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Votum „Das Gotteswort im Leben und in der Sendung der Kirche im Heiligen Land“ bei der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in der Synodenaula, Vatikanstadt

Patriarch Touad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem am 10. Oktober 2008

 

Die XII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode vom 5. bis 26. Oktober 2008 galt dem Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ (vgl. dazu das Dokument K.I. – 30. September 2010). Papst Benedikt XVI. hatte dazu als Gastredner den Oberrabbiner von Haifa, Shear Yashuv Cohen, eingeladen, der das jüdische Verständnis der Heiligen Schrift – der Tora, der Propheten und der Schriften – darlegte. Die Beiträge der teilnehmenden Bischöfe – Voten aus den nationalen bzw. Ortskirchen – bezogen sich nicht auf diesen Gastbeitrag. Sie gingen jedoch teilweise darauf ein, dass der erste Teil des Gotteswortes der Bibel, das Alte Testament, von der Kirche mit dem jüdischen Volk geteilt wird. Im Folgenden sind einige Synodalbeiträge dokumentiert, wobei der erste hier dokumentierte Beitrag von Patriarch Toud Twal, lateinischer Patriarch von Jerusalem, stammt. Der Patriarch ergriff am 10. Oktober 2010 das Wort. Er thematisierte den Aspekt des Wortes Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche im Heiligen Land und wies darauf hin, dass für die Kirche im Heiligen Land die Lesung und das Verständnis bestimmter Bibelstellen Schwierigkeiten bereitet und die arabischen Christen im Heiligen Land angesichts des israelisch-palästinensischen Konfliktes vor der Herausforderung stehen, gegenüber einer politischen und ideologischen Auslegung alttestamentlicher Stellen hellhörig zu sein.

 

„Verbum caro hic factum est” (Joh 1,14) – dieser Satz führt uns an die Schwelle des großen Mysteriums der Fleischwerdung des Gottesworts im Heiligen Land, das Er aussuchte, um „dort sein Zelt in unserer Mitte aufzuschlagen” (Joh 1,14).

In diesem Heiligen Land „hat Gott viele Male und auf vielerlei Weise einst zu den Vätern durch die Propheten gesprochen, in dieser Endzeit aber hat Er durch den Sohn zu uns gesprochen” (Hebr 1, 1-2). Schließlich wurde in diesem Heiligen Land den Aposteln der Heilige Geist eingeflößt, der „euch alles lehren und euch an alles erinnern wird, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14, 26). All dieser Gründe wegen erhalten das Lesen, Studieren und Meditieren des Gottesworts einen einzigartigen Wert und eine Fruchtbarkeit, wenn es im Heiligen Land geschieht, in dem nicht nur die Geschichte, sondern auch die Geographie und Topographie des Heils bewahrt wird.

Der israelisch-palästinensische Konflikt führt zu Schwierigkeiten bei der Lesung und dem Verständnis gewisser Bibelstellen. So fällt den christlichen Arabern im Allgemeinen das Lesen im Alten Testament schwer, nicht weil es um das Gotteswort geht, sondern weil die Auslegungen eine politische und ideologische Bedeutung haben können.

Zwei Prinzipien schützen uns vor diesen politischen und ideologischen Auslegungen:
1. Das Gotteswort im Lichte Christi zu lesen und auszulegen. Jesus sagte: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen (Mt 5,17). Christus hat in sich das ganze Alte Testament aufgenommen und zusammengefasst, um ihm einen neuen Schwung und eine neue Bedeutung zu geben (er „erfüllte“ sie). In Ihm und durch Ihn muss das Alte Testament gelesen und verstanden werden.
2. Das zweite Prinzip der Auslegung ist die Kirche. Jede Auslegung außerhalb der Kirche ist gefährlich.
Abschließend möchte ich die Gelegenheit der Anwesenheit des Heiligen Vaters und aller Synodenväter nutzen, um einen Aufruf zugunsten des Heiligen Landes zu machen und um mehr Gebete, mehr Solidarität und mehr Pilgerfahrten zu bitten. Helft uns, damit wir für Christus, den Messias und Erlöser, Zeugnis ablegen können, damit: „ihr in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde meine Zeugen seid” (Apg1,8).

 

Quelle: http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/03_francese/b13_03.html - S.B._Fouad_TWAL,_Patriarche_de_Jérusalem_des_Latins_(JÉRUSALEM); Übersetzung:

http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/05_tedesco/b13_05.html#S.S._Fouad_TWAL,_Patriarch_von_Jerusalem_der_Lateiner_(JERUSALEM)

 

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