One Two
Sie sind hier: Startseite Kirchliche Dokumente Online-Publikation: Die Kirchen und das Judentum I. Katholische Verlautbarungen Dokumente Votum bei der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in der Synodenaula, Vatikanstadt

Votum bei der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in der Synodenaula, Vatikanstadt

Erzbischof Stanisław Gadecki, Erzbischof von Posen (Polen) am 13. Oktober 2008

 

Bei den Beratungen und Diskussionen der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode vom 5. bis 26. Oktober 2008 zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ (vgl. dazu die Dokumente K.I. – 30. September 2010) machte der Erzbischof von Posen Stanisław Gadecki auf ein theologisches Problem aufmerksam, das ihm wohl bei seiner mehrjährigen Aufgabe als Vorsitzender des Rates der Polnischen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog begegnet war: es ist die Spannung zwischen der einzigartigen und universalen Heilsbedeutung Jesu Christi einerseits und dem Glauben der Kirche andererseits, dass das Judentum als eine gläubige Antwort auf den von Gott nie widerrufenen Bund eine Quelle des Heils für das jüdische Volk ist. Er gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Synode in ihrem Schlussdokument eine Antwort auf die genannte Spannung bieten wird.

 

In Nr. 55 des Instrumentum laboris[1] mit der Überschrift „Das Wort Gottes, Quelle des Dialogs zwischen Christen und Juden” lesen wir: „Besondere Aufmerksamkeit verdient die Beziehung zum jüdischen Volk. Christen und Juden sind gemeinsam Kinder Abrahams, verwurzelt im gleichen Bund, denn Gott, der seinen Versprechen treu ist, hat den ersten Bund nicht widerrufen (vgl. Röm 9,4; 11,29).“ Doch was nicht in dieser Nummer behandelt wird, ist die Frage der Einzigartigkeit und der Universalität des Heils Jesus Christus gegenüber dem jüdischen Volk.

 

Das Nein zur christlichen Mission in Bezug auf die Juden

Einerseits kennen wir die Darlegungen in Dominus Iesus gut, die erklären, dass die Gnade Gottes - die gemäß unserem Glauben die Gnade Jesu Christi ist - allen offen steht. Folglich glaubt die Kirche, dass das Judentum, das die gläubige Antwort des jüdischen Volkes auf Gottes unwiderruflichen Bund ist, für dieses selbst eine Quelle des Heils ist, da Gott seiner Verheißung treu ist. So kann die Mission im engeren Sinne nicht auf die Juden angewandt werden, die an den einen und wahren Gott glauben. Infolgedessen gibt es keine katholische Organisation zur Mission gegenüber dem jüdischen Volk.

 

Die Einzigartigkeit und die Universalität des Heils in Jesus Christus

Andererseits muss man sagen, dass viele Katholiken nicht wissen, wie sie das Nein zur christlichen Mission in der Beziehung zum jüdischen Volk mit dem Zeugnis von den apostolischen Zeiten an in Übereinstimmung bringen, welches klar zeigt, dass die Präsenz der apostolischen Mission gerade an das jüdische Volk gerichtet war.

Im Neuen Testament wird der universale Heilswille Gottes eng mit der einzigen Mittlerschaft Christi verbunden: „Er [Gott] will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle“ (1 Tim 2,4-6). Es geschah im Bewusstsein dieses einzigartigen und universalen, vom Vater durch Jesus Christus im Geist angebotenen Heilsgabe (vgl. Eph 1,3-14), dass sich die ersten Christen an das jüdische Volk wandten und auf die Vollendung des Heils verwiesen, das über das Gesetz hinausgeht. „Sie traten auch der damaligen heidnischen Welt entgegen, die durch eine Vielzahl von Heilsgöttern nach der Erlösung strebte” [Dominus Iesus, 13].

Auch in Kenntnis der wahren Gründe der Herzensverhärtung der Juden gegenüber Christus, die der heilige Paulus anführt, fehlt bis jetzt eine klare und offizielle kirchliche Lehre darüber, was die Kirche im Hinblick auf das jüdische Volk über die Einzigartigkeit und Universalität des Heils in Jesus Christus denkt, was im Schlussdokument für die ganze Kirche unter Nr. 55 erläutert werden sollte.

 

Quelle: http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/01_italiano/b18_01.html - S.E.R._Mons._Stanisław_GĄDECKI,_Arcivescovo_di_Poznań_(POLONIA); Übersetzung: http://www.vatican.va/news_services/press/sinodo/documents/bollettino_22_xii-ordinaria-2008/05_tedesco/b18_05.html - S.Exz._Stanisław_GĄDECKI,_Erzbischof_von_Poznań_(POLEN) - leicht bearbeitet.

 

[1] Das „Instrumentum laboris“ ist ein offizielles Dokument, welches die Antworten auf die Einführung und den Überblick zum Thema der jeweils vorzubereitenden Generalversammlung der Bischofssynode, die sog. Lineamenta, zusammenfasst (Anmerkung des Übersetzers).

Artikelaktionen