One Two
Sie sind hier: Startseite Kirchliche Dokumente Online-Publikation: Die Kirchen und das Judentum I. Katholische Verlautbarungen Dokumente Schreiben an den Präsidenten der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum

Schreiben an den Präsidenten der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum

Benedikt XVI. am 26. Oktober 2005

 

Um die Bedeutung der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils vom 28. Oktober 1965 zu unterstreichen und ihre weitere Rezeption zu fördern, gab es im Vatikan eine Feier zum 40. Jahrestag von „Nostra Aetate“. In einer Botschaft, die bei der Feier durch Kardinal Walter Kasper, Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Juden, verlesen wurde, rief Papst Benedikt XVI. die Angehörigen beider Religionen zu theologischen Gesprächen und zur Zusammenarbeit, z.B. in den Bereichen der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und des Friedens, auf. Er würdigte die Tragweite der Konzilserklärung und die Verdienste von Papst Johannes Paul II. um das Verhältnis von Kirche und Judentum.

 

An den verehrten Bruder
Kardinale WALTER KASPER
Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum
Vierzig Jahre sind vergangen, seitdem mein Vorgänger Papst Paul VI. die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen Nostra aetate feierlich verkündete, die eine neue Epoche der Beziehungen zum jüdischen Volk einleitete und die Grundlage eines ehrlichen theologischen Dialogs bildete. Aus vielerlei Gründen veranlasst uns dieses Jubiläum, dem allmächtigen Gott für das Zeugnis all jener zu danken, die trotz einer komplexen und oft schmerzlichen Vergangenheit und vor allem nach der tragischen Erfahrung der Shoah, die von einer neuheidnischen, rassistischen Ideologie geprägt war, mutig auf eine tiefere Versöhnung und eine bessere Verständigung zwischen Christen und Juden hingearbeitet haben.
Nostra aetate schuf die Grundlage für ein neues Verhältnis zwischen dem jüdischen Volk und der Kirche und hob die Notwendigkeit hervor, Vorurteile, Missverständnisse, Gleichgültigkeit und die verächtliche und feindselige Sprache vergangener Zeiten zu überwinden. Die Erklärung hat ein tieferes gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Achtung, Zusammenarbeit und nicht selten auch Freundschaft zwischen Katholiken und Juden ermöglicht. Auch forderte das Dokument sie beide heraus, ihre gemeinsamen spirituellen Wurzeln anzuerkennen und ihr reiches Erbe des Glaubens an den einen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, zu würdigen, der seinen Bund mit dem auserwählten Volk schloss, seine Gebote offenbarte und Hoffnung lehrte in jenen messianischen
Verheißungen, die Zuversicht und Trost spenden in den Wechselfällen des Lebens. Während wir auf vier Jahrzehnte fruchtbarer Kontakte zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk zurückblicken, müssen wir zu diesem Jahrestag unseren Einsatz für die noch ausstehende Arbeit von neuem bekräftigen. Seit den ersten Tagen meines Pontifikats und insbesondere anlässlich meines Besuchs in der Synagoge von Köln habe ich in dieser Hinsicht meine feste Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, den Spuren meines geliebten Vorgängers Papst Johannes Paul II. zu folgen. Der jüdisch-christliche Dialog muss die geknüpften Bande der Freundschaft weiterhin bereichern und vertiefen, während wir in der Predigt wie auch in der Katechese bemüht sein müssen, unsere gegenseitigen Beziehungen im Licht der vom Konzil festgelegten Grundsätze darzulegen. Im Hinblick auf die Zukunft hoffe ich, dass sowohl im theologischen Dialog wie auch in der täglichen Begegnung und Zusammenarbeit Christen und Juden ein immer wirksameres gemeinsames Zeugnis für den einen Gott und seine Gebote, die Unantastbarkeit des Lebens, die Förderung der menschlichen Würde, die Rechte der Familie und die Notwendigkeit ablegen werden, eine Welt der Gerechtigkeit, der Versöhnung und des Friedens für die kommenden Generationen aufzubauen.
Anlässlich dieses Jubiläums versichere ich Sie, Ihre Mitarbeiter und all jene meines Gebets, die für die Förderung einer besseren Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden im Geist der Nostra aetate eintreten. Von Herzen erbitte ich für alle den göttlichen Segen der Weisheit, der Freude und des Friedens.

 

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/letters/2005/documents/hf_ben-xvi_let_20051026_nostra-aetate_ge.html

[Artikel als PDF-Version]

Artikelaktionen