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Votum bei der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in der Synodenaula, Vatikanstadt

Bischof Kidane Yebio, Bischof von Keren (Eritrea), am 11. Oktober 2008

 

Bei den Beratungen und Diskussionen der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode vom 5. bis 26. Oktober 2008 zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ (vgl. dazu die Dokumente K.I. – 30. September 2010) wurde aus unterschiedlichen Erfahrungen die Bedeutung des Alten Testamentes betont. So wies Bischof Kidane Yebio aus Eritrea nüchtern darauf hin, dass in der liturgischen Praxis das Alte Testament kaum eine Rolle spielt. Er unterbreitete mehrere Vorschläge, um die Abwesenheit des Alten Testamentes im Wissen der Gläubigen und in der Gottesdienstpraxis zu überwinden, freilich ohne Folgen daraus für die Beziehung zum Judentum zu nennen.

 

Wie bekannt ist, betrachtet die Kirche seit den Anfängen das Alte Testament als Teil und Posten der einen christlichen Bibel und als wesentlichen Teil der Offenbarung. Demzufolge ist die Bibel einzigartig mit dem Wort Gottes verbunden. Die Bibel selbst zeugt von der bewussten Identifikation des Wortes Gottes mit der Schrift. Das Wort Gottes, wie es im Brief an die Hebräer (Hebr  4,12-13) beschrieben wird, ist eine lebendige wirksame Realität, es ist ewig (Jes 40,8). Es ist allmächtig (Weish 18,15), eine schöpferische Kraft (vgl. Gen 1-3 ff.) und der Ursprung der Geschichte. Dieses Wort ist das Wort Gottes, das Jesus Christus ist, Gott und Mensch. Der Sohn ist das ewige Wort, immer gegenwärtig in Gott, weil er selbst Gott ist (vgl. Joh 1,1).

Die Kenntnis des Alten Testaments als Wort Gottes scheint die wahre Herausforderung unserer Tage zu sein, als Ausdruck seines Verhältnisses zum Mysterium Christi und der Kirche. Trotz der vielen Bibelübersetzungen in verschiedene Sprachen und der unentgeltlichen oder entgeltlichen Verbreitung der Bibel bleibt das Alte Testament der am wenigsten gelesene Teil der Bibel und der am wenigsten verstandene Teil in unserer katholischen Welt. Das Umfeld des Lesens unterscheidet sich je nach den Umständen:

  • Auf individueller Ebene: viele sind abgeneigt, Passagen aus dem Alten Testament, welche unverständlich erscheinen, aufzunehmen, was dazu führt, dass sie willkürlich ausgewählt oder überhaupt nicht gelesen werden.
  • Auf Gemeinde- oder Pfarrebene: in einigen Kirchen wird in den liturgischen Handhabungen den alttestamentlichen Lesungen kein Platz eingeräumt, demzufolge gibt es keine Gelegenheit, von diesem Teil des Wortes Gottes zu hören, nicht einmal in den Predigten.

 

Daher erfordert eine solche Situation dringend Folgendes:

  • Den Klerus, die Ordensleute und die Katecheten vorzubereiten, die Bibel in ihrer Ganzheit besser zu kennen.
  • Die Bibel in lokale Sprachen zu übersetzen und die Gläubigen zu ermutigen, die Bibel allein, in der Familie oder in einer Gemeinschaft zu lesen.
  • Eine Ausbildung zu entwickeln, die sich auf das Lesen des Alten Testaments mit Christus im Blick konzentriert und das Band zwischen den beiden Testamenten und den fortwährenden Wert des Alten Testaments anerkennt (Dei Verbum, Nr. 15-16).
  • Alttestamentliche Lesungen in die liturgische Praxis einzuführen; die Predigten sollten alttestamentliche Hinweise im Lichte des Neuen Testaments enthalten, was den heiligen Text des Alten Testaments immer als unentbehrlich für das Verständnis des Neuen Testaments erklärt, wie es von Jesus selbst im Abschnitt von Emmaus bezeugt wird, in dem der Herr ihnen darlegte, „ ausgehend von Moses und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht” (Lk 24, 27).

 

Quelle: http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/02_inglese/b15_02.html - H.E._Most._Rev._Kidane_YEBIO,_Bishop_of_Keren_(ERITREA); Übersetzung: http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/05_tedesco/b15_05.html - S.Exz._Kidane_YEBIO,_Bischof_von_Keren_(ERYTHRÄA) - leicht bearbeitet.


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