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Schreiben an Dr. Riccardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom

Franziskus vom 13. März 2013

 

Papst Benedikt XVI. hatte in einer Erklärung vom 10. Februar 2013 mitgeteilt, er sei nach wiederholter Gewissensprüfung zu der Gewissheit gelangt, dass seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet seien, um in angemessener Weise das päpstliche Amt auszuüben. Er erklärte seinen Verzicht auf das Amt des Bischofs von Rom, so dass der päpstliche Stuhl ab dem 28. Februar 2013 vakant sei. Diese Mitteilung fand auch unter Juden in Israel und der ganzen Welt ein starkes Echo. Eine ähnliche Aufmerksamkeit fanden bei ihnen die Vorgänge um die Wahl des Nachfolgers von Benedikt im Amt des Papstes.

Als am Abend des Mittwoch, 13. März, die Wahl des Erzbischofs von Buenos Aires Jorge Mario Kardinal Bergoglio zum neuen Papst verkündet worden war, wurde bald bekannt, dass der frühere Erzbischof von Buenos Aires eine lange und herzliche Beziehung zur jüdischen Gemeinde vor Ort, aber auch mit der jüdischen Gemeinschaft Argentiniens gepflegt hatte. Nach einem Terroranschlag mit 85 Toten auf das jüdische Gemeindezentrum von Buenos Aires 1994 hatte er als erste Persönlichkeit eine Petition unterzeichnet, die den Anschlag verurteilte und forderte, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Im September 2007 hatte er am Neujahrs-Gottesdienst in der Benei-Tikva-Synagoge der argentinischen Hauptstadt teilgenommen. Mit dem Rabbiner dieser Gemeinde Abraham Skorka, zugleich Rektor des lateinamerikanischen Rabbinerseminars, hatte er ein Buch über „Himmel und Erde“ publiziert. Wie zur Bekräftigung dieser herzlichen Beziehung – aber auch in teilweise wörtlicher Entsprechung zur Einladung des Oberrabbiners von Rom durch den am Vortag gewählten Papst Benedikt XVI. vom 20. Januar 2005 (vgl. das entsprechende Dokument) – schrieb Franziskus noch am Tag seiner Wahl an Dr. Riccardo Di Segni, den Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Roms. Er übermittelte einen herzlichen Gruß an die römische Gemeinde und informierte den Oberrabbiner über den Termin der feierlichen Inauguration zum Pontifikatsbeginn.

 

An den sehr verehrten Dr. Riccardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom

An diesem Tag meiner Wahl zum Bischof von Rom und universalen Hirten der katholischen Kirche sende ich Ihnen meine herzlichen Grüße und gebe Ihnen bekannt, dass die feierliche Inauguration meines Pontifikats am Dienstag, 19. März, stattfinden wird.

Im Vertrauen auf den Schutz des Allerhöchsten hoffe ich von Herzen, zum Fortschritt beitragen zu können, den die Beziehungen zwischen Juden und Katholiken seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebt haben, im Geist erneuerter Zusammenarbeit im Dienst an einer Welt, die immer mehr in Übereinstimmung mit dem Willen des Schöpfers sein möge.

 Aus dem Vatikan, 13. März 2013.

 

Quelle: http://www.ccjr.us/dialogika-resources/documents-and-statements/roman-catholic/francis/1206-f2013march13; eigene Übersetzung bzw. aus: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache. Vatikanstadt, Nr. 12 vom 22. März 2013 (Jahrgang 43), 3.


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