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Votum bei der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in der Synodenaula, Vatikanstadt

Bischof Francis Deniau, Bischof von Nevers (Frankreich) am 10. Oktober 2008

 

Die XII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode vom 5. bis 26. Oktober 2008 galt dem Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ (vgl. dazu die Dokumente K.I. – 30. September 2010). Einige Voten der teilnehmenden Bischöfe gingen – wie der Beitrag des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Patriarch Touad Twal, am Vormittag des 10. Oktober – darauf  ein, dass der erste Teil des Gotteswortes der Bibel, das Alte Testament, von der Kirche mit dem jüdischen Volk geteilt wird. Dies tat am Nachmittag des 10. Oktober auch Bischof Francis Deniau, Bischof von Nevers/Frankreich und Präsident des Komitees der französischen Bischofskonferenz für die Beziehungen zum Judentum. Bischof Deniau hob dabei den besonderen Charakter des christlich-jüdischen Dialogs hervor und forderte eine größere Aufmerksamkeit für die jüdische Auslegungstradition der Heiligen Schrift des Alten Testamentes.

 

Die Kirche bezieht sich auf das jüdische Volk (Nostra aetate 4), wenn sie über ihr eigenes Mysterium nachdenkt. Dies ist nicht eine äußerliche Wirklichkeit, und der jüdisch-christliche Dialog ist nicht eine Art von inter-religiösem Dialog. Er berührt das Innere der Kirche und das Mysterium des Glaubens.

Wir werden von Nostra aetate zum biblischen Dialog aufgefordert. Die Christen sind immer versucht, von den Juden in der Vergangenheit zu reden. In seinem Wort vom jüdischen Volk als unseren älteren Brüdern sieht Johannes Paul II. uns zur selben Generation zugehörig. Wir sind „Miterben“ (Jean-Marie Lustiger) eines selben Erbes, des Alten Testaments. Wir legen es anders aus. Für die Juden durch die mündliche Tora (sie ist im Talmud schriftlich festgehalten und enthält eine Vielzahl von Auslegungen). Für uns durch das Neue Testament und die christliche Tradition (ohne zu vergessen, dass auch bei uns die mündliche Tradition der schriftlichen vorausging) mit dem Schwerpunkt auf der Einheit der beiden Testamente um die Gestalt Jesu Christi.

Die Auslegung des pharisäischen Judentums und die christliche Auslegung haben sich gleichzeitig entwickelt. Für uns Christen ist die jüdische Leseweise, die sich von der unsrigen grundsätzlich unterscheidet, nicht weniger möglich und legitim, und sie kann uns viel lehren (Päpstliche Bibelkommission, Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel, Nr. 22).

Punkte der Aufmerksamkeit sind: Unsere Auslegung des Alten Testaments muss der jüdischen Auslegung Raum lassen; unsere Auslegung des Neuen Testaments darf nicht zu Antisemitismus führen; wir sollen von den Juden nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart sprechen; wir müssen den Begriff der Erfüllung überprüfen (Päpstliche Bibelkommission, DjV, Nr. 21); die Dimension der von Juden und Christen gemeinsam geteilten eschatologischen Erwartung ist hervorzuheben, auch wenn sie unterschiedlich ist; wir müssen auf die in der jüdischen Tradition enthaltene universale Sendung achten; selbst wenn das „Nein” der Juden zu Jesus uns schmerzt, müssen wir zu verstehen suchen, was die Juden als Treue zu Gott und zu ihrer eigenen Berufung sehen; wir müssen uns mehr in das Studium des Römerbriefs 9 - 11 vertiefen und den Dialog nicht nur unter den Experten, sondern auch in den Pfarrgemeinden und Bewegungen fördern.

 

Quelle: http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/03_francese/b14_03.html - S.Exc._Mgr_Francis_DENIAU,_Évêque_de_Nevers_(FRANCE); Übersetzung:

 http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/05_tedesco/b14_05.html#S.Exz._Francis_DENIAU,_Bischof_von_Nevers_(FRANKREICH) – leicht bearbeitet.


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