beter von den Enden der Erde ein in die eine, universale Gemeinschaft der Muslime.

Neben dem rituellen Gebet, das den Islam immer neu darstellt und „begründet“, kennt der Islam auch andere Gebetsformen, von denen hier nur die wichtigsten genannt werden sollen. An erster Stelle die Rezitation des Korans und das stille Erwägen und Meditieren seiner Verse auf das Ziel hin, das Wort Gottes im Herzen zu verankern und im Leben wirksam werden zu lassen. Davon ausgehend hat die muslimische Frömmigkeit die Betrachtung der schönsten Namen Gottes entwickelt. Dieses Gebet wird mit Hilfe einer Perlenkette entweder privat oder – vor allem in Sufikreisen – in Gemeinschaft verrichtet. Die muslimische Orthodoxie freilich betrachtet alle diese Formen der Frömmigkeit mit einem gewissen Argwohn.

Auch die verschiedenen Etappen der Wallfahrt nach Mekka werden von ergreifenden Gebeten des Lobes und der Bitte um Vergebung begleitet. Gleichermaßen ist das tägliche Leben des Muslims von Formeln des Lobes, von Segnungen, vom Bitten um Hilfe und Vergebung durchwirkt. Selbst in seinem persönlichen, informellen Gebet hält sich der Muslim meist an althergebrachte, koranisch fundierte Gebetsformeln und misstraut eher einer freieren, spontan-informellen Gebetsweise. Allerdings warnt der Koran den Muslim vor Formalismus und weist auf den Kern wahrer Frömmigkeit hin: „Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr euer Gesicht nach Osten oder Westen wendet. Frömmigkeit besteht darin, dass man an Gott glaubt…, aus Liebe zu Ihm von seiner Habe etwas verschenkt …; diejenigen, die ihre Pflichten erfüllen … Diejenigen sind es, die Gott fürchten.“[30]

 

3. Einander im Gebet begegnen

Wenn Christen, Juden und Muslime im Verlauf eines interreligiösen Dialogs intensive Begegnung erfahren haben, kann der Wunsch erwachsen, die Begegnung untereinander durch das Gebet auf Gott hin auszuweiten und zu vertiefen. Dabei tritt das Verhältnis zu dem einen Gott als dem gemeinsamen Grund und Bezugspunkt in den Vordergrund. Beten in Gegenwart des anderen kann dazu dienen, sich an die von Gott gewollte Einheit aller Menschen zu erinnern, Gemeinsamkeiten im Glauben zu entdecken und einander in der jeweiligen Andersartigkeit besser zu verstehen.

Vom Standpunkt der katholischen Kirche aus verehren – trotz aller Unterschiede im Gottesbild – Christen, Juden und Muslime nur einen Gott.[31] Darum können katholische Christen das Beten von Juden und Muslimen als Hinwendung zu Gott, tatsächliche Anrufung und wahren Lobpreis respektieren. Für Christen allerdings bedeutet Beten immer, zum dreieinen Gott zu beten. Sie beten im Bewusstsein, Geschöpfe des Vaters, Brüder und Schwestern Jesu Christi und darin vom Heiligen Geist erfüllt zu sein. Zugleich wissen sie um die Schwierigkeit, dass diese trinitarische Prägung ihres Gebets den Widerspruch von Juden und Muslimen hervorruft. Bei religiösen Begegnungen muss offen bleiben, wieweit Juden und Muslime wegen ihrer verschiedenen Gottesvorstellungen das christliche Gebet und das Gebet des jeweils anderen tatsächlich anerkennen.

Unter Berücksichtigung der bestehenden Schwierigkeiten ist es unumgänglich, diejenige Form der Begegnung zu wählen, bei der die Vertreter der verschiedenen Religionen nicht gemeinsam beten, sondern jeder für sich aus seiner eigenen Tradition heraus spricht. Diese Form entspricht dem beim Weltgebetstreffen in Assisi 1986 praktizierten Modell.[32]

Eine so genannte interreligiöse Feier, in der sich alle gemeinsam mit von allen getragenen Worten und Zeichen an Gott wenden, ist daher abzulehnen, weil hier die Gefahr besteht, den anderen zu vereinnahmen und vorhandene Gegensätze zu verschleiern. Deshalb müssen auch die Bezeichnungen „Gottesdienst“ und „Liturgie“ vermieden werden zugunsten der zurückhaltenderen Bezeichnung „religiöse Begegnung“, eventuell auch „Gebetstreffen der Religionen“. Dies ist der Pluralität der Glaubensvorstellungen angemessener und weckt keine irreführenden Vorstellungen.

Bei Gebetsveranstaltungen unter Beteiligung von Nichtchristen ist jede teilnehmende Religionsgruppe für ihren Beitrag selbst verantwortlich. Dabei muss jeder Teilnehmer grundsätzlich bereit sein, die für ihn nicht verständlichen Eigenarten des anderen zu tolerieren. Doch ist es nicht Sinn solcher Begegnungen, Gegensätze hervorzuheben, für die eigene Überzeugung zu werben oder theologische sowie aus der Geschichte stammende Vorbehalte auszudrücken. Alle Partner sollten um der Liebe willen bei ihren Beiträgen die für die anderen schwierigen oder anstößigen Elemente möglichst vermeiden, allerdings ohne ihre Identität zu verleugnen.

Beispiel und Vorbild für Gebetstreffen unter Beteiligung von Juden und Muslimen ist das von Papst Johannes Paul II. inspirierte Gebetstreffen für den Frieden am 27. Oktober 1986 in Assisi, das die Gefahr einer Vermischung (Synkretismus) vermied und die aufrichtige Gottsuche des anderen respektierte. Der Papst selbst hielt als Grundprinzip fest: „Man kann sicher nicht zusammen beten, aber man kann zugegen sein, wenn die anderen beten“[33]. Diese Begegnung in der Form des Gebetstreffens in Assisi beweist, dass „religiöse Menschen, ohne ihre jeweilige Tradition aufzugeben, sich dennoch im Gebet engagieren und gemeinsam für den Frieden und das Wohl der Menschheit arbeiten können“[34]. So konnte das Gebetstreffen in Assisi zum Modell einer „Weltgebetsbewegung für den Frieden“ werden, die „über die Grenzen der einzelnen Nationen hinweg die Gläubigen aller Religionen einbezieht und die ganze Erde umfassen soll“[35].

 

3.1 Christen und Juden

Das II. Vatikanische Konzil hat die Berufung Israels anerkannt und das gemeinsame geistliche Erbe herausgestellt: „So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Mose und den Propheten finden. Sie bekennt, dass alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach in die Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind ...“[36] Als Konsequenz ergibt sich für Christen, „die gegenseitige Kenntnis und Achtung zu fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.“[37]

Die Vatikanische „Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum“ verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Dialog und Gebet, wenn sie vorschlägt: „Unter Umständen, die es möglich und auf beiden Seiten erwünscht erscheinen lassen, empfiehlt sich auch eine gemeinsame Begegnung vor Gott im Gebet und in der schweigenden Betrachtung, die sich dahin auswirken wird, dass die Demut und die Öffnung des Geistes und des Herzens entstehen, wie sie für eine tiefe Erkenntnis des eigenen Ich und des Andern notwendig sind. Anlässe für eine solche Gebetsgemeinschaft sind besonders große Anliegen wie Gerechtigkeit und Frieden.“[38]

Im Rahmen des Dialogs mit Juden ist für katholische Christen eine tragfähige Basis für gemeinsame religiöse Begegnungen gegeben, denn Christen bekennen den Gott Israels als den Gott Jesu Christi. Trotzdem muss deutlich bleiben, dass der Glaube an Jesus als den Christus und Gottessohn Christen und Juden trennt. Dieser Unterschied darf nicht verharmlost oder durch ausschließliche Hervorhebung des gemeinsamen Glaubensgutes überspielt werden.

Dabei müssen Christen mit Blick auf die jüdischen Partner verschiedene Schwierigkeiten zur Kenntnis nehmen. Das orthodoxe Judentum lehnt religiöse Kontakte mit Christen weitgehend ab, während das Reformjudentum und das konservative Judentum einen Unterschied zwischen Christen und Heiden (Gojim) machen und den Christen eine größere Nähe zubilligen. Auch wenn die bedeutende Erklärung „Dabru emet“ von jüdischer Seite aus festgestellt hat, dass Juden und Christen denselben Gott anbeten, stellen viele Juden die Frage, ob Christen mit ihrem Bekenntnis zum dreieinigen Gott und zum Gottessohn Jesus Christus denselben Gott wie die Juden meinen. Schließlich belasten die geschichtlichen Judenverfolgungen und vor allem die Shoah immer noch und immer wieder die Beziehungen. Trotz dieser Spannungen zeigen viele Beispiele, dass bei Begegnungen gute menschliche Kontakte gelingen und ein Klima des Vertrauens entstehen können, welche die Voraussetzung für Begegnungen im Gebet sind. Aufgrund der besonderen Beziehungen zwischen Christen und Juden erscheint ein gemeinsames Beten nicht grundsätzlich ausgeschlossen, doch sind die Bedingungen dafür eigens zu bedenken: jede Nötigung zum Gebet hat zu unterbleiben; eine freie Zustimmung ist unabdingbare Voraussetzung; die großen Anliegen wie Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden sollten im Mittelpunkt der Begegnung stehen; die Entscheidungen der jeweiligen Amtsträger sind zu berücksichtigen. Als erster Schritt aufeinander zu kann die gegenseitige Teilnahme an christlichen oder synagogalen Gottesdiensten jeweils als Gast stehen. Christlich-jüdische Begegnungen im Gebet bei besonderen Gelegenheiten wie zur „Woche der Brüderlichkeit“, zu Friedensgebeten, Shoah-Gedenkfeiern und bei Katholikentagen (auch evangelischen und ökumenischen Kirchentagen), wie sie bereits Tradition sind, sind ebenfalls möglich.

 

3.2 Christen und Muslime

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in Hochachtung über die Muslime gesagt, dass sie „den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat“ (NA 3). Die katholische Kirche hat zum Dialog der Christen mit den Muslimen ermutigt, in den auch das Gebet in Gegenwart des anderen einbezogen werden kann.

Die Muslime preisen Gott, wie es die Eröffnungssure des Korans bezeugt: „Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen! Lob und Preis sei Allah, dem Herrn der Welten, dem gnädigen Allerbarmer, dem Herrscher des Gerichtstages. Dir allein wollen wir dienen, zu dir allein flehen wir um Beistand.“ (Sure 1, 1–5) Die Christen bekennen im Großen Glaubensbekenntnis „Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt ...“ und preisen ihn mit den Worten „Großer Gott, wir loben Dich“ (vgl. Te Deum). So sind Christen und Muslime gerade im Sprechen zu Gott als dem Schöpfer einander nahe, auch wenn der christliche Glaube an den trinitarischen Schöpfergott nicht mit dem muslimischen Gottesbild übereinstimmt.

Christen müssen sich der Schwierigkeit bewusst sein, dass die Muslime in ihrer Gesamtheit wenig für das Christentum geöffnet sind. Bei den in Deutschland lebenden Muslimen, unter denen die Türken den Hauptanteil stellen, gibt es radikale Gruppen, die den Kontakt mit Christen ablehnen, sowie andere, die für den interreligiösen Dialog aufgeschlossen sind und auch ein Zusammenkommen zum Beten akzeptieren. Dabei bleibt aber zu beachten, dass im Islam für die eigentliche Heilsbedeutung Jesu Christi kein Raum ist, obwohl Jesus als Prophet und Gesandter Gottes, ja als besonderer Diener Gottes, hoch verehrt wird. Doch ist Mohammed der endgültige Prophet, wie jeder Muslim bekennt: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Allahs ist“.

In religiösen Begegnungen können Christen und Muslime erfahren, dass ihr Leben trotz unterschiedlicher Gottesvorstellungen auf den einen Gott ausgerichtet ist. Dabei gilt, dass Beten im Beisein des anderen nicht der Ort für Bekehrungsversuche oder Auseinandersetzungen, sondern Ausdruck der gemeinsamen Verwiesenheit auf den einen Gott und der solidarischen Sorge um das Heil der Menschen ist. So können Christen und Muslime entdecken, dass sie als Empfänger des Friedens von Gott zu gegenseitiger Achtung und darüber hinaus zum Einsatz für den Frieden und die Respektierung der Menschenrechte in der Welt berufen und verpflichtet sind. Der Hintergrund der Religionsfreiheit in Europa bietet die einmalige Chance zu einer Begegnung in Freiheit, die es wahrzunehmen gilt.

 

3.3 Religiöse Begegnungen von Christen, Juden und Muslimen

Die Begegnung zwischen Christen, Juden und Muslimen hat zum Ziel, „Juden, Christen und Muslime dahin zu führen, in ihrem jeweiligen Glauben und in der allgemeinen Brüderlichkeit, die alle Mitglieder der Menschheitsfamilie untereinander verbindet, den Anlass und das Beharrungsvermögen zu suchen, um für den Frieden und die Gerechtigkeit zu arbeiten“.[39]

Im Rahmen dieses Dialogs, der durch die politische Situation im Nahen Osten und im Heiligen Land belastet und zugleich gerade deshalb unverzichtbar ist, können Begegnungen der drei monotheistischen Religionen ein wichtiges Element des Friedens sein. Sie sind eine Chance, füreinander Zeugen Gottes zu sein und miteinander der Versöhnung und dem Frieden in der Welt zu dienen. In einer zerrissenen und von Konflikten geschüttelten Menschheit können solche religiösen Begegnungen und Gebete, in guter Ordnung vollzogen, eine Frieden schaffende Kraft ausstrahlen.

 

 

IV. Hinweise für die Durchführung von religiösen Begegnungen von Christen, Juden und Muslimen

 

1. Anlässe und Partner

Gelegentlich ergeben sich Anlässe zu religiösen Begegnungen, obwohl sie nach wie vor Ausnahmecharakter besitzen; sie können für keine der genannten Religionen und für Christen insbesondere das eigene kirchliche, also das konfessionelle sowie das ökumenische Gebet ersetzen. Dies dürften sowohl in großen Abständen regelmäßig wiederkehrende Anlässe sein (z. B. „Woche der Brüderlichkeit“, Weltfriedenstag) oder Ausnahmeereignisse, die ein Gebetstreffen angemessen erscheinen lassen (z. B. bei Katastrophen oder Unfällen).

Die Schule stellt in mancher Hinsicht einen Sonderbereich dar, insofern das multikulturelle Zusammenleben und -arbeiten zum Alltag gehört, den es gemeinsam zu gestalten gilt. Das kann nur gelingen, wenn die Kinder und Jugendlichen Respekt und Rücksichtnahme lernen, aber in gleicher Weise in ihrer eigenen religiösen Tradition und Kultur gebildet werden. Deshalb bleiben je eigene Schulgottesdienste für Christen und andere Religionen unverzichtbar. Bei besonderen Anlässen (z. B. Gottesdienste anlässlich des Schuljahresbeginns oder -abschlusses) können die Glaubensgemeinschaften an getrennten Orten ihren jeweiligen Gottesdienst feiern; anschließend kann im Rahmen einer Begegnung in der Schule ein kurzes Grußwort eines Vertreters bzw. einer Vertreterin der jeweiligen Glaubensgemeinschaft erfolgen. Damit wäre eine innerschulische Integrationsbemühung geleistet, die aber nicht instrumentalisiert werden darf.

Von christlicher Seite aus sollten religiöse Begegnungen von Christen und Nichtchristen möglichst ökumenisch getragen und von Geistlichen bzw. kirchlich Beauftragten mitgestaltet werden. Bei Vertretern nichtchristlicher Religionen, die mitwirken, ist immer darauf zu achten, für wen sie sprechen und wen sie repräsentieren; sie sollten von ihren Institutionen anerkannt oder offiziell beauftragt sein, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Bei der Durchführung von Gebetstreffen sollte darauf geachtet werden, dass die Unterschiede zwischen den Vertretern der christlichen Konfessionen und der anderen beteiligten Religionen von den Mitfeiernden wahrgenommen werden können.

 

2. Zeit und Ort

Auf die Auswahl geeigneter Orte muss große Sorgfalt verwendet werden. In der Regel sollten solche Begegnungen nicht in einem Sakralraum, sondern in neutralen Räumlichkeiten stattfinden. Dadurch kann Rücksicht auf das Bilderverbot genommen werden, das für Juden wie Muslime gilt.

Wenn man Begegnungen von Christen und Nichtchristen als Weg mit verschiedenen Ausgangsstationen gestaltet, an denen die Gebete der einzelnen Religionen getrennt voneinander stattfinden, haben die Teilnehmer die Freiheit, den Ort und die Feier zu wählen.

Auch die Auswahl des Tages und der Stunde der Feier bedarf der Sorgfalt. Dabei sind die jeweiligen Fest- und Feiertage, etwa der Sonntag, der Sabbat und der Freitag, sowie die Gebetszeiten zu respektieren.

 

3. Vorbereitung

Für Versammlungen im Gebet ist eine gute Vorbereitung außerordentlich wichtig. Dazu gehört, dass die Vertreter der Religionen, die sich an dieser Versammlung beteiligen, sich vorher treffen, um sich kennen zu lernen und persönliche Kontakte aufzunehmen. Wenn Vertreter von Religionen oder Gruppen aus Religionen teilnehmen, zwischen denen Spannungen bestehen, muss vor der Planung der Begegnung geklärt werden, ob die erforderliche Toleranz vorhanden ist, um später Streit zu vermeiden.

Für die Auswahl der Zeit und der Örtlichkeit, aber auch für den Ablauf und die Gestaltung sind Absprachen erforderlich, um Empfindlichkeiten zu berücksichtigen und Missverständnisse zu vermeiden. Zu jedem geplanten Element der Begegnung ist die Zustimmung der Beteiligten einzuholen.

Empfehlenswert vor Gebetstreffen von Christen und Nichtchristen sind Vorgespräche mit den Gestaltern. Sie können Einblicke in die Lebensweisen der Religionen geben und Themen anschneiden, die für die religiöse Feier hilfreich sind. Dazu gehören das Verständnis des Dialogs, des Gebets und des Friedens in den verschiedenen religiösen Traditionen.

Zur Einstimmung auf diese Art von Begegnung ist es hilfreich, wenn Christen, Juden und Muslime wechselseitig an ihren jeweiligen Gottesdiensten als Gäste teilnehmen, um so die authentische Tradition der anderen Religion kennen zu lernen. Dabei müssen bestimmte Verhaltensweisen und Einschränkungen, z. B. keine Zulassung von Nichtkatholiken zur eucharistischen Kommunion, die Trennung der Geschlechter bei den Muslimen und eventuell den Juden sowie die Kopfbedeckung der Männer bei den Juden, beachtet werden. Für christliche Einladungen an Juden und Muslime eignet sich besonders die Tagzeitenliturgie.

 

4. Formen und Elemente

Vom Träger aus gesehen gibt es bei Gebetsbegegnungen zwei Formen, das Team-Modell und das Gastgeber-Modell. Beim Team-Modell laden die beteiligten Religionen gemeinsam ein und gestalten in einer Arbeitsgruppe das Treffen. Beim Gastgeber-Modell lädt eine Religion ein, leitet die Vorbereitung unter Beteiligung der anderen Religionen und organisiert die Durchführung.

Als allgemeine grundsätzliche Regel für die Zusammenkunft von Menschen verschiedener Religionen gilt, dass auf das gemeinsame Beten – sei es von frei verfassten oder sei es von aus der Tradition ausgewählten Texten – verzichtet wird, wie es auch in Assisi gehalten wurde. Es sollte auch darauf verzichtet werden, gemeinsam Lieder zu singen, die von den jeweiligen Glaubensvorstellungen und Gebetstraditionen geprägt sind. Eine weitere Regel ist, dass eine Religion bei solchen Begegnungen keine Texte oder Bräuche anderer Religionen in ihre Beiträge aufnimmt, die nicht gleichzeitig – wie im Fall des Alten Testamentes bei Christen – auch zur eigenen Überlieferung gehören. Wo Christen und Juden in freier Zustimmung eine Begegnung im Gebet vor Gott bejahen, kann ein gemeinsames Beten, z. B. von Psalmen, möglich sein.

Für den Ablauf und Aufbau eines Gebetstreffens gibt es keine verbindliche oder feststehende Form. Es gehört aber in jedem Fall ein Rahmen mit Eröffnung und Abschluss dazu. Die Gestaltung der von den einzelnen Partnern vorgetragenen Teile liegt in deren Verantwortung, muss aber so aufgebaut sein und vorgetragen werden, dass jeder Teilnehmer ihr mit Respekt folgen kann und sich nicht angegriffen fühlt. Das Lob Gottes ist immer unverzichtbares Element, bevor Anliegen und Bitten vorgetragen werden. Das Gebetstreffen kann unter ein bestimmtes Thema gestellt oder einem bestimmten Anliegen wie dem Frieden gewidmet werden.

Aus der katholischen Tradition bietet sich die Tagzeitenliturgie als Modell an. Dazu gehören Lesungen aus den Heiligen Schriften wie auch Gebete aus den gottesdienstlichen Traditionen. Geeignete christliche Gebetstexte sind unter anderem das Vaterunser, das Te Deum, das Benedictus, das Magnificat, Psalmen sowie Lieder und Hymnen.

Gesten und Gebärden, die von allen Partnern nach Absprache akzeptiert worden sind, können einbezogen werden. Zu nennen sind das Entzünden von Kerzen, Formen des Friedensgrußes, das Austeilen von Blumen oder anderen geeigneten Zeichen. Auch das Schweigen ist ein wichtiges und geeignetes Element, das der Sammlung und dem stillen Beten dient, aber auch beim Gedenken von Opfern der Gewalt und bei Bitten in Krisensituationen angebracht ist. Bei musikalischen Beiträgen ist darauf zu achten, dass alle Partner sie annehmen können. Instrumentalmusik eignet sich manchmal besser als Gesang.

 

 

V. Schlusswort

Christen sind dankbar dafür, dass Jesus Christus ihnen die Gottesbeziehung auf eine Weise vermittelt hat, die es ihnen möglich macht, anderen Religionen mit positivem Interesse zu begegnen, deren Identität zu respektieren und anzustreben, miteinander in Frieden zu leben. Beim internationalen Gebetstreffen in Mailand vom 19. –22. September 1993 hat Papst Johannes Paul II. dies verdeutlicht: „Religionen erinnern die Frauen und Männer dieser Welt daran, dass es eine gemeinsame Bestimmung gibt: die eine Familie Gottes zu bilden.“[40]

Christen vertrauen auf den Einfluss des Heiligen Geistes, der die Kirche leitet. So begegnen sie den Angehörigen anderer Religionen „in voller Achtung vor der Freiheit, im Dialog, in Zeugnis und Mitteilung der Werte des Evangeliums. Auf diese Weise schreiten die Dialogpartner in ihrer Antwort auf den göttlichen Anruf, dessen sie sich bewusst sind, voran. Alle, Christen und die Anhänger anderer religiöser Traditionen, sind von Gott selbst dazu eingeladen, in das Geheimnis seiner Beständigkeit einzudringen, als Menschen nach seinem Licht und seiner Wahrheit zu streben. Nur Gott kennt die Zeiten und Etappen der Vervollkommnung dieser langen, dem Menschen eigenen Suche.“[41]

Schließlich erwartet die Kirche voller Hoffnung mit den Juden und Muslimen den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen, ihm Schulter an Schulter dienen und die Völkerwallfahrt hin zum endgültigen eschatologischen Ziel vollenden (vgl. Weish 3,9; Jes 25,67; Mt 8,11).[42]

 

 

VI. Anhang

 

1. Der Weltgebetstag der Religionen für den Frieden 1986 von Assisi als Modell religiöser Begegnungen

Sein Glaube an die Frieden stiftende Kraft des Gebetes und die gnädige Zuwendung Gottes an alle Menschen hatte Papst Johannes Paul II. veranlasst, am 27. Oktober 1986 Repräsentanten aller Religionen zu einem Gebetstreffen unter der Devise „Zusammensein, um zu beten“ nach Assisi einzuladen.

Das Treffen hatte die Form eines Pilgerwegs mit drei Stationen. Die erste Station war an der Basilika „Santa Maria degli Angeli“ unterhalb von Assisi. Dort sammelten sich die Teilnehmer zur Begrüßung. Der gemeinsame Pilgerweg führte dann nach Assisi hinauf. Die zweite Station bildeten unterschiedliche Orte in der Stadt Assisi, wo die Teilnehmer aus den einzelnen Religionen jeweils für sich entsprechend ihrer Tradition Gottesdienst feierten. Zur dritten Station fanden sich alle auf dem Vorplatz der Franziskus-Basilika zusammen. Nach einer Einführung durch Roger Kardinal Etchegaray sprachen die Vertreter der verschiedenen Religionen nacheinander in der Öffentlichkeit Gebete für den Frieden. Buddhisten, Hindus, Jainas, Muslime, Shintoisten, Sikhs, die Vertreter traditioneller Religionen Afrikas und Nordamerikas, die Parsen und schließlich die Juden traten nacheinander vor. Die Christen gestalteten mit Evangeliumslesung (Lk 6,20–31), Fürbitten, Vaterunser und einer Verpflichtungserklärung für den Frieden den Schluss. Nach jedem Gebet hielt man eine Zeit der Stille. Zur Erinnerung wurde allen Teilnehmern ein kleiner Ölbaum als Symbol des Friedens überreicht.

Schon in der Einladung zum Treffen der Religionen in Assisi hatte Papst Johannes Paul II. die Absicht geäußert, „eine Weltgebetsbewegung für den Frieden ins Leben zu rufen, die über die Grenzen der einzelnen Nationen hinweg die Gläubigen aller Religionen einbezieht und die ganze Erde umfassen soll“.[43] Damit übereinstimmend gewann das Ereignis von Assisi den Charakter eines Modells, an dem sich andere Begegnungen im Rahmen des interreligiösen Dialogs orientieren konnten. Als typisch erschien dabei der Verzicht auf ein gemeinsam gesprochenes Gebet, um die unterschiedlichen Gottesvorstellungen zu respektieren. Der tragende Gedanke war das gemeinsame Anliegen des Friedens, um der Weltöffentlichkeit die tiefere Zusammengehörigkeit der Menschheit in der einen und einzigen Heilsgeschichte Gottes mit allen Menschen guten Willens, wie sie der christlichen Überzeugung entspricht, zu dokumentieren.

Die 1968 in Rom gegründete internationale Laiengemeinschaft Sant’ Egidio übernahm die Aufgabe, regelmäßige Folgetreffen zu veranstalten, welche die Idee und das Anliegen von Assisi fortsetzen sollten.[44] Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass jede Religion zutiefst vom Geschenk des Friedens durch Gott und von der Hoffnung auf seine Verwirklichung durch die Menschen geprägt ist. Dabei gilt die Vorstellung, dass die Religionen sich umso näher kommen, je mehr sie die Tiefe der eigenen Tradition entdecken, darin Gott nahe kommen und zum Frieden finden.

Das Grundprinzip von Assisi, in Eintracht zusammenzukommen, um in der jeweiligen Tradition für den Frieden zu beten, wird übernommen. Um jede synkretistische Vermischung zu vermeiden, verzichten wie in Assisi die Vertreter der einzelnen Religionen auf gemeinsam gesprochene Gebete. Darüber hinaus entfallen die öffentlichen Gebete der einzelnen Religionsvertreter, wie sie 1986 in Assisi zugelassen worden waren.

Die Treffen in der Verantwortung von Sant’ Egidio beginnen mit Konferenzen der Repräsentanten der Religionen, zu denen auch Politiker, Vertreter aus Gesellschaft und Kultur eingeladen werden. Die Themen beinhalten Fragen des Friedens, der Menschenrechte und des Zusammenlebens der Völker und Religionen. Zum Abschluss findet ein Tag des Gebetes statt. Zunächst treffen sich die Religionsvertreter zur selben Zeit an verschiedenen Orten und halten Gebetsversammlungen in ihren Traditionen, wobei das gemeinsame Thema der Frieden in der Welt ist. Danach kommen alle in einer stillen Prozession auf einen öffentlichen Platz, wo die Schlusszeremonie ohne öffentliche Gebete stattfindet. Dabei werden Resolutionen und Grußworte verlesen, ein gemeinsamer Friedensaufruf unterzeichnet, Kerzen am Friedensleuchter angezündet und in einer Schweigeminute der Opfer aller Gewalt und Kriege gedacht. Am Schluss steht der Austausch eines geeigneten Friedensgrußes.

Es gibt also zwei Formen der multireligiösen Feier nach dem Modell von Assisi. Die ältere Form von 1986 veranschaulicht mit öffentlichen Gebetselementen die Hinwendung aller Teilnehmer zu Gott und setzt Toleranz gegenüber nichtchristlichem religiösem Brauchtum voraus.

Die jüngere Form der Nachfolgetreffen vermeidet durch den Verzicht auf öffentliche Gebete negative Emotionen durch die Konfrontation mit fremdartigen Riten und Texten.

Die positiven Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren von Assisi 1986 ausgegangen sind, belegen, dass alle großen Weltreligionen dieses Modell annehmen können, in dem die Unterschiede der religiösen Traditionen respektiert und gleichzeitig das gemeinsame Engagement für den Frieden hervorgehoben wird.

 

2. Stimmen zum Thema

2.1 Zweites Vatikanisches Konzil

Die dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“

„LG 16: Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, sind auf das Gottesvolk auf verschiedene Weise hingeordnet. In erster Linie jenes Volk, dem der Bund und die Verheißungen gegeben worden sind und aus dem Christus dem Fleische nach geboren ist (vgl. Röm 9,4–5), dieses seiner Erwählung nach um der Väter willen so teure Volk: die Gaben und Berufung Gottes nämlich sind ohne Reue (vgl. Röm 11,28–29). Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird. Aber auch den anderen, die in Schatten und Bildern den unbekannten Gott suchen, auch solchen ist Gott nicht ferne, da er allen Leben und Atem und alles gibt (vgl. Apg 17,25–28) und als Erlöser will, dass alle Menschen gerettet werden (vgl. 1Tim 2,4). Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten

Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen. Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als Gabe dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe.“

 

Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“

„NA 3: Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichts, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

NA 4: Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden. Sie bekennt, dass alle Christusgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und dass in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, dass sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft sind. Denn die Kirche glaubt, dass Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und in sich vereinigt hat.“

 

2.2 Papst Johannes Paul II.

Ansprache während der Stunde der Erinnerung in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem am 23. März 2000, in: Jubiläumspilgerreise zu den Heiligen Stätten (VAS 145), 52 f.

„Juden und Christen teilen ein unermessliches geistliches Erbe, das aus der Selbstoffenbarung Gottes hervorgegangen ist ... Als Bischof von Rom und Nachfolger des Apostels Petrus versichere ich dem jüdischen Volk, dass die katholische Kirche – vom Gebot des Evangeliums zur Wahrheit und Liebe und nicht von politischen Überlegungen motiviert – zutiefst betrübt ist über den Hass, die Taten von Verfolgungen und die antisemitischen Ausschreitungen von Christen gegen die Juden, zu welcher Zeit und an welchem Ort auch immer. Die Kirche verwirft jede Form von Rassismus als ein Leugnen des Abbildes des Schöpfers, das jedem Menschenwesen innewohnt (vgl. Gen 1,26).

An diesem Ort des feierlichen Erinnerns (Yad Vashem, Jerusalem) bete ich inständig dafür, dass unsere Trauer um die Tragödie, die das jüdische Volk im zwanzigsten Jahrhundert erlitten hat, zu einer neuen Beziehung zwischen Christen und Juden führen möge. Lasst uns eine neue Zukunft aufbauen, in der es keine antijüdischen Gefühle seitens der Christen und keine antichristlichen Empfindungen seitens der Juden mehr geben wird, sondern vielmehr die gegenseitige Achtung, wie sie jenen zukommt, die den einen Schöpfer und Herrn anbeten und auf Abraham als unseren gemeinsamen Vater im Glauben schauen.“

 

Anerkennung des Schöpfers und des Herrn der Geschichte. Ansprache bei der Interreligiösen Begegnung in Jerusalem am 23. März 2000, in: Jubiläumspilgerreise zu den Heiligen Stätten (VAS 145),54–56

„Wir alle wissen um die Missverständnisse und Konflikte der Vergangenheit, die auch heute noch schwer auf den Beziehungen zwischen Juden, Christen und Muslimen lasten. Wir müssen alles tun, was in unseren Kräften liegt, damit sich das Bewusstsein der vergangenen Kränkungen und Sünden verwandelt in den festen Entschluss zum Aufbau einer neuen Zukunft, in der es zwischen uns nur noch respektvolle und fruchtbare Zusammenarbeit geben wird.

Die katholische Kirche möchte einen aufrichtigen und fruchtbringenden interreligiösen Dialog mit den Mitgliedern der jüdischen Glaubensgemeinschaft und den Anhängern des Islam fortführen. Ein solcher Dialog ist nicht etwa ein Versuch, den anderen unsere Meinungen aufzuzwingen. Was er von uns allen fordert, ist, dass wir an unserem eigenen Glauben festhalten, dabei aber respektvoll einander zuhören, alles Gute und Heilige in den Lehren der anderen zu erkennen suchen und gemeinsam alle Initiativen zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses und des Friedens unterstützen.“

 

Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte an die Bischöfe, den Klerus, die Ordensleute und an die Gläubigen zum Abschluss des Großen Jubiläums des Jahres 2000 vom 6. Januar 2001 (VAS 150),50–52

„54. Ein neues Jahrhundert, ein neues Jahrtausend öffnen sich im Lichte Christi. Doch nicht alle sehen dieses Licht. Wir haben die wunderbare und anspruchsvolle Aufgabe, sein Widerschein zu sein. Es ist das den Kirchenvätern in ihrer kontemplativen Betrachtung so teure ‚mysterium lunae [Geheimnis des Mondes]‘; sie verwiesen mit diesem Bild auf die Abhängigkeit der Kirche von Christus, der Sonne, dessen Licht sie widerspiegelt. Das war eine Form, um auszudrücken, was Christus selbst sagt, wenn er sich als ‚Licht der Welt‘ vorstellt (Joh 8,12) und zugleich seine Jünger auffordert, ‚das Licht der Welt‘ zu sein (vgl. Mt 5,14).

Das ist eine Aufgabe, die uns bangen lässt, wenn wir auf die Schwachheit blicken, die uns so oft glanzlos macht und Schatten auf uns wirft. Doch die Aufgabe ist lösbar, wenn wir uns dem Licht Christi aussetzen und es fertig bringen, uns der Gnade zu öffnen, die uns zu neuen Menschen macht.

55. In dieser Sichtweise steht auch die große Herausforderung des interreligiösen Dialogs, für den wir uns auch noch im neuen Jahrhundert auf der vom Zweiten Vatikanischen Konzil angegebenen Linie einsetzen werden. In den Jahren der Vorbereitung auf das Große Jubiläum hat die Kirche auch durch Begegnungen von bemerkenswerter symbolischer Bedeutung versucht, ein Verhältnis der Öffnung und des Dialogs zu Vertretern anderer Religionen aufzubauen. Der Dialog muss weitergehen. In der Situation eines immer ausgeprägteren kulturellen und religiösen Pluralismus, wie man in der Gesellschaft des neuen Jahrtausends voraussehen kann, ist dieser Dialog auch wichtig, um eine sichere Voraussetzung für den Frieden zu schaffen und das düstere Gespenst der Religionskriege zu vertreiben, die viele Epochen der Menschheitsgeschichte mit Blut überzogen haben. Der Name des einzigen Gottes muss immer mehr zu dem werden, was er ist, ein Name des Friedens und ein Gebot des Friedens.

56. Der Dialog kann jedoch nicht auf dem religiösen Indifferentismus gegründet sein. So haben wir Christen die Pflicht, ihn so zu entwickeln, dass wir das volle Zeugnis der Hoffnung, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15), vortragen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, dass das eine Beleidigung für die Identität des anderen sein könnte, was frohe Verkündigung eines Geschenkes ist: eines Geschenkes, das für alle bestimmt ist und das allen mit größter Achtung der Freiheit eines jeden angeboten werden soll. Es ist das Geschenk der Verkündigung des Gottes, der Liebe ist und ‚die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab‘ (Joh 3,16). Das alles kann, wie es auch kürzlich von der Erklärung ‚Dominus Iesus‘ hervorgehoben wurde, nicht Gegenstand einer Art von dialogischer Verhandlung sein, so als ginge es für uns um eine bloße Meinung: Die Verkündigung dieses Geschenkes ist jedoch für uns eine Gnade, die uns mit Freude erfüllt, und eine Nachricht, die wir zu verkünden verpflichtet sind.

Deshalb kann sich die Kirche der missionarischen Tätigkeit gegenüber den Völkern nicht entziehen. So gehört zu den vordringlichsten Aufgaben der ‚missio ad gentes‘ [Sendung zu den Völkern] die Verkündigung, dass die Menschen die Fülle des religiösen Lebens in Christus finden, der ‚Weg, Wahrheit und Leben‘ ist (Joh 14,6). Der interreligiöse Dialog ‚kann nicht einfach die Verkündigung ersetzen, sondern bleibt stets auf die Verkündigung hin ausgerichtet‘. Die missionarische Pflicht hindert uns jedoch nicht daran, zum Dialog überzugehen und mit innerer Bereitschaft zuzuhören. Denn wir wissen, dass angesichts des an Dimensionen und möglichen Folgen für das Leben und die Geschichte des Menschen unendlich reichen Gnadengeheimnisses die Kirche selbst bei dessen Ergründung niemals an ein Ende kommen wird, obwohl sie auf die Hilfe des Beistandes, des Geistes der Wahrheit (vgl. Joh 14,17) zählen kann, dem es ja zukommt, sie ‚in die ganze Wahrheit‘ (Joh 16,13) einzuführen.

Dieses Prinzip liegt nicht nur der unerschöpflichen theologischen Vertiefung der christlichen Wahrheit zugrunde, sondern auch des christlichen Dialogs mit den Philosophien, den Kulturen und Religionen. Denn nicht selten erweckt der Geist Gottes, der ‚weht, wo er will‘ (Joh 3,8), in der allgemeinen menschlichen Erfahrung trotz ihrer vielen Widersprüchlichkeiten Zeichen seiner Gegenwart, die selbst den Jüngern Christi helfen, die Botschaft, deren Überbringer sie sind, vollkommener zu verstehen. War das Zweite Vatikanische Konzil nicht vielleicht mit dieser demütigen und vertrauensvollen Öffnung darum bemüht, die ‚Zeichen der Zeit‘ zu deuten? Auch wenn sie eine sorgfältige und wachsame Unterscheidung vornimmt, um die ‚wahren Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes‘ zu erfassen, erkennt die Kirche nicht nur, dass sie etwas gegeben hat, sondern wie viel sie auch ‚der Geschichte und Entwicklung der Menschheit verdankt‘. Diese Haltung der Öffnung und zugleich sorgfältiger Unterscheidung hat das Konzil auch gegenüber den anderen Religionen eingeführt. Wir müssen seiner Lehre und Spur mit großer Treue folgen.“

 

Ansprache an die Vertreter der Weltreligionen in Assisi am 24. Januar 2002

„7. Brüder und Schwestern, die ihr aus so vielen Teilen der Welt hierher gekommen seid! In Kürze begeben wir uns an die vorbereiteten Plätze, um von Gott das Geschenk des Friedens für die ganze Menschheit zu erflehen. Bitten wir, dass es uns gegeben sei, den Weg des Friedens, der rechten Beziehungen zu Gott und zwischen uns zu erkennen. Bitten wir Gott, unsere Herzen zu öffnen für die Wahrheit über Ihn und über den Menschen. Das Ziel ist eines, und das Anliegen ist das gleiche, aber wir werden in unterschiedlichen Formen beten und die religiösen Traditionen der anderen achten. Auch das ist im Grunde genommen eine Botschaft: Wir wollen der Welt zeigen, dass der aufrichtige Gebetsimpuls nicht zur Gegenüberstellung und noch weniger zur Verachtung des andern antreibt, sondern zum konstruktiven Dialog, in dem jeder, ohne in irgendeiner Weise dem Relativismus oder Synkretismus nachzugeben, sich noch stärker der Pflicht der Zeugenschaft und Verkündigung bewusst wird.

Es ist Zeit, diese Versuchungen zur Anfeindung, an denen es auch in der Religionsgeschichte der Menschheit nicht gefehlt hat, entschlossen zu überwinden. Wenn sie sich auf die Religion berufen, zeigen sie in Wirklichkeit eine sehr unreife Seite von ihr. Denn das ehrliche religiöse Empfinden leitet dazu an, in irgendeiner Weise das Geheimnis Gottes zu spüren, jenes Ursprungs der Güte, und das ist eine Quelle der Achtung und des Verstehens zwischen den Völkern: genau darin liegt das wichtigste Gegenmittel gegen Gewalt und Konflikte.“

 

2.3 Papst Benedikt XVI.

Ansprache anlässlich des XX. Weltjugendtages zur Begegnung mit Vertretern muslimischer Gemeinden am Samstag, 20. August 2005

„Der gläubige Mensch – und wir alle als Christen und als Muslime sind gläubige Menschen – weiß, dass er sich trotz der eigenen Schwäche auf die geistige Kraft des Gebetes verlassen kann.

Gemeinsam müssen wir – Christen und Muslime – uns den zahlreichen Herausforderungen stellen, die unsere Zeit uns aufgibt. Für Apathie und Untätigkeit ist kein Platz, und noch weniger für Parteilichkeit und Sektentum. Wir dürfen der Angst und dem Pessimismus keinen Raum geben. Wir müssen vielmehr Optimismus und Hoffnung pflegen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt. Die Jugendlichen aus vielen Teilen der Erde sind hier in Köln als lebendige Zeugen für Solidarität, Brüderlichkeit und Liebe. Ich wünsche Ihnen, verehrte und liebe muslimische Freunde, von ganzem Herzen, dass der barmherzige und mitleidige Gott Sie beschütze, Sie segne und Sie immer erleuchte. Der Gott des Friedens erhebe unsere Herzen, nähre unsere Hoffnung und leite unsere Schritte auf den Straßen der Welt.“

 

Grußwort beim Besuch in der Synagoge anlässlich des XX. Weltjugendtages am Freitag, 19. August 2005

„Deshalb möchte ich ausdrücklich ermutigen zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen. Nur so wird es möglich sein, zu einer beiderseits akzeptierten Interpretation noch strittiger historischer Fragen zu gelangen und vor allem Fortschritte in der theologischen Einschätzung der Beziehung zwischen Judentum und Christentum zu machen. Ehrlicherweise kann es in diesem Dialog nicht darum gehen, die bestehenden Unterschiede zu übergehen oder zu verharmlosen: Auch und gerade in dem, was uns aufgrund unserer tiefsten Glaubensüberzeugung voneinander unterscheidet, müssen wir uns gegenseitig respektieren und lieben.“

 

Ansprache an die Gründungsmitglieder der Stiftung für interreligiöse und interkulturelle Forschung und Dialog am Donnerstag, 1. Februar2007

„Schon mehrfach habe ich in der Folge der Konzilserklärung Nostra aetate und im Sinne meines lieben Vorgängers Papst Johannes Pauls II. darauf hingewiesen, dass wir – Juden, Christen und Muslime – aufgerufen sind, die Bande, die uns einen, anzuerkennen und zu entwickeln. Darin liegt der Grundgedanke, der uns zur Gründung dieser Stiftung geführt hat; ihre Zielsetzung besteht darin, ‚nach der wesentlichsten und authentischsten Botschaft [zu suchen], die die drei monotheistischen Religionen, also Judentum, Christentum und Islam, an die Welt des 21. Jahrhunderts richten können‘, um dem interreligiösen und interkulturellen Dialog einen neuen Impuls zu geben durch die gemeinsame Forschung und durch die Herausstellung und Verbreitung dessen, was in unserem jeweiligen geistigen Erbe zur Festigung der brüderlichen Beziehungen zwischen unseren Glaubensgemeinschaften beiträgt …

Unsere jeweiligen religiösen Traditionen betonen alle den heiligen Charakter des Lebens und die Würde des Menschen. Wir glauben, dass Gott unsere Vorhaben segnen wird, wenn sie zum Wohl aller seiner Kinder beitragen und es ihnen ermöglichen, einander zu achten in einer weltumspannenden Brüderlichkeit. Zusammen mit allen Menschen guten Willens sehnen wir uns nach Frieden. Daher wiederhole ich mit Nachdruck: interkulturelle und interreligiöse Forschung und Dialog sind keine Option, sondern eine lebenswichtige Notwendigkeit unserer Zeit.“

 

Schreiben an Msgr. Domenico Sorrentino anlässlich des 20. Jahrestages des „interreligiösen Treffens zum Gebet für den Frieden in Assisi“

„Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, um die Vertreter der anderen Religionen zu grüßen, die an der einen oder der anderen Gedenkfeier in Assisi teilnehmen. So wie wir Christen wissen auch sie, dass man im Gebet Gott auf ganz besondere Weise erfahren und aus dem Gebet wirkungsvolle Anregungen schöpfen kann, um sich der Sache des Friedens zu widmen. Dennoch müssen auch hier unangebrachte Verwechslungen vermieden werden. Daher muss, auch wenn man zusammenkommt, um für den Frieden zu beten, das Gebet in unterschiedlichen, den verschiedenen Religionen eigenen Weisen stattfinden. Dies ist die Entscheidung, die 1986 getroffen wurde, und diese Entscheidung ist auch heute noch gültig. Übereinstimmung unter Verschiedenartigen darf nicht den Eindruck erwecken, dass man jenem Relativismus Raum gibt, der den Sinn der Wahrheit und die Möglichkeit, zu ihr zu gelangen, leugnet.“

 

3. Eine Auswahl christlicher Gebete

„Gott, unerschöpflich ist deine Weisheit, unergründlich ist dein Urteil, unerforschlich sind deine Wege. Kein Mensch kann dich begreifen. Von dir nimmt alles seinen Ausgang, durch dich hat alles sein Leben, in dir hat alles sein Ziel. Dich will ich loben und preisen jetzt und in Ewigkeit.“ (nach Röm 11, Gotteslob3.2).

„Beim aufgehenden Morgenlicht preisen wir dich, o Herr; denn du bist der Erlöser der ganzen Schöpfung. Schenk uns in deiner Barmherzigkeit einen Tag, erfüllt mit deinem Frieden. Vergib uns unsere Schuld. Lass unsre Hoffnung nicht scheitern. Verbirg dich nicht vor uns. In deiner sorgenden Liebe trägst du uns; lass nicht ab von uns. Du allein kennst unsre Schwäche. O Gott, verlass uns nicht.“ (Ostsyrische Christen, Gotteslob 15.1).

„Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.“ (Gebet der Vereinten Nationen, Gotteslob31.1).

„Herr aller Herren, du willst, dass die Menschen miteinander in Frieden leben. Wir bitten dich, zeige den Politikern, wie sie Spannungen lösen und neue Kriege verhindern können. Lass die Verhandlungen unter den Nationen der Verständigung dienen und führe die Bemühung um Abrüstung zum Erfolg. Wir bitten dich um gerechte Lösung der Konflikte, die Ost und West, Nord und Süd, Farbige und Weiße, arme und reiche Völker voneinander trennen. Lass nicht zu, dass wir mitmachen, wenn Hass und Feindschaft Menschen gegeneinander treiben. Hilf uns Frieden halten, weil du mit uns Frieden gemacht hast.“ (Gotteslob31.2).

„Wir danken dir, Herr, dass du deine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und dass du regnen lässt für Gerechte und Ungerechte. Wir danken dir, dass du uns Menschen das tägliche Brot gibst und die Kraft, einander zu vergeben und zu helfen. Führe uns in deine Schöpfung, von Hass und Streit befreit, vollendet ist in deiner Liebe. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.“ (aus: Dank für die Schöpfung, Gotteslob 788.1).

„Gott, unser Vater, hilf uns, dass wir immer mehr einander achten lernen; gib uns Kraft zum Frieden in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Freizeit. Lass Männer und Frauen, Junge und Alte, Menschen verschiedener Überzeugung einander ertragen und einander Gutes tun. Dies erbitten wir durch Christus, unsern Herrn.“ (aus: Zusammenleben der Menschen, Gotteslob790.1).

„Gepriesen sei unser Herr Jesus Christus, eingeborener Sohn des Vaters, von den Propheten als Fürst des Friedens angekündigt, geboren von einer Frau in Bethlehem in Judäa: Mit seinem Blut hat er Abel mit Kain versöhnt, er hat die trennende Mauer niedergerissen und hat aus zwei Völkern ein einziges geschaffen; nach der Auferstehung von den Toten hat er den Jüngern als erste Gabe den Frieden gebracht.“ (Gebet für den Frieden, Assisi 2002).

„Um deine Kraft zum Frieden bitten wir, guter Gott: Wir erkennen dankbar, dass es unter uns Menschen gibt – einflussreiche und unbekannte –, die Spannungen überbrücken, die nicht aufhören zu verhandeln, die überall den Frieden suchen.
Um deine Kraft zum Frieden bitten wir, guter Gott: um den Mut, allen entgegenzutreten, die an gewaltsame Lösungen denken, die mit Gedanken an Krieg ihr Spiel treiben, die durch spannende Schilderungen den Krieg verharmlosen.
Um deine Kraft zum Frieden bitten wir, guter Gott: dass wir die schrecklichen Folgen der Kriege nicht vergessen oder verschweigen; dass wir eintreten für Versehrte und Verstörte, für die Opfer trennender Grenzen, für die Minderheiten und Flüchtlinge – dass wir sie verstehen und unter uns aufnehmen. Um deine Kraft zum Frieden bitten wir, guter Gott. Amen.“ (Evangelisches Kirchengesangbuch Bayern / Thüringen, 898,1).

„Schöpfer des Alls! Aus deiner Liebe kommt unsere Welt. Wir bestaunen dein Werk und loben dich. Gut, sehr gut ist, was du geschaffen hast.
Mach uns zu treuen und sorgsamen Verwaltern deiner Erde, dass wir aufhören, sie zu schänden oder auszubeuten. Erhalte uns die Freude an der Natur und die Ehrfurcht vor dem Leben. Gib, dass wir nichts tun, was deiner Schöpfung schadet. Hilf uns barmherzig zu sein mit allen Kreaturen, die mit uns auf deine Erlösung warten.
Wir sind ja auch von der Erde und danken dir jeden Atemzug. Segne uns, damit auch Kinder und Kindeskinder mit all deinen Geschöpfen diese Erde bewohnen können. Mit dem Hauch deines Geistes willst du die Welt erneuern. Wir preisen dich dafür und hoffen auf dich. Amen.“ (Evangelisches Kirchengesangbuch Bayern / Thüringen, 897,2).

„Herr, öffne uns die Augen, dass wir sehen, was zu sehen ist. Öffne uns die Ohren, dass wir hören, was zu hören ist. Öffne uns die Lippen, dass wir sagen, was zu sagen ist. Öffne uns die Hände, dass wir ändern, was zu ändern ist. Öffne uns die Zukunft, lass erscheinen in der Welt dein Reich.“ (Katholisches Gesangbuch der Schweiz, 604.3).

„Gott, du willst, dass die Menschen miteinander in Frieden leben. Wir bitten dich, zeig den Verantwortlichen in der Politik, wie sie Spannungen lösen und neue Kriege verhindern können. Lass die Verhandlungen unter den Nationen der Verständigung dienen und führe das Bemühen um Abrüstung zum Erfolg. Wir bitten dich um gerechte Lösungen der Konflikte, die Ost und West, Nord und Süd, Farbige und Weiße, arme und reiche Völker voneinander trennen. Lass nicht zu, dass wir mitmachen, wenn Hass und Feindschaft Menschen gegeneinander treiben. Hilf uns Frieden halten, weil du mit uns Frieden gemacht hast.“ (Katholisches Gesangbuch der Schweiz, 604.5).

 

4. Quellen

4.1 Allgemeine Quellen

Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart – Klosterneuburg 51988.

Der Koran. Übersetzt von Rudi Paret, Stuttgart 71996.

Der Koran. Übersetzt von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Gütersloh 1987.

RAHNER, Karl / VORGRIMLER, Herbert: Kleines Konzilskompendium, Freiburg – Basel – Wien 292002.

Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1945–1985 (Gemeinsame Veröffentlichung der Studienkommission Kirche und Judentum der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Arbeitsgruppe für Fragen des Judentums der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, hrsg. von Rolf Rendtorff und Hans Hermann Henrix, Paderborn – Gütersloh 32001 (zitiert als KuJ I).

Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1985–2000 (Gemeinsame Veröffentlichung der Studienkommission Kirche und Judentum der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Arbeitsgruppe für Fragen des Judentums der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, hrsg. von Hans Hermann Henrix und Wolfgang Kraus, Paderborn – Gütersloh 2001 (zitiert als KuJ II).

 

4.2 Enzykliken und Apostolische Schreiben

Enzyklika Dominum et vivificantem von Papst Johannes Paul II. über den Heiligen Geist im Leben der Kirche und der Welt. 18. Mai 1986 (VAS 71), Bonn 1986.

Enzyklika Sollicitudo rei socialis von Papst Johannes Paul II. an die Bischöfe und Priester, an die Ordensgemeinschaften, an alle Söhne und Töchter der Kirche, an alle Menschen guten Willens. 30. Dezember 1987 (VAS 82), Bonn 1987.

Enzyklika Redemptoris missio von Papst Johannes Paul II. über die fortdauernde Gültigkeit des missionarischen Auftrages. 7. Dezember 1990 (VAS 100), Bonn 1990.

Johannes Paul II.: Incarnationis mysterium. Verkündigungsbulle des Großen Jubiläums des Jahres 2000 (VAS 136), Bonn 1998.

Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. an die Bischöfe, den Klerus, die Ordensleute und an die Gläubigen zum Abschluss des Großen Jubiläums des Jahres 2000. 6. Januar 2001 (VAS 150), Bonn 2001.

 

4.3 Papst Johannes Paul II. – Ansprachen

Zum Gebetstag nach Assisi eingeladen. Predigt des Papstes beim Gottesdienst zum Abschluss der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in der Basilika St. Paul vor den Mauern am 25. Januar 1986, in: OR (dt.) 7 vom 14. Februar 1986, 8.

Ansprache beim Besuch der Großen Synagoge Roms am13. April 1986. In: Wiederentdeckung der Verbundenheit der Kirche mit dem Judentum. Arbeitshilfe. 15. Februar 2000 (Das Heilige Jahr 2000; 15), 2. erw. Aufl., Bonn 2000, 39–45.

In Assisi: Zusammensein, um zu beten. Ansprache bei der Generalaudienz am 22. Oktober, in: OR (dt.) 44 vom 31. Oktober 1986, 2.

Wir erinnern. Eine Reflexion über die Shoah, in: OR (dt.) 14 vom 3. April 1998, 9.

Den Geist von Assisi in dieser Welt lebendig halten. Interreligiöse Begegnung auf dem Petersplatz. Ansprache von am 28. Oktober 1999, in: OR (dt.) 46 vom 12. November 1999, 7.

Frieden für das Land des Herrn. Ansprache bei der Begrüßungszeremonie bei der Ankunft auf dem Flughafen von Tel Aviv am 21. März 2000, in: OR (dt.) 12 vom 24. März 2000, 9 oder KuJ II, 157.

Anerkennung des Schöpfers und des Herrn der Geschichte. Ansprache am 23. März 2000, in: Jubiläumsreise des Papstes ins Heilige Land. Interreligiöse Begegnung in Jerusalem, in: OR (dt.) 14 vom 7. April 2000, 10 f.

Ansprache und Vergebungsbitten, in: Internationale Theologische Kommission: Erinnern und versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit, ins Deutsche übertragen und herausgegeben von Gerhard Ludwig Müller. Freiburg 32000.

 

4.4 Papst Benedikt XVI. – Ansprachen

Grußwort beim Besuch in der Synagoge anlässlich des XX. Weltjugendtages am Freitag, 19. August 2005.

Ansprache anlässlich des XX. Weltjugendtages zur Begegnung mit Vertretern muslimischer Gemeinden am Samstag, 20. August 2005.

Schreiben an Msgr. Domenico Sorrentino anlässlich des 20. Jahrestages des „interreligiösen Treffens zum Gebet für den Frieden in Assisi“.

Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen. Vorlesung des Papstes in der Universität Regensburg am 12. September 2006, in: Apostolische Reise Seiner Heiligkeit

Papst Benedikt XVI. nach München, Altötting und Regensburg 9.–14.9.2006 (VAS 174), 72–84; vgl. auch: Benedikt XVI., Glaube und Vernunft. Die Regensburger Vorlesung, Freiburg i. Br. 2006.

Ansprache an die Gründungsmitglieder der Stiftung für interreligiöse und interkulturelle Forschung und Dialog am Donnerstag, 1. Februar 2007.

 

4.5 Dokumente römischer Kongregationen, Kommissionen und Räte

Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum: Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung „Nostra aetate“, Artikel 4 vom 1. Dezember 1974, in:

KuJ I, 48–53.

Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog: Dialog und Mission.Gedanken und Weisungen gegenüber den Anhängern anderer Religionen, in: OR (dt.) 14, 1984, 34/34, 10 f.

Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog/Kongregation für die Evangelisierung der Völker: Dialog und Verkündigung. Überlegungen und Orientierungen zum Interreligiösen Dialog und zur Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi. 16. Mai 1991 (VAS 102), Bonn 1991.

Internationale Theologische Kommission: Das Christentum und die Weltreligionen, Rom 1997.

Pontifical Council for Interreligious Dialogue (Hg.): Interreligious dialogue. The official teaching of the catholic church (1963–1995), ed. by Francesco Gioia, Boston 1997.

Conseil Pontifical pour le dialogue interreligieux: Le dialogue interreligieux dans l'enseignement official de l’Eglise catholique (1963–1987), hrsg. von Francesco Gioia, Solesmes – Vatican 1998.

Pontificio Consiglio per il Dialogo Interreligioso: Dialogo Interreligioso nell’insegnamento ufficiale della Chiesa Cattolica (1963–2005), a cura di Francesco Gioia, 2. Aufl., Vaticano

2006.

Internationale Theologische Kommission: Erinnern und versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit, ins Deutsche übertragen und hrsg. von Gerhard Ludwig Müller, Freiburg 32000.

Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Juden: Wir erinnern. Eine Reflexion über die Shoah, in: KuJ II, 110f. oder Wiederentdeckung der Verbundenheit der Kirche mit dem Judentum. Arbeitshilfe. 15. Februar 2000 (Das Heilige Jahr 2000; 15), 2., erw. Aufl., Bonn 2000, 58–68.

Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Dominus Iesus über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche. 6. August 2000. (VAS 148), Bonn 2000.

Pontificum Concilium pro Laicis, Ecumenismo e Dialogo interreligioso: Il contributo dei fedeli laici, Seminario di studio III, Città del Vaticano 2002.

 

4.6 Dokumente aus dem Bereich der Deutschen Bischofskonferenz

Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in Predigt und in der Katechese der katholischen Kirche (Arbeitshilfen 44), Bonn 1986, auch in: KuJ I, 93–103.

Christen und Muslime in Deutschland. Eine pastorale Handreichung. 4. März 1993 (Arbeitshilfen 106), Bonn 1993.

Gottes Geist in der Welt. Ökumenische Arbeitshilfe. 1. März 1998 (Auf dem Weg zum Heiligen Jahr 2000; 8), Bonn 1998.

Wiederentdeckung der Verbundenheit der Kirche mit dem Judentum. Arbeitshilfe. 15. Februar 2000 (Das Heilige Jahr 2000; 15), 2., erw. Aufl., Bonn 2000.

LEHMANN, Karl: Das Christentum – eine Religion unter anderen? Zum interreligiösen Dialog aus katholischer Perspektive (Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz 23), Bonn

2002.

Christen und Muslime in Deutschland. 23. September 2003 (Arbeitshilfen 172), Bonn 2003.

 

4.7 Dokumente der Evangelischen Kirche / Ökumenische Dokumente

Multireligiöses Beten (Kirche ökumenisch. Orientierungshilfe für die Gemeinde), erarbeitet von der Islam-Kommission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, hrsg. im Auftrag des Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, München 1992.

Einander begegnen in Kultur und Religion. Impulse aus der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern, Tauberbischofsheim 1994.

Christen und Muslime nebeneinander vor dem einen Gott. Zur Frage des gemeinsamen Betens. Eine Orientierungshilfe, hrsg. von der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf 1998.

Schritte der Erneuerung im Verhältnis zum Judentum (Juden und Christen III), hrsg. von der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hannover 2000, jetzt in: Christen und Juden I–III,

Gütersloh 2002, 113–214.

Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland. Eine Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland, hrsg. vom Kirchenamt der EKD, Gütersloh 2000.

Klarheit und gute Nachbarschaft. Christen und Muslime in Deutschland. Eine Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland, hrsg. vom Kirchenamt der EKD (EKD-Texte 86), Hannover 2006.

 

5. Literatur

ANAWATI, Georges C.: Exkurs zum Konzilstext über die Muslime, in: LThK Ergänzungsband 2, 485–487.

ARINZE, Francis: Begegnung mit Menschen anderen Glaubens. Den interreligiösen Dialog verstehen und gestalten, München u. a. 1999.

ARINZE, Francis: Brücken bauen. Francis Kardinal Arinze im Gespräch mit Helmut S. Ruppert, Augsburg 2000.

ARINZE, Francis: Religionen gegen die Gewalt. Eine Allianz für den Frieden, Freiburg 2002.

BORRMANS, Maurice: Wege zum christlich-islamischen Dialog, Frankfurt 1985.

Dabru emet – redet Wahrheit. Eine jüdische Herausforderung zum Dialog mit den Christen, hrsg. von Rainer Kampling und Michael Weinrich, Gütersloh 2003.

Die Friedensgebete von Assisi, hrsg. von Hans Waldenfels, Freiburg u. a. 1987.

KUSCHEL, Karl-Josef, Juden – Christen – Muslime. Herkunft und Zukunft, Düsseldorf 2007.

LEHMANN, Leonhard: Die beiden Briefe des hl. Franziskus an die Kustoden. Ansätze für eine christlich-islamische Ökumene im Loben Gottes, in: Franziskanische Studien 69 (1987), 4–33.

OESTERREICHER, Johannes: Kommentierende Einleitung zur Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, in: LThK Ergänzungsband 2, 406–478.

PETER, Anton (Hg.): Christlicher Glaube in multireligiöser Gesellschaft. Erfahrungen, theologische Reflexionen, missionarische Perspektiven (Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft. Supplementa Vol. 44), Immensee/Schweiz 1996.

Ratzinger, Joseph/Benedikt XVI.: Die Vielfalt der Religionen und der Eine Bund, Hagen 1998.

RIEDL, Gerda: Modell Assisi. Christliches Gebet und interreligiöser Dialog in heilsgeschichtlichem Kontext, Berlin – New York 1998.

SIEBENROCK, Roman A., Kommentar zur Erklärung „Nostra Aetate“, in: Herders Theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil, hrsg. von P. Hünermann und B. J. Hilberath, Band 3, Freiburg i. Br. 2005, 591–693.

Weltreligionen für den Frieden. Die internationalen Friedenstreffen von Sant’ Egidio, hrsg. von Albert Franz, Trier 1996.

 

6. Abkürzungsverzeichnis

DH - Dignitatis humanae. Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Religionsfreiheit vom 7. Dezember  1965.

GS - Gaudium et spes. Die pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute vom 7. Dezember 1965.

LG - Lumen gentium. Dogmatische Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche vom 21. November 1964.

LThK - Lexikon für Theologie und Kirche.

NA - Nostra aetate. Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen vom 28. Oktober 1965.

OR (dt.) - L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache.

ÖRK - Ökumenischer Rat der Kirchen.

VAS - Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls.

 

Quelle: Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen. Eine Handreichung der deutschen Bischöfe. – 24. Juni 20082., 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage (Arbeitshilfen 170), Bonn 2008, 72 S. und: http://www.dbk-shop.de/de/Deutsche-Bischofskonferenz/Arbeitshilfen/Leitlinien-fuer-das-Gebet-bei-Treffen-von-Christen-Juden-und-Muslimen.html.


[1] Mit interreligiösem Dialog sind gemeint alle „positiven und konstruktiven interreligiösen Beziehungen mit Personen und Gemeinschaften anderen Glaubens, um sich gegenseitig zu verstehen und einander zu bereichern.“ Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog: Dialog und Mission. Gedanken und Weisungen gegenüber den Anhängern anderer Religionen, 3.

[2] Vgl. Johannes Paul II.: Incarnationis mysterium. Verkündigungsbulle des Großen Jubiläums des Jahres 2000, 11.

[3] Internationale Theologische Kommission: Erinnern und versöhnen. Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit, 125.

[4] Papst Johannes Paul II.: Anerkennung des Schöpfers und des Herrn der Geschichte. Ansprache am 23. März 2000, in: Jubiläumsreise des Papstes ins Heilige Land. Interreligiöse Begegnung in Jerusalem, in: OR (dt.) 14 vom 7. April 2000, 10 f.

[5] NA 4.

[6] Zum Folgenden vgl. Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Juden: Wir erinnern. Eine Reflexion über die Shoah, 61.

[7] NA 4.

[8] NA 4.

[9] Papst Johannes Paul II.: Ansprache beim Besuch der Großen Synagoge Roms am 13. April 1986, in: Das Heilige Jahr 2000 (15), 42.

[10] Wir erinnern. Eine Reflexion über die Shoah, 67.

[11] Vgl. Gottes Geist in der Welt (Auf dem Weg zum Heiligen Jahr 2000; 8), 144.

[12] NA 3.

[13] LG 16.

[14] LG 16.

[15] Dialog und Mission 17; 32.

[16] Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Dominus Iesus. Über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche vom 6. August 2000, Einleitung 2.

[17] Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog/Kongregation für die Evangelisierung der Völker: Dialog und Verkündigung. Überlegungen und Orientierungen zum Interreligiösen Dialog und zur Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi vom 16. Mai 1991.

[18] Dialog und Verkündigung 71.

[19] Dominus Iesus 20.

[20] Vgl. Dominus Iesus 22.

[21] Vgl. Dominus Iesus 22; Johannes Paul II.: Enzyklika Redemptoris missio über die fortdauernde Gültigkeit des missionarischen Auftrages vom 7. Dezember 1990, 36.

[22] Vgl. NA 2.

[23] Dominus Iesus 22

[24] Vgl. DH 1; vgl. Dominus Iesus 22.

[25] Den Geist von Assisi in dieser Welt lebendig halten. Interreligiöse Begegnung auf dem Petersplatz. Ansprache von Johannes Paul II. am 28. Oktober 1999.

[26] Redemptoris missio 29; vgl. GS 22; Dominus Iesus 21; Dialog und Verkündigung 48.

[27] Vgl. Dialog und Mission 9; Dialog und Verkündigung 22 und 42 f.

[28] Vgl. dazu in leicht veränderter Form Christen und Muslime in Deutschland. 23. September 2003 (Arbeitshilfen 172), Bonn 2003, 184 f.

[29] Vgl. dazu Christen und Muslime in Deutschland. 23. September 2003 (Arbeitshilfen 172), Bonn 2003, 181–183.

[30] Sure 2, 177.

[31] Vgl. LG 16.

[32] Vgl. unten VI. Anhang 1.

[33] Johannes Paul II.: In Assisi: Zusammensein, um zu beten. Ansprache des Papstes bei der Generalaudienz am 22. Oktober 1986.

[34] Johannes Paul II.: Enzyklika Sollicitudo rei socialis vom 30. Dezember 1987, 47.

[35] Johannes Paul II.: Zum Gebetstag nach Assisi eingeladen. Predigt des Papstes beim Gottesdienst zum Abschluss der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in der Basilika St. Paul vor den Mauern am 25. Januar 1986, 8.

[36] NA 4.

[37] NA 4.

[38] Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum: Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung „Nostra aetate“, 50.

[39] Frieden für das Land des Herrn. Ansprache von Papst Johannes Paul II. bei der Begrüßungszeremonie bei der Ankunft auf dem Flughafen von Tel Aviv am 21. März 2000.

[40] Übersetzt nach: John Paul II.: Letter to His Eminence Edward Cardinal Cassidy for the International Encounter of Prayer Held in Milan (Rom 9-16-1993). Vgl. Gioia, Interreligious dialogue, 515.

[41] Dialog und Verkündigung 43.

[42] Vgl. NA 3 und 4

[43] Johannes Paul II.: Zum Gebetstag nach Assisi eingeladen. Predigt des Papstes beim Gottesdienst zum Abschluss der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in der Basilika St. Paul vor den Mauern am 25. Januar 1986.

[44] Vgl. Weltreligionen für den Frieden. Die Internationalen Friedenstreffen von Sant’Egidio, 15–20.

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