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Note bezüglich der neuen Richtlinien des Heiligen Vaters Benedikt XVI. zur Karfreitagsfürbitte

Staatssekretariat vom 4. Februar 2008

 

Der Karfreitag des Jahres 2008 hat in der Geschichte der katholisch-jüdischen Beziehungen seinen eigenen Platz. An diesem Hohen Freitag konnten die Gläubigen, welche die Liturgie im „außerordentlichen Usus“ nach tridentinischer Tradition begehen, zum ersten Mal die Karfreitagsfürbitte „für die Juden“ von Papst Benedikt XVI. verwenden, die in einer Note des Staatssekretariats vom 4. Februar 2008 veröffentlicht worden war. Die Übersetzung der Fürbitte lautet: „Lasst uns beten auch für die Juden, dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Heiland aller Menschen erkennen. [Lasset uns beten. Beuget die Knie. Erhebet Euch.] Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass, indem die Heidenvölker in Deine Kirche eintreten, ganz Israel gerettet werde. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.“

 

Abseits der päpstlichen Intention bei der Verabschiedung bzw. Veröffentlichung hat diese Karfreitagsfürbitte eine schwere Krise im katholisch-jüdischen Verhältnis ausgelöst. Sie rührte mit ihrer Bitte um (An-)Erkenntnis Jesu Christi sowie mit ihren Formulierungen von der Erleuchtung der Herzen der Juden und vom Gelangen zur Erkenntnis der Wahrheit an eine vitale Tiefenschicht im Judentum, die ihre eigene Autorität hat. Diese Tiefenschicht besteht im jüdischen Gedächtnis aus einer langen Geschichte schwerer Existenzbeeinträchtigung, Gefährdung, Verfolgung und gar Tötung und Ermordung durch Christen besonders im zweiten Jahrtausend christlicher Zeitrechnung. In dieser so belasteten Geschichte des katholisch-jüdischen Verhältnisses hat der Karfreitag seinen eigenen Stellenwert. Denn die Vergegenwärtigung der Passion Jesu in der Heiligen Woche und besonders an Karfreitag hatte frömmigkeitsgeschichtlich eine lange Zeit eine fast unvermeidliche Polemik gegen das jüdische Volk und Judentum bei sich; sie verschaffte sich in Aussagen und Gesten der Liturgie und in Haltungen und Taten der Verachtung und Verfolgung Ausdruck. Die jüdischen Erfahrungen der
Erniedrigung haben sich tief in das jüdische Gedächtnis eingeschrieben. Und in diesem Gedächtnis wurde jenseits der Intention der Fürbitte selbst etwas durch sie angesprochen, das eruptiv aufbrach und den Eindruck der Bedrohung bei sich hatte: das intuitive Langzeitgedächtnis mit seinem Wissen um eine Gefährdetheit christlicher Passionsfrömmigkeit in der Geschichte. Erst in langen Wochen schmerzlicher Kontroversen konnte die Irritation und Verstimmung in der katholisch-jüdischen Beziehung konstruktiv bearbeitet werden.
Bezüglich der im Motu proprio „Summorum Pontificum“ vom 7. Juli 2007 enthaltenen Richtlinien hinsichtlich der Möglichkeit, die letzte vor dem II. Vatikanischen Konzil im Jahr 1962 mit Zustimmung des seligen Johannes XXIII. veröffentlichte Ausgabe des Missale Romanum zu verwenden, hat der Heilige Vater Benedikt XVI. angeordnet, dass das Oremus et pro Iudaeis der Karfreitagsliturgie, die sich im besagten Missale Romanum findet, durch den folgenden Text ersetzt wird:

Oremus et pro Iudaeis
Ut Deus et Dominus noster illuminet corda eorum, ut agnoscant Iesum Christum salvatorem omnium hominum.
Oremus. Flectamus genua. Levate.
Omnipotens sempiterne Deus, qui vis ut omnes homines salvi fiant et ad agnitionem veritatis veniant, concede propitius, ut plenitudine gentium in Ecclesiam Tuam intrante omnis Israel salvus fiat. Per Christum Dominum nostrum. Amen.

Dieser Text muss von diesem Jahr an in allen Feiern der Karfreitagsliturgie nach dem oben genannten
Missale Romanum verwendet werden.

 

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/secretariat_state/2008/documents/rc_seg-st_20080204_nota-missale-romanum_ge.html.

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